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16. April 2009
Meisterliche Meditation: Leid und Leidenschaft
Bertold-Quartett in der Kollnauer Paul-Gerhardt-Kirche.
WALDKIRCH-KOLLNAU. Das in der Bibel überlieferte Geschehen, dessen Christen am Karfreitag gedenken, musikalisch ausgedeutet zu sehen, gehört für viele Gläubige wesentlich zu den Feiertagen der Karwoche. Die alljährlich aufgeführten großen Passionen der musikalischen Weltliteratur stehen für sich. Aber es gibt noch mehr als "nur" die Bach’schen Passionen: Joseph Haydn hat in einer Auftragsarbeit "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" musikalisch formuliert. Das Bertold-Quartett (Michael Dinnebier, Katja Schill-Mahni, Dörte Weiblen und Markus Tillier) bot am Samstag in der Paul-Gerhardt-Kirche die Chance, dieses anspruchsvolle Werk zu hören. Die einzige Einschränkung vorweg: Die unterbrechenden Erläuterungen von Pfarrerin Wiebke Klomp ließen die auf die Musik gerichtete Hörspannung immer wieder abbrechen. Doch der Charakter des Nachmittags kam dem ursprünglichen Zweck der Musik – sie ist für die Meditation eines Bischofs in Spanien geschrieben worden – dennoch sehr nahe. Dass die Pfarrerin an die textlichen Zusammenhänge der sieben letzten Worte erinnerte, war also insgesamt gesehen hilfreich.
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Man kann Haydns neunsätziges Werk gleichsam als musikalischen Trost hören. Immer wieder neu wendet sich die musikalische Stimmung sehr tröstenden Klängen zu ("Heute wirst Du mit mir im Paradies sein" – der Zuspruch Jesu an einen der mit ihm Gekreuzigten). Eigentlich würde man ja eher schwärzeste Farben und große, dramatische Züge erwarten. Dann und wann öffnet die Musik Haydns sogar Ausblicke zur Moderne hin. Anders ausgedrückt: Der Komponist hat in den "Sieben letzten Worten" die Streichquartett-Klänge zu höchstem Anspruch und Niveau geführt. Die Art und Weise, wie Motive verarbeitet und durch die verschiedenen Stimmen geführt werden, ist faszinierend. Das Bertold-Quartett zeigte sich all dem mehr als gewachsen.
"Ill terremoto (Presto e con tutta la forza)” heißt der letzte Satz: Die drastische Schilderung des Geschehens, als Jesus stirbt (schon von Bach entsprechend vertont), hat Haydn noch einmal äußerst entfesselt und fast brachial in Musik gefasst. Es war der absolute Höhepunkt dieses Nachmittags nach einer anspruchsvollen Reise durch die Haydn’sche Klangsprache. Die Stille währte lange. Erst als sich die vier Musiker erhoben, folgte anhaltender Beifall.
Autor: Frank Berno Timm
