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21. Oktober 2009

Hohes Niveau, hoher Anspruch an die Akteure und das Publikum

Mit "Festlichen Barockkonzerten" im Spannungsfeld zwischen Solisten und Ensemble wurde in der Nimburger Bergkirche der 30. Geburtstag der Konzertreihe gefeiert

  1. Virtuose Musizierfreude in den „Festlichen Barockkonzerten“ zum 30. Geburtstag der Konzertreihe in der Nimburger Bergkirche. Foto: frank Berno Timm

TENINGEN-NIMBURG. Die Reihe der in der Regel exzellenten Konzerte in der Nimburger Bergkirche hat in dieser Saison ihren 30. Geburtstag gefeiert. Zum Abschluss der laufenden Serie standen am Sonntag vor hervorragend besetzten Reihen "Festliche Barockkonzerte" auf dem Programm. Sie waren glücklicherweise gehaltvoller als das Grußwort von Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker nach der – unkonzentriert begonnenen – Sinfonia von Wilhelm Friedemann Bach. Das Ensemble des Abends musizierte in kleinem Umfang, die einzelnen Register waren höchstens doppelt besetzt. Ob das finanziellen Grenzen folgte, mag dahingestellt sein, neue Hörerlebnisse eröffnete es allemal. Die Musik wirkt nicht nur schlanker und weniger wuchtig, sondern hier und dort fast solistisch. Dass die Akustik ein wenig trocken scheint, ist fast ein wenig schade.

Im Lauf der zwei Konzertstunden traten immer wieder einzelne Musikerinnen und Musiker aus dem Rund des Ensembles hervor und musizierten als Solisten. Selten zu hörende Musik wechselte mit Bekannterem ab. So spielte Cornelia Anuscheck-Pellegrini das G-Dur-Konzert für Viola und Orchester von Georg Philipp Telemann. Die Bratsche mit ihrem wundervollen Alt-Ton wünschte man sich häufiger als Soloinstrument zu hören. Bemerkenswert auch die wunderschönen Dialoge mit Agata Riley (erste Violine) im Kopfsatz. Zu den bekannteren Solokonzerten gehört Johann Sebastian Bachs Konzert für Geige (Antonio Pellegrini) und Oboe (Michaela Scali), das folgte. Pellegrini wirkte bis in den Mittelsatz, als fühle er sich unwohl – erst dann spielte er sich freier. Schon fast klassisch klingt Carl Philipp Emmanuel Bachs Flötenkonzert, das Gianlugi Durando musizierte. Durando bewältigte alle Tücken mit Charme, spielte eine phantastisch klingende Flöte.

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Was man im Jazz als Rhythmusgruppe bezeichnen würde, ist im Barock das Continuo. Elmar Schrammel (Cembalo), David Lauri und Franziska Pellegrini (Cello, ihr hätte man manchmal etwas mehr Mut gewünscht), dazu Sven Kestel (Kontrabass) boten ihren Musikerkollegen eine stets sichere, zuweilen zugriffstarke musikalische Grundlage. Dazu gehörte, dass David Lauri in die Mitte rückte und Antonio Vivaldis Cellokonzert (RV 424) spielte. Der bisherige Continuo-Cellist entpuppte sich als ambitionierter, hervorragender Solist. In Erinnerung blieb der Mittelsatz (nur mit Continuo musiziert). Das Publikum des Abends entfachte von Konzert zu Konzert – völlig zu Recht – mehr Begeisterung und Jubel.

Zum Schluss noch einmal Bach. Sein Viertes Brandenburgisches Konzert wäre mit größerem Orchester sicher werkgetreuer gespielt. Die Tempi wirkten insgesamt zu langsam.

Die Musikerinnen und Musiker des Abends zeigten insgesamt betrachtet einmal mehr, dass sich die Nimburger Konzertreihe längst zu einem bemerkenswerten Teil des regionalen Kulturlebens entwickelt hat. Das Niveau der Akteure, der Anspruch an das Publikum sind hoch. Selbstverständlich ist das gewiss nicht. Der Weg zur Bergkirche, ohne Zweifel einer der schönsten Plätze im Kreis, ist ein zusätzlicher, auch abseits der Konzerte empfehlenswerter Genuss. Die BZ gratuliert zum Jubiläum und hofft mit dem Publikum, dass sich das Niveau halten lässt.

Ensemble: Barbara Baer, Agata Riley, Antonio Pellegrini (Violine); Cornelia und Antonio Anuschek-Pellegrini und Antonio Pellegrini (Viola); David Lauri und Franziska Pellegrini (Violoncello); Sven Kestel (Kontrabass); Elmar Schrammel (Cembalo).

Solisten: Cornelia Anuschek-Pellegrini, Antonio Pellegrini, Michaela Scali (Oboe), David Lauri, Gianluigi Durando und Angelika Kuen-Durando (Flöte) .



Autor: Frank Berno Timm