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24. Dezember 2008
Mit Krippenspiel und Friedenslicht
Protestanten und Katholiken pflegen zu Weihnachten religiöse Rituale, auch Juden und Muslime freuen sich am Fest
KREIS EMMENDINGEN. Weihnachten ist mit Ostern das zentrale Fest des christlichen Glaubens. Die Kirchen sind über die Weihnachtstage rappelvoll, Bräuche und Rituale aus der Kindheit leben wieder auf. Aber auch Juden und Moslems teilen die Freude zum Jahresende. Beobachtungen vor dem Fest.
Die Kollnauer Gymnasiastin Shirin Voss ist evangelisch. Das Besondere an diesem Tag sei für sie, in der Kirche mit anderen Gemeinschaft zu haben – in den Weihnachtsgottesdienst kämen Menschen, die man sonst nicht sieht. "Alle gehören zusammen, alle sind gleich", sagt die junge Frau. Auch am Krippenspiel, das in den Wochen vor dem Fest einstudiert wird, ist Shirin Voss beteiligt und spielt Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora. Wie viele feiert Shirin Weihnachten gern mit ihrer Familie; das seien Tage, an denen nicht so viel los sei. Die Geschenke, sagt sie, seien nicht so wichtig. Am späten Abend geht sie dann gern noch einmal in den Nachtgottesdienst, der sei "ruhiger und schön besinnlich" und man höre noch einmal, dass Jesus auf die Welt kam. Warum ist die Krippenspiel-Tradition auch in Zeiten von Fantasy-Romanen und digitaler Internetwelt wichtig? Die Kollnauer Pfarrerin Wibke Klomp sagt, es gehe bei den Krippenspielen um eine "neue und eigene Annäherung" an die Ur-Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium der Bibel. Die beteiligten Kinder setzten sich "auf ganz eigene Weise mit ihrer Rolle auseinander"; auch die Gemeinde erhalte dadurch "jedes Jahr einen neuen Blick auf die Ereignisse von Betlehem". Der Text zu dem Spiel stammte in den vergangenen Jahren von der Kollnauer Theologin, die die Ideen der Kinder aufgriff. Grundlage sei immer der Lukastext gewesen, erläutert sie.Werbung
Auf den ersten Blick ist das Weihnachtsfest, das die Teninger Katholikin Martina Rapp mit ihrer Familie feiert, so gestaltet, wie in hunderten anderen Familien auch – Gottesdienstbesuch, Baumschmücken und Krippe aufbauen, schön essen, Bescherung, Weihnachtslieder singen oder singen lassen (je nach Alter der Kinder), den Abend gemeinsam in der Familie verbringen. Doch dann erzählt Martina Rapp, dass sie seit einigen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann das Friedenslicht der Pfadfinder nach dem Gottesdienst nach Hause holt. Es wird aus Betlehem in der ganzen Welt verteilt. Jesus "ist der Friedensbringer, der Friedensfürst", das Licht solle eine besondere Verbundenheit mit Israel, wo ja nicht unbedingt Frieden herrsche, ausdrücken. "Das gibt es noch nicht so lange", fügt sie hinzu. "Das Friedenslicht macht deutlich, dass wir im Einsatz für den Frieden nicht nur auf uns selber bauen. Wir bauen auf Jesus Christus, bei dessen Geburt den Menschen der "Frieden auf Erden" verkündet wurde", heißt es dazu auf der Pfadfinder-Website. Es ist am dritten Advent mit dem Zug in 30 Städte in ganz Deutschland gebracht worden.
Die rund 300 Mitglieder der Emmendinger jüdischen Gemeinde feiern nicht Weihnachten, sondern das Chanukka-Fest. Itamar Baum, er lehrt Judaistik an der Uni Freiburg, erläutert, das um den 20. Dezember stattfindende, acht Tage dauernde Fest, gedenke an die Befreiung Israels von der Besetzung durch syrische Griechen im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Als der Tempel wieder in Besitz genommen, gereinigt und eingeweiht (Chanukka bedeutet Einweihung) wurde, sei ein Wunder geschehen: Ein Krug religiöses Öl, genug für einen Tag, reichte acht Tage. Die Geschichte ist Baum zufolge auch in den Büchern der Makkabäer in der Bibel nachlesbar. Acht Tage dauert auch das Fest. Täglich wird eine Kerze mehr des achtarmigen Chanukka-Leuchters entzündet, zu dem es noch eine neunte, die "Dienstkerze" gibt. Baum sagt, heute gehe es darum, den acht Eigenschaften Gottes nachzueifern: Weisheit, Liebe, Gnade, Reinheit, Barmherzigkeit, Geduld, Frieden und Heiligkeit.Gibt es Berührungspunkte mit dem christlichen Weihnachten? "Die Juden respektieren das christliche Weihnachten", sagt Baum, sie haben christliche Freunde. Das jüdische Fest sei einfach anders. Geschenke hätten nicht denselben Stellenwert, sie spielten eher beim Purim-Fest eine Rolle.
Yüksel Atmaca und Necmettin Malkoc vom türkisch-islamischen Kulturvereinbekommen immer wieder Einladungen aus christlichen Gemeinden, an Weihnachtsgottesdiensten teilzunehmen – das Verhältnis zwischen Christen und Moslems in Emmendingen ist gut. Malkoc und Atmaca feiern Weihnachten selbst nicht – Moslems nutzten die Tage, um Freunde und Bekannte zu besuchen. Für sie steht der Ramadan und das Opferfest (in diesem Jahr am 8. Dezember) mehr im Vordergrund – jedes Jahr, erläutert Atmaca, beginnen diese Feste zehn Tage früher. Moslems finden Gefallen an den sich hierzulande ausbreitenden Lichterketten – sie erinnern an ähnlich geschmückte Moscheen. Und in der Türkei gebe es ein Sitte, das ältere Männer immer Süßigkeiten in der Tasche haben, um sie an Kinder zu verschenken – in Erinnerung an die Nikolaus-Geschichte.
Autor: Frank Berno Timm


