Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Mai 2009

Kleinodien in der Nimburger Bergkirche

Pia Grees, Matthias Kläger und Regina Kabris brillieren

  1. Regina Kabis (Sopran), Matthias Kläger und Pia Grees (Gitarre) reißen in der Nimburger Bergkirche ihr Publikum zu Beifallsstürmen hin. Foto: Frank Berno Timm

TENINGEN-NIMBURG. Diese Musikerinnen und Musiker hätten wirklich mehr Publikum verdient: Die kurzfristig für die erkrankte Ruth Sandhoff eingesprungene Sängerin Regina Kabis (Sopran) musizierte mit dem Gitarrenduo Pia Grees und Matthias Kläger am Sonntag in der Nimburger Bergkirche Werke von Purcell, Dowland, Bach, Brahms, Schubert, Garcia Lorca, Granados und de Falla. Es war nicht nur ein überaus beeindruckender Gang durch die Musikgeschichte von gut zwei Jahrhunderten, sondern ein hochklassiges Konzert. Doch leider blieben zu viele Stühle frei, schade.

Das Programm begann mit Purcell: "Music for a While” und "If Music be the Food of Love”. Schnell wurde deutlich, wie genau und präzise Matthias Kläger und Pia Grees aufeinander hören, wie gründlich sie ihre Musik durchdenken, Strukturen herausarbeiten. Regina Kabis’ Sopran passte wunderbar: Ihre Stimme wirkte zumeist groß, den Kirchenraum ausfüllend und nur in wenigen Augenblicken des anspruchsvollen Programms leicht belegt. Pia Grees musizierte John Dowlands "Flow my Tears" und "What if I Never Speed" – wunderschön und über jeden Zweifell erhaben.

Werbung


Bachs Englische Suite Nr. 3 BWV 808 wird sonst mit einem Tasteninstrument (Cembalo oder Klavier) gespielt. Grees und Kläger musizierten drei Sätze – auch hier wieder die schöne, sorgfältige Durcharbeitung der Musik, nur Kläger zeigte geringfügigste Unsicherheiten.

Dann der Sprung zu Brahms: Seine "Deutschen Volkslieder" sind mehr als nur in Musik gesetzte, arrangierte Melodien. Brahms hat wunderbar zarte, meist sehr heitere Kunstwerke geschaffen, die einem nicht wirklich aus dem Kopf gehen. "Feinsliebchen", in sehr frischem Tempo und das beinah witzige "Och Moder, ich will en Ding han" standen auf dem Programm. Das eine wie das andere können nur mit Superlativen bedacht werden: Der für zwei Gitarren bearbeitete Klaviersatz hat es ganz schön in sich, der gelassene Umgang mit wechselnden Tempi vor allem im ersten der beiden Lieder verlangt eine Menge Aufmerksamkeit. Wunderbar. Für Schuberts "Schäfers Klagelied" wechselte Pia Grees die Gitarre, um mit der tiefen E-Saite auch Basstöne abdecken zu können. Auch das zweite Schubert-Lied "Frühlingsglaube" nach einem Text von Ludwig Uhland ("Es blüht das fernste, tiefste Tal:/Nun, armes Herz, vergiss der Qual!/Nun muss sich alles, alles wenden") passte ebenfalls wunderbar.

Nach der Pause wurde es spanischer. Federico Garcia Lorca (1898-1936) hat mit seinen "Canciones Populares Antiguas" zeitlos wunderbare Melodien aufgeschrieben. Pia Grees und Matthias Kläger wechselten sich in der Begleitung von Regina Kabis ab. Enrique Granados’ (1867–1916) "Caprichio Espanol" ist Spanien pur mit schönen Harmonien, Tempi- und Stimmungswechseln; ähnlich wie Manuel de Fallas (1876–1946) "Siete Canciones Populares Espanolas": kurze, schöne, manchmal sehnsüchtige Lieder.

Das Publikum bedachte die Musiker immer wieder mit begeistertem, völlig berechtigtem Beifall. Ein kräftiges Augenzwinkern war die Zugabe: Johannes Brahms’ "Guten Abend, gute Nacht". Überraschend, aber verschiedenen Internetquellen zufolge durchaus zutreffend, der Text der zweiten Strophe: "Guten Abend, gute Nacht/von Englein bewacht/die zeigen im Traum dir Christkindleins Baum/Schlaf nun selig und süß/schau im Traum 's Paradies".

Pia Grees verriet in der Pause , es habe für dieses Konzert nur eine einzige Probe gegeben. Unglaublich, wieviel Schönes dabei herausgekommen ist.

Autor: Frank Berno Timm