Emmendingen

Gericht spricht Versicherungskaufmann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei

Georg Voss

Von Georg Voss

Sa, 15. August 2015

Kreis Emmendingen

Nach acht Verhandlungstagen ist ein 55-jähriger Versicherungskaufmann vom Schöffengericht in Emmendingen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.

EMMENDINGEN. Das Gericht unter Vorsitz von Günter Schmalen befand ihn jedoch der Körperverletzung für schuldig und verurteilte ihn dafür zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu jeweils 70 Euro.

Der 55-Jährige unterhielt mit der Frau über Jahre hinweg eine Fernbeziehung. Bei einem Besuch an einem Wochenende im März des vergangenen Jahres in ihrer Wohnung im Landkreis Emmendingen soll er sie geschlagen, gewürgt und erheblich verletzt haben. Auf diese Vorwürfe stützte sich die Anklage. Ebenso auf den Vorwurf, er habe sie anschließend zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Zur Begründung seines Urteils sagte Richter Schmalen, dass es eine Konstellation gewesen sei, die zu Gunsten des Angeklagten spreche. Damit sage er nicht, dass die Frau gelogen habe, vielmehr müsse das gesamte Bild betrachtet werden. Dabei ergebe sich, dass Aussagen der Frau nachweislich falsch und teilweise diametral widersprüchlich gewesen seien. Fakt sei aber, dass der Mann die Frau verletzt habe.

In einem Punkt wich Schmalen von der Argumentation von Clemens Allweyer, dem Vertreter der Staatsanwaltschaft, ab. Hinsichtlich der Körperverletzungen habe es keinen Exzess gegeben. Die Frau sei jedoch impulsiv und es habe verschiedene Situationen gegeben, in der sie ohne Anzeichen aggressiv reagiert habe.

Als Beispiel führte Schmalen eine Szene an, in der die Frau den Mann von einem Barhocker gezerrt und anschließend getreten und geschlagen habe. Nachweislich habe sie auch einer Bekannten ohne Not an den Hals gefasst − auch wenn sie das im Prozess abgestritten habe. Auch ihre Aussagen zur Vergewaltigung seien zweifelhaft, zudem fehle jeweils ein Teil ihrer Aussagen bei ihrem Arzt sowie der polizeilichen Vernehmung.

Im Gegensatz dazu plädierte Allweyer für eine zweijährige Haftstrafe für die Vergewaltigung und 80 Tagessätze für die Körperverletzung. Auch wenn die Aussagen der Frau Ungenauigkeiten zum Kerngeschehen aufwiesen und sie selbst unstrukturiert sei, gebe es keinen Anlass, den Mann mit falschen Aussagen zu belasten. So etwas könne man sich nicht ausdenken, es sei erlebte Geschichte.

Die Nebenklägerin fordert ein Kontaktverbot

Auch für Katja Ravat, die das Opfer als Nebenklägerin vertrat, sei es in dem Verfahren um die Frage gegangen, ob die Aussagen der Frau glaubwürdig seien. Moralische Vorstellungen spielten dabei keine Rolle. Die Frau habe nur ein einziges Problem. Das sei das Weglügen der Eifersucht und des Alkohols. So etwas würde sie vor Gericht nie zugeben. Zu Lasten des Mannes gehe, dass er auch noch nach der Tat der Frau Liebesbotschaften auf dem Anrufbeantworter hinterlassen habe und sagte, dass er sie wieder besuchen wolle. Das Urteil liege zwar im Ermessen des Gerichts, die Nebenklagevertreterin forderte aber, ein Kontaktverbot auszusprechen.

Laut Rechtsanwalt Philipp Rinklin war das Aussageverhalten der Frau widersprüchlich, auch habe sie in der Verhandlung eine Kehrtwende vollzogen. Ihre Aussagen müssten jedoch in ihrer Gesamtheit gewertet werden. Die Anforderung des Bundesgerichtshofs für eine Gefängnisstrafe gegen seinen Mandanten sei nicht erfüllt. Der Rechtsanwalt plädierte daher für Freispruch in beiden Punkten der Anklage. Er halte es für plausibel, dass es am besagten Tag zu keinem Geschlechtsverkehr gekommen sie, da auch keine objektiven Spuren von Sperma gefunden worden seien und eine Untersuchung unterblieb. Dementsprechend sei die Aussage des Mannes glaubhaft, er habe die Frau nicht vergewaltigt und keinen Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt.

Rinklin nahm am Ende das Urteil an und verzichtete auf Rechtsmittel. Jetzt trägt die Staatskasse die Kosten für das Verfahren.