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21. März 2017

Jörg Berger: Die Feuerwehr ist kein Verein

Der Kreisbrandmeister stellt die Frage nach der ehrenamtlichen Basis in das Zentrum seines Blicks in die Zukunft / Hohe Auszeichnung für Karl Weiß.

  1. Geehrt für 45 Jahre Feuerwehrdienst: Karl Weiß. Foto: Peer Millauer

TENINGEN-KÖNDRINGEN. In der voll besetzten Winzerhalle in Köndringen berichtete am Freitagabend Kreisbrandmeister Jörg Berger bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbands von steigenden Zahlen. Bei den Aktiven wuchs die Zahl um 24 auf 1714. Bei den weiblichen Aktiven gab es sogar eine Zunahme um 16 Prozent. Bei den Einsätzen gab es einen deutlichen Zuwachs um 25 Prozent von 1456 auf 1992. Berger führte dies auf die Häufung unwetterartiger Niederschläge zurück. Die Anzahl der Brandeinsätze blieb mit 250 gleich.

Bei allen Einsätzen (vom Brand bis zur technischen Hilfe und dem Verkehrsunfall) konnte die Feuerwehr 116 Menschen retten, zwölf konnten nur noch tot geborgen werden. Berger bedauerte, dass den Einsatzkräften zunehmend mit Respektlosigkeit begegnet werde. Er forderte Gesetze zur Abhilfe. Die Ausbildungssituation bei den Wehren sei hingegen eine Erfolgsstory. 40 Ausbilder haben im vergangenen Jahr 314 Lehrgangsteilnehmern aus- und weitergebildet. Darüber hinaus werde in Schulen und Kindergärten über Brandschutz informiert.

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Problematisch ist laut Berger, dass in manchen Kommunen nicht begriffen werde, dass die Feuerwehr kein Verein sei, sondern eine Gemeindeeinrichtung. Berger nahm dabei ausdrücklich Teningen und Freiamt davon aus. Jede Gemeinde solle sich glücklich schätzen, eine funktionsfähige Feuerwehr zu haben. "Wie schaffen wir es, den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst auch in den nächsten Jahren auf ehrenamtlicher Basis zu gewährleisten?" Das sei die zentrale Frage. Berger schlug die Aufstellung eines Feuerwehrbedarfsplanes vor, um das Bewusstsein der Kommunalpolitik zu schärfen. Abschließend dankte Berger den Partnern in der Integrierten Leitstelle, dem DRK-Kreisverband und der Polizei. Ein besonderes Dankeschön ging an Stellvertreter Karl Weiß, der ihm immer "absolut verlässlich und motiviert bis unter die Haarspitzen" zur Seite stehe. Im Ausblick auf das kommende Jahr kündigte Berger die Wahl zum neuen Verbandsvorsitzenden und Kreisbrandmeister an.

Michael Köpfer als Referent für die Jugendfeuerwehren und Engelbert Kläger für die Seniorenarbeit konnten ebenfalls von steigenden Zahlen in ihren Abteilungen berichten. Bei der Jugend gab es einen Anstieg auf 453 Mitglieder, die von 104 Betreuern ausgebildet werden. Bei den Senioren verrichteten 68 Angehörige mehr ihren Dienst als im Vorjahr.

Kreisstabführer Nico Zimmermann gab einen kurzen, aber knackigen Bericht ab über die Tätigkeiten der beiden Musikabteilungen der Feuerwehr aus Riegel und Köndringen. 19 Kinder werden derzeit ausgebildet. Mit dem Lehrgang für das Juniorabzeichen seien die Abteilungen landesweit beispielhaft. Bei 51 Auftritten wirkten die Musikzüge als Botschafter. 48 weibliche und 31 männliche Musiker bildeten die beiden Hauptorchester.

Landesbranddirektor Karsten Homrighausen hielt die Laudatio auf den Kenzinger Stadtkommandanten Karl Weiß, der das Goldene Ehrenzeichen in der Sonderstufe des Landes Baden-Württemberg erhielt. Weiß kam 1972 im Alter von 15 Jahren zu Feuerwehr und ist nun 45 Jahre aktives Mitglied. 2012 wurde Weiß stellvertretender Kreisbrandmeister. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit sei das Heranführen der Jugend. "Fördern, fordern und vorleben" sei sein Credo, sagte Homrighausen, Weiß sei "das Gesicht für ehrenamtliche Tätigkeit".

Landrat Hanno Hurth dankte und formulierte Anerkennung des Kreises für das, was die Feuerwehren im vergangenen Jahr für die Gemeinden und die Menschen geleistet hatten. Unter Beifall übergab er die Bestellungsurkunden an die beiden stellvertretenden Kreisbrandmeister Engelbert Kläger und Karl Weiß, die einstimmig vom Kreistag erneut bestellt worden waren.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner ging auf Gesetzesänderungen ein, die den Feuerwehren die Arbeit erleichtern sollen. So sei die Einhaltung der Rettungsgassen auf Autobahnen zur Pflicht geworden, auch die Behinderungen durch Gaffer werde nun unter Strafe gestellt. Der neue Bezirksbrandmeister Adrian Wibel setzte sich für die bedarfsgerechte Erneuerung der Ausrüstungen ein. Den musikalischen Schlusspunkt setzte der Musikzug Köndringen mit dem "Badnerlied".

Autor: Peer Millauer