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22. Juni 2009
Mehr Absatz für die Holzbauern?
Pellets bieten die Chance auf neue Einnahmequellen.
KREIS EMMENDINGEN. Das im vorigen Jahr in Betrieb gegangene neue Gebäude des Landratsamts in Emmendingen wird mit einer Pelletheizung warm gehalten. Sind die kleinen Presslinge aus Holz für weitere Investoren eine mögliche Wärmequelle? Nach Aussage von Architekt Roland Ruf kommen die Pelletheizungen bereits bei 70 Prozent aller neuen Einfamilienhäuser zum Einsatz. Energieberater Stefan Gerbig macht indes auf die hohen Investitionen in diese Technik aufmerksam.
Der Wald am Waldkircher Stadtrainsee ist ziemlich luftig geworden. Wer durch das Gehölz streift, findet viele Baumstümpfe und noch manches Bruchholz. Möglicherweise landen ja Teile dieses Holzes in der Heizung von Axel Brinkmann. Der kümmert sich zusammen mit einem Kollegen um die Heizung im neuen Gebäude des Emmendinger Landratsamts am Festplatz, das seit vorigem Jahr in Betrieb ist. Dem Vorteil des geringeren Platzbedarfs steht die aufwändigere Wartung der Pellets-Heizung gegenüber – im Frühjahr müsse die Anlage komplett gereinigt werden, erklärt Brinkmann. Positiv schlägt zu Buche, dass trotz des strengen Winters der Bedarf für das Heizmaterial unter den Prognosen blieb: 50 Tonnen waren für das Dienstgebäude veranschlagt – drei Lieferungen á 14 Tonnen waren es.Werbung
Arne Koch sitzt ein paar Meter über der Heizung im Forstamt des Landkreises. Das ist für die Betreuung der 31 000 Hektar Wald im Landkreis zuständig – immerhin 45 Prozent der Fläche. Deutlich unter zwei Prozent der Holzmenge, sagt Koch, gehen in die Pelletsproduktion zu Herstellern nach Buchenbach (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Ettenheim (Landkreis Ortenau). Zwei bis drei Lkw "Resthölzer" werden pro Woche in die Pellets-Produktion gefahren – die Preise legt die Freiburger Forstdirektion fest, erklärt er.
Hat das Aufkommen der Pellets die Holzwirtschaft verändert? "Nein", sagt Experte Koch, der Umfang sei zu gering. Andererseits seien die Pellets eine Möglichkeit, Holz abzusetzen, dass sich sonst kaum verkaufen lasse, meint er und nennt die Pappel als Beispiel. Koch fügt hinzu, Sägereien könnten Material, das sich nicht verarbeiten ließe und früher habe entsorgt werden müssen, zu Pellets machen lassen – rund 15 Prozent des Aufkommens. Früher seien daraus Spanplatten hergestellt worden.
Wie sieht es bei Architekten aus? Projektieren sie für ihre Kunden Pellets-Heizungen? Roland Ruf (Bleibach) sagt auf Anfrage der BZ, in seinem Büro betrage der Anteil der Bauherren, die eine Pelletsanlage einbauen, bei Einfamilienhäusern etwa 70 Prozent. Bei Neubauten werde Öl nur noch ganz wenig und Gas immer weniger eingesetzt. "Der Rest verteilt sich auf Stückholzheizungen, Erdwärme und Luft-Wärmepumpe, oftmals in Kombination mit einer Solaranlage für die Brauchwassererwärmung", so Ruf. Er fügt hinzu: "Pelletsheizungen werden bei uns bis jetzt ausschließlich in Einfamilienhäusern eingesetzt." Bei größeren Objekten, etwa in der Gastronomie, werde inzwischen oftmals eine Hackschnitzelheizung oder sogar ein Blockheizkraftwerk eingebaut.
Stefan Gerbig, der für die Stadtwerke Emmendingen Energieberatung macht, warnt indes davor, allzu blauäugig und ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen. Am Beispiel Einfamilienhaus rechnet er vor, dass die Investition in eine Pelletsanlage sehr teuer werden kann: Allein die Kapitalkosten könnten nach seinen Rechnungen höher ausfallen als "der komplette Gasbrenner im Nachbarhaus". Wirtschaftlichkeitsfragen, kritisiert Gerbig, gingen "in der Verkaufsberatung unter". Er habe noch keinen gesehen, der bei der Anschaffung eines Pelletofens "unter 20 000 Euro bezahlte".
Der Experte gibt zu bedenken, dass in einem normalen Haushalt allein schon durch technische Maßnahmen 90 Prozent Energie gespart werden könnten – Fernseher mit Energiesparfunktion und sinnvolle Glühlampen, die nicht extra heruntergedimmt werden müssten, sind zwei Beispiele, die Gerbig erwähnt. Was das Heizen angeht, empfiehlt er, wenn möglich auf Fernwärmenetze zu setzen – dies macht nach seinen Worten die kontinuierliche Erneuerung der Heizanlagen möglich.
Autor: Frank Berno Timm
