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13. Januar 2009
Glitzernde Juwelen begeistern Kenner
Junge Virtuosen gastieren im Riegeler Theater Kumedi mit äußerst anspruchsvollem Programm.
RIEGEL. Violinduos von Jean-Marie Leclair (1697-1764) sind vermutlich nur Musikfreunden ein Begriff, die sich mit der Literatur des Streichinstruments etwas näher auseinandergesetzt haben. Die Musik des Franzosen mag im ersten Hören als nett durchgehen, ist aber, was Technik und Gestaltung angeht, alles andere als anspruchslos.
Es war eine schöne Idee, dass die Veranstalter der Sonntagsmatinee in der "Kumedi", die unter dem Motto "Spitzenbegabungen spielen Spitzeninstrumente" stand, das ausgedruckte Programm am Anfang und Schluss um zwei Sonaten Leclairs erweiterten: Sie zeigten die beiden Geigerinnen Aysen Ulucan (1985 in Bulgarien geboren) und Friederike Starkloff (sie kam 1990 im sächsischen Chemnitz zur Welt) als vorzügliche, konzentriert aufeinander hörende, um den ineinander verschmelzenden Gesamtklang bemühte Musikerinnen. Allerdings hatten sie es nicht in der Hand, dass knarzende Bühnendielen den musikalischen Genuss ein klein wenig störten.
Den – eigentlich logischen – Schritt, ein ganzes Programm aus solchen Miniaturen zu bestreiten, gingen die Programmgestalter aber nicht. Sie stellten der Anmut Leclairs anspruchsvolle, schwere Brocken entgegen. Aysen Ulucan spielte aus Bela Bartóks Solo-Violinsonate I (SZ 117) den Kopfsatz "Tempo di Ciaconna”. Die brüchige, fast aggressive Musik stellt höchste Ansprüche, denen Aysen Ulucan ziemlich mühelos gewachsen ist. Nicolo Paganinis Caprice Nr. 24 (a-Moll) dürfte zu den bekanntesten dieser violinistischen Kabinettstückchen gehören – sie ist nicht nur einmal von anderen Komponisten wieder aufgenommen worden. Auch hier konnte die junge Bulgarin absolut überzeugen.
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Gaspar Cassadó (1897-1966) war selbst Cellist von Weltrang. Mit seiner Suite für Solocello hat er ein Werk hinterlassen, das ganz aus Volkmusiktraditionen lebt. Auch hier sind die technischen Anforderungen hoch (nahezu polyphone Zweistimmigkeit auf einem Streichinstrument gehört zu den wirklich schweren Übungen). Der aus Kiew stammende Ilya Ryabokon (Jahrgang 1983), wie seine beiden Kolleginnen vielfacher Wettbewerbsgewinner, entführte die Zuhörer der (erfreulicherweise recht gut besuchten) Matinee in überzeugender Weise in die spanische Klangwelt Cassadós.
Nach der Pause dann Camille Saint-Saëns: Friederike Starkloff musizierte die Violinsonate des Franzosen zusammen mit Wolfram Lorenzen (Klavier). So sehr auch hier gelassen ausgespielte Virtuosität faszinierte, so schön Friederike Starkloff im langsamen Teil des Kopfsatzes "sang" – vielleicht wäre, wenigstens ab und zu, eine Spur mehr Leidenschaft noch passender gewesen.
Dennoch: Die mühelose Eleganz, mit der die drei jungen Musiker zu Werke gehen, verblüffte immer wieder. Diese drei sehr hoffnungsvollen Nachwuchskünstler mit Instrumenten aus der baden-württembergischen Landessammlung zu fördern, ist richtig und wichtig. Sie bewiesen, was sie aus diesen Instrumenten-"Vorgaben" zu leisten imstande sind. Folgerichtig gab es am Sonntag bei der Matinee immer wieder begeisterten Beifall, Fußtrampeln, sogar Bravo-Rufe.
Manfred Klimanski, Geschäftsführer der Landessammlung Streichinstrumente, die an der Freiburger Hochschule angesiedelt ist, hatte zum Auftakt der Veranstaltung im Riegeler Theater kurz die Geschichte dieser Einrichtung umrissen. Es begann damit, dass die 13-jährige Anne Sophie-Mutter, längst ein Weltstar, eine Stradivari vom Land Baden-Württemberg erhielt. Heute gibt es 43 Instrumente, deren Versicherungswert allein 6,5 Millionen Euro umfasst. Bislang seien 350 Musiker gefördert worden, wobei heute große Namen darunter sind. Die Sammlung, so Klimanski, sei die bedeutendste ihrer Art in Westeuropa. Dass sie allen (wirtschaftlichen) Krisen standhält, kann man im Interesse der Künstler und des Publikums nur hoffen.
Autor: Frank Berno Timm
