Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

17. Juni 2009

Klangkosmos mit Anspielungen und Bedeutungen

Klaus Weinhold beschallt das Emmendinger Rathausfoyer mit elektronischen Kompositionen / Stimmen, Zwitschern, Klassik

  1. Klaus Weinhold im Emmendinger Rathaus bei seiner Klangperformance. Foto: Frank Berno Timm

EMMENDINGEN. Dass man Klaus Weinhold als einen von seiner Sache Besessenen bezeichnen möchte, würde der Emmendinger Musiker und Spezialist für elektronische Klänge vermutlich als Kompliment sehen. Die Energie, mit der Weinhold Klänge seiner Umgebung sammelt, die grenzenlose Neugier und Faszination haben etwas Ansteckendes. Jahr für Jahr zaubert er in der Steinhalle Klänge aus allerlei Elektronik, eilt zwischendurch ans Klavier, um mit deutlichen Anleihen in der Welt der Romantik zu improvisieren. Nun also das Rathaus als Klangraum – und das zu einer denkbar schlechten Zeit: am Samstag um 13 Uhr. Zunächst hielt sich das Interesse in Grenzen, mit der Zeit kam mehr Publikum. Ein Flügel stand nicht zur Verfügung, Weinhold werkelte mit seinen Geräten und Kassetten an einem Tisch vor dem Aufzug. Links und rechts vom Lift waren Boxen im Halbkreis aufgestellt. Auf fünf Stunden war die Veranstaltung angesetzt. Allein das Eingangsstück dauerte 50 Minuten. Stimmen, Vögel (an der Gutjahr-Stiftung aufgenommen) – alle möglichen Geräusche würfelt Weinhold zusammen. Das Werk erinnert an esoterische Meditationsklänge. Weinhold beruft sich auf Buddha: Wo Name und Gestalt aufhörten, würde man der Weisheit näherkommen. Chaos sei Differenziertheit und Komplexität, der Mensch in dem, was er tue, ausgeschaltet. "Was ich hier mache ist darwinistisch" – es gehe um den alten Streit zwischen Schöpfung und Zufall, erklärt Weinhold. Er kann sich aber letztlich nicht wirklich von der klassischen Musiktradition verabschieden und "metamorphisiert" Mozarts g-moll- Sinfonie.

Werbung


Im zweiten großen Klangteil, den er mehrfach unterbricht, kommt Mozarts "Zauberflöte" vor. Und hier ist Einspruch notwendig. Diese Musik zu strecken bzw. zu stauchen ist ein Missgriff, die der zeitlosen Größe Mozarts nicht gerecht wird. Mozart ist nicht namenlos und bedeutungsfrei, wie es Weinholds Klangwelt sein will. Das Bedienen bei Widors Orgelmusik klappt dagegen ganz gut – vermutlich weil die Toccata aus seiner fünften Orgelsinfonie sowieso fast "Schlagerstatus" hat.

Wer sich mit Computern auseinander setzt, weiß nur zu gut, dass sie zwar manchmal ein Eigenleben zu entwickeln scheinen, letztlich aber nichts als tote Maschinen sind, die stoisch das tun, was Menschen ihnen beigebracht haben. Also ist auch Weinholds Klangkosmos etwas zutiefst menschliches und gewiss nicht so zufällig, wie er glauben machen will. Viele seiner Klänge wirken sich wiederholend, dennoch sind sie ein treffender Ausdruck des Durcheinanderredens unserer Gegenwart. Das ist viel und nicht gering zu achten.

Autor: Frank Berno Timm