Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
09. März 2009 16:46 Uhr
Keine Sorge bei diesem Nachwuchs
Am Sonntag fanden in Waldkirch-Buchholz drei Preisträger-Konzerte des Regionalwettbewerbs von "Jugend musiziert" statt. Das musikalische Niveau war durchgängig sehr hoch.
WALDKIRCH-BUCHHOLZ. Schon die Mädchen und Jungen (aus den Jahrgängen 2001 beziehungsweise 1997/1998), die im ersten Konzert am Nachmittag spielten, hatten allerhand zu bieten. Sophie Wang musizierte nicht nur zum Auftakt mit Florian Schwehr die "Carioca" aus Mátyás Seibers "Leichten Tänzen" vierhändig auf dem Klavier, sondern später den Kopfsatz aus Franz Schuberts D-Dur-Sonatine auf der Geige. Diese sehr "mozartische" Musik gehört durchaus zu den anspruchsvollen Werken. Ihre Begleiterin Shih-Yu Tang hatte eine ziemliche Herkulesaufgabe zu bewältigen: Sie spielte am Ende dieses ersten Konzerts mit dem ernst-konzentrierten Eilas David Moncado noch das tückisch-schwere Finale aus Dvoraks G-Dur-Sonatine und im zweiten Konzert mit der Geigerin Miyuko Wahr einen Satz aus Francks A-Dur-Violinsonate – so etwas ist (fast) professionell.
"Zweiter Mann" im Auftaktduo des Nachmittags war Florian Schwehr: Auch er spielt zwei Instrumente. Zusammen mit Frederic Loboda am Klavier (ein, gemessen am Alter, unglaubliche Routine ausstrahlender Begleiter) musizierte er die Sicilienne Opus 78 von Gabriel Fauré auf dem Cello. Zwar junge, aber auch erstaunliche Musikerpersönlichkeiten wurden hörbar: Das gilt für den jungen Nikolaj Wolf mit seinem Euphonium genauso wie für Martin Stroe und seine Gitarre. Virtuosität und Konzentration zeichnen sie aus (Letzteres galt übrigens auch für das Publikum: Das latente Gemurmel wich absoluter Stille, wenn die Musik begann).
Werbung
Angesichts schwieriger Finanzierungsfragen des Wettbewerbs – der Regionalvorsitzende Thomas Oertel sprach von 370 Anmeldungen – sind Dankesreden und Grußworte, die die Musik unterbrechen, vermutlich unvermeidlich. Wichtiger indes waren die Übergaben der Urkunden an die Preisträger (wenn auch später zunehmend weniger Geehrte erschienen). Thomas Oertel erläuterte, dass die ganz jungen Teilnehmer noch nicht auf die Landesebene weitergeleitet werden, um nicht zu schnell "vermarktet" zu werden. Landrat Hanno Hurth ermunterte die jungen Künstler in einem Grußwort, einfach weiterzumachen und fand die finanzielle Unterstützung des Wettbewerbs durch die öffentliche Hand "einfach richtig".
Beim zweiten Konzert der Jahrgänge 1994 bis 1996 war das Publikumsinteresse ebenso groß. Alle Mitwirkenden bewegten sich dabei auf einem hohen musikalischen Niveau. Xenia Geugelin (Violine) und Oliver Urban (Klavier) spielten einen Satz aus Brahms’ F.A.E.-Sonate – mit perfektem Zusammenspiel. Anton Wagner-Shibata (Posaune) bot (auswendig) das Moderato aus Axel Jörgensens Romance Opus 21 – und wusste schön zu gestalten. Perfekt, und das will bei Mozart viel heißen, Myriam Boeck (Klavier) und Milena Wilke (Violine) mit dem Kopfsatz aus der e-moll-Sonate (KV 304) – ganz zweifellos einer der Höhepunkte des Nachmittags. Großartig, beneidenswert Julian Reichard (Naturhorn) mit Rosetti-Rösslers Allegro aus dem Concerto ex Dis per Corno secondo.
Thomas Oertel erläuterte, die "Überflieger" seien nicht die Messlatte bei der Bewertung der Teilnehmer. Ihm sei wichtig, die Wettbwerbsjurys sowohl mit erfahrenen, als auch mit jungen Experten aus Musik- und Hochschulen und Privatlehrern zu besetzen. Waldkirchs Oberbürgermeister Richard Leibinger würdigte das Engagement der Eltern, die trotz aller Veränderungen im Schulsystem noch Möglichkeiten für die Musik erhielten, "das ist ein ganz wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsbildung".
Im dritten Konzert (Jahrgänge 1988 bis 1992) lieferten Maria Gnann und Johannes Lang (Blockflöte und Cembalo) eine tolle Interpretation von Meallis "La Bernabea" ab – allein schon die perfekten Tempiwechsel verdienen Erwähnung. Die Sopranistin Yvonne Förster verwandelte die Buchholzer Festhalle in eine Musicalbühne ("Papa can you hear me") – sie bewegte sich fast entspannt und absolut stimmig über die Bühne. Weil ihr Waldhorn mit Klappen in Reparatur ist, wechselte Undine Kilian zum Naturhorn und spielte einen Satz aus einer Beethoven-Sonate – eine wirklich beeindruckende Leistung. Der "Knaller" aber war Stefan Goegelein mit seiner Tuba: Mit unglaublicher Gelassenheit ging er allein auf die Bühne und spielte "Fnugg Blue (Intro)" von Oystein Baadsvik – nicht einmal multiphonics (Tubaton und Singstimme zugleich) sind für ihn ein Problem. Bedeutend auch die Musik von Felicitas Frey (Violine) und Daniel Reith (Klavier), die einen Satz aus einer Bacewicz-Sonate aufführten.
Auf Regionalebene sei der Wettbewerb vor allem ein "pädagogisch-jugendpflegerisches Projekt", fand Thomas Oertel. Ortsvorsteherin Fränzi Kleeb empfand es als "Riesenfreude und Ehre", dass die Konzerte in Buchholz stattfanden. Mit Aristoteles erinnerte sie daran, dass es das Wesen der Musik sei, Freude zu machen. Sie sei "ganz sicher, heute Abend wird dieser Funke überspringen".
Wer die mehr als drei Stunden Programm in Buchholz verfolgte, kann der Ortsvorsteherin nicht widersprechen − Superlative sind mehr als angebracht.
Autor: fbt
