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05. Februar 2009

Kunst spiegelt das Ich

Im Waldkircher Wabe-Laden zeigt eine ganz besondere Ausstellung die Wirkung von Kreativität.

WALDKIRCH. Die erste Ausstellung des "Kontraste"-Projekts der Beschäftigungsgesellschaft (Wabe) findet Anklang. Im "Hin- und Weg"-Laden sind diese Woche Zeichnungen, Malerei und Skulpturen von Menschen zu sehen, denen durch die Beschäftigung mit Bildender Kunst eine Rückkehr in den regulären Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll.

Die Ausstellung, so Oberbürgermeister Richard Leibinger als Eröffnungsredner, "zeigt die künstlerische Perspektive einer ungewöhnlichen Zielgruppe". Es sei Absicht, arbeitslosen Projektteilnehmern über die Befassung mit Kunst neue Kraft und Perspektiven zu geben – dies sei bei allen gelungen. Kunst als Spiegel für das eigene Ich war nur ein Stichwort, in anderen Äußerungen redeten die Beteiligten von neuem Selbstbewusstsein oder davon, dass durch Kunst Pessimismus in Begeisterung umschlug. Auch für die Anleiterinnen sei diese Arbeit eine große Bereicherung gewesen, sagte Leibinger. Anleiterin Lena Goehlnich erläuterte den Vernissagebesuchern die Arbeiten. Es sei Absicht, einen Prozess sichtbar zu machen. Setzten sich die Künstlerinnen und Künstler zunächst mit verschiedenen Vorlagen (Hopper, Miró, Fotos) auseinander, stand bald die eigene Person im Mittelpunkt: Die Teilnehmer modellierten aus Speckstein das eigene Ohr oder die eigene Nase. So kämen die Teilnehmer immer mehr zu sich selbst, dies sei eine "Chance, sich selbst neu zu begegnen".

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Teilnehmer Manuel Luckhof, der bei einem Motorradunfall vor 28 Jahren seine rechte Hand verlor, berichtete von eigenen und Erfahrungen seiner Kollegen: Eine Frau sollte beim Porträtzeichnen unterstützt werden – und es zeigte sich, dass sie längst ihre eigene Sichtweise gefunden hatte. Luckhof schaffte es, selbstständig mit der linken Hand zu malen.

Lena Goehlnich machte deutlich, dass die Rückkehr in den regulären Arbeitsmarkt das Ziel der Projektteilnehmer sei. Für manche könne es schon ein Gewinn sein, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Es gebe Beteiligte, die noch nie im Arbeitsleben waren, sagte sie. Wabe-Betriebsleiter Frank Dehring zufolge ist die Finanzierung des "Kontraste"-Projekts für 2009 gesichert.

Auf sehr knappem Platz wird im Wabe-Laden in der Tat deutlich, welchen Weg die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer zurückgelegt haben. Der Betrachter kann gut nachvollziehen, wie aus ersten, zaghaften Gehversuchen immer mutigeres Herangehen wird. Besonders sehenswert: eine kleine Skulpturengruppe, die die "Wilden Kerle" als Vorbild hat.

"Kontraste, Köpfe und Kunst":

Ausstellung mit Arbeiten von Rolf Groß, Gabriele Gutmann, Nilma, Jasmin Bayer, Andrea Siegel, Carina Pontiggia, Marion Schlechrimen, Liane Wendrich, Maria la Silva, Maik Betz, Frank Stephan und Manuel Luckhof im Wabe-Laden Waldkirch, Lange Straße 12 (Passage). Bis Freitag, 6. Februar, 8.30 bis 12.30  und 14.30 bis 18.30 Uhr.

Autor: Frank Berno Timm