"Mischt euch ein"

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mo, 19. Dezember 2016

Kreis Emmendingen

Jugendliche diskutieren mit Landtagsabgeordneten über Politik und Politikverdrossenheit.

EMMENDINGEN. Unter dem Motto "Landespolitik checken – Politik trifft Jugend" starteten die konfessionellen Jugendverbände, Verbände des Kreisjugendrings und das Kommunalberatungsbüro von Udo Wenzl in Waldkirch eine Reihe zur politischen Bildung für junge Menschen mit Blick auf die Landespolitik. Nach einem ersten Treffen im Oktober und einem Besuch des Landtages im November (die BZ berichtete) fand die Aktion am Freitag mit einer Diskussionsrunde ihr vorläufiges Ende.

Zu der Veranstaltung im "Haus zum Engel" in Emmendingen waren neben Jugendlichen die Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle (SPD) und Alexander Schoch (Bündnis 90/Die Grünen) eingeladen. "Spannend", "interessant", "aber viel zu wenig Zeit", so lauteten die Urteile der Jugendlichen über ihre Reise in den Landtag im November. Am Freitag bot sich ihnen erneut die Gelegenheit, den Politikern direkt auf den Zahn zu fühlen – ausführlicher und in zwangloserem Rahmen als in Stuttgart. Denn viele Themen habe man dort nur antippen können, gaben Sabine Wölfle und Alexander Schoch zu. Die 15 Jugendlichen (viele andere seien durch schulische Parallelveranstaltungen gebunden, bedauerte Udo Wenzl) hatten in drei Gruppen kurz die Reise rekapituliert und noch offene Fragen gesammelt.

Ihnen brannte einiges unter den Nägeln. Was geschieht mit straffällig gewordenen Flüchtlingen? Warum ist Cannabis verboten und Alkohol nicht? Was macht ihr gegen den Klimawandel? Warum gibt es kein Gesetz gegen die umweltzerstörenden Kunststoffe? Und wie verbindlich sind Bildungspläne? Diese und andere Fragen zeigten, dass der Erklärungsbedarf und der Wunsch nach Information unter den Jugendlichen sehr groß waren. Wölfle und Schoch nahmen sich viel Zeit, betonten die Gleichheit vor dem Gesetz, erklärten die Modalitäten bei der Abschiebung, die Fallstricke der Betäubungsmittelgesetzgebung und die Maßnahmen des Klimaschutzkonzeptes.

Am Ende des Gesprächs blieb eine Frage offen: Wie können in den faktenfernen Zeiten grassierender Politikverdrossenheit Jugendliche wieder stärker für Politik interessiert werden? Julian aus Denzlingen brachte das Unbehagen und das Gefühl mangelnder Beteiligung mit folgenden Sätzen auf den Punkt: "Politik ist Erwachsenenwelt. Wir Jugendlichen leiden nur darunter." Die 16-jährige Aimée formulierte es so: "Wir verstehen oft die Sprache schon gar nicht."

Wie ist das Kommunikationsversagen zwischen den Generationen zu beheben, das längst auch zwischen Gewählten und Wählern zu bestehen scheint? "Wir enden immer bei der politischen Bildung", sagte Moderator Udo Wenzl. Die Vermittlung von mehr Einsicht in die Mechanismen politischer Entscheidungen in den Schulen und mehr aktives, politisches Handeln sieht Schoch als Ausweg aus diesem Dilemma. "Die positive Erfahrung, etwas bewegen zu können, sich erfolgreich für eine Sache zu engagieren, ist sehr motivierend", sagte der Abgeordnete, der auf die neuen Möglichkeiten der kommunalen Beteiligung der Jugendlichen durch die geänderte Gemeindeordnung verwies.

Obwohl es fast eine Übersättigung an politischen Informationen in den Medien gebe, fehle es, so Wölfle, an Substanz. Es werde aber niemand daran gehindert, persönlich "in diese Erwachsenenwelt zu gehen". Junge Menschen, die diesen Schritt gingen, würden positiv aufgenommen, wie das Beispiel der jüngsten Waldkircher Gemeinderätin Sultan Atay zeige, die auch an der Veranstaltung teilnahm. Daher bleibe die Aufforderung: "Mischt euch ein, nutzt alle Möglichkeiten der Mitbestimmung, übernehmt Verantwortung für eure Zukunft". Die Politiker dankten für die Anregungen und wünschten sich Gelegenheit, den Dialog fortzuführen.