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15. März 2010
Mann mit Herz und Taube
Der Reformpädagoge und Psychologe Otto Herz war zu Gast an den GHSE.
KREIS EMMENDINGEN. Der Name passt: Otto Herz, Psychologe und Reformpädagoge, ist ein Mann mit Herz – äußerlich klein, innerlich groß. Bei seinem Besuch an den Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen brachte er die Schüler und Lehrer zum Nachdenken und Diskutieren über Integration, die Zukunft der Schule, Menschenrechte und den Willen, etwas zu bewegen.
Mit baumelnden Beinen sitzt Herz auf einem Tisch, erzählt bedacht und mit ruhiger Gestik. Davon, wie sich in Kalkutta kranke Kinder an seinen Körper klammerten, nach Zuwendung brennend. Davon, wie Mutter Theresa Babys aus Mülltonnen rettete. Und davon, wie er die Emmendinger Schüler bewundert, die sich für den sozialpflegerischen Bildungsweg entschieden haben. "Ich habe eine riesige Hochachtung vor denen, die ein halbes Jahr Praktikum in der Pflege gemacht haben", sagt er. Auf der Kinderstation in Kalkutta sei er schon nach einem Vormittag fix und fertig gewesen.Otto Herz ist der Mann, der 2008 den GHSE eine goldene Friedenstaube brachte. Anlässlich der 60. Jahrestages der Menschenrechte war diese und 29 weitere Exemplare vom Künstler Richard Hillinger geschaffen worden. Herz übergab sie Lehrern der Unesco-Schule, damit sie ihre Fittichen ausbreite über das erste Treffen israelischer, palästinensischer und Emmendinger Schüler in der großen Kreisstadt. Die Taube flog dann weiter durch die Welt. Eine Ausstellung in der Schule zeugt von ihrer Reise von einem sozialen Projekt zum anderen. Über diese Taube blieb GHSE-Lehrerin Monika Bresch mit Herz in Kontakt. Sie informierte ihn über den Verbleib der Friedensbringerin. Nun war Otto Herz in der Gegend und folgte der Einladung der GHSE-Unesco-Koordinatorinnen.
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Da sitzt er, lächelt verschmitzt und fragt: "Können blinde Schüler in eine Regelschule integriert werden?" Loraine Becker, ein Mädchen in der zweiten Reihe, zweifelt. Gemeinsamen Unterricht mit Rollstuhlfahrern kann sie sich gut vorstellen. Aber in der Integration blinder oder gehörloser Schüler sehen sie und einige ihrer Mitschüler nur Probleme. "Es kommt auf die Art der Behinderung an", glaubt sie. Leben kommt in den Raum und ein kurzes Wortgefecht entbrennt. Als Herz von einem Kind im Wachkoma erzählt, das in einer skandinavischen Schule am Unterricht teilnimmt, wird es wieder ruhig. Das Bett des Kindes stehe mit im Klassenzimmer, beschreibt Herz. Die Schüler staunen. "Wer etwas will, findet Lösungen", sagt Herz.
Als die Schüler ins Wochenende ausschwärmen, kommt der Reformpädagoge mit den Lehrern ins Gespräch. Thema ist die goldene Friedenstaube und ihre Reise ins ferne Lateinamerika. Es geht dabei auch um einen willensstarken Menschen, der es geschafft hat, Lösungen zu finden: Schwester Karoline Mayer.
Herz lehnt sich zurück und verfolgt mit den Lehrern die Bilderschau über die zierliche Frau, die ihn und viele andere beeindruckt. Schwester Karoline, Helferin der Armen, hat durch ihre Stiftung Cristo Vive ein großes soziales Zentrum in Chile aufgebaut. Das Erdbeben überstand es einigermaßen glimpflich. Auf den Bildern sind die Schwester und die Taube zu sehen, mal umgeben von lächelnden Kindern, mal von Erwachsenen. Zweierlei haben sie und der Reformpädagoge gemeinsam: Ein großes Herz und Charisma.
Autor: Friederike Marx
