Mit Stöcken dem Regen trotzen

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Sa, 08. September 2018

Emmendingen

BZ-FERIENAKTION:Zum Abschluss ein kleiner Spurt durch den Stadtwald und eine Pause am neuen Unterstand des Eichbergturms.

EMMENDINGEN. Denkt man an die fünf Millionen Deutschen, die regelmäßig mit Stöcken durch die Wälder staken, können es nur die dunklen Wolken gewesen, die dafür sorgten, dass zum Abschluss der BZ-Ferienaktion nur ein mutiges Häuflein von 16 Personen gekommen war. Doch wer kam, hatte viel Spaß und tat gemeinsam mit Oscar Guidone und Frank Baumann so ganz nebenbei etwas für seine Gesundheit.

Bis auf wenige Neugierige,waren es allesamt treue Fans und "Wiederholungstäter", freute sich Guidone. Neben der krankheits- und urlaubsbedingt nur vierköpfigen Betriebssportgruppe des Wehrle-Werks, die von Emmendingen heraufgelaufen war, hatte sich eine Schwimmbad-Gruppe eingefunden: ein Kreis regelmäßig schwimmender Damen aus dem Emmendinger Freibad, die für den Winter noch ein passendes Sportprogramm suchen. Teilnehmer kamen aber auch aus Kippenheim und Heuweiler.

Die Atmosphäre der BZ-Traditionsveranstaltung lebt von Charme und Persönlichkeit der beiden Akteure, des lizenzierten Nordic Walking Trainers Frank Baumann und des Praktikers Oscar Guidone. Ungemein herzlich und freundlich ist die Begrüßung, fröhlich und zwanglos die Stimmung. "Gemütlich", "nett", "wie in einer Familie" solle es werden, meint Oscar Guidone, und das wird es. Zur Einführung erzählt er etwas von den beiden Gesichtern der Sportart. Einerseits sei ihr gesundheitlicher Wert unumstritten, gelenkfreundlich, herz- und kreislaufstärkend überzeugten ihre Vorteile, anderseits ernte man wie vor zehn Jahren noch Hohn und Spott: "In Süditalien lachen sie sich kaputt, wenn man mit Stöcken unterwegs ist", erzählt er. Seit ihn selbst das regelmäßige Training vor einer Operation bewahrt habe, schwört er auf dieses Allheilmittel.

Ein paar fröhliche Aufwärmspiele, dann erklärt Frank Baumann die technischen Grundlagen. Den Einstieg bilde die sogenannte "Soft-Technik". Nur, ganz so soft und einfach ist sie nicht. "Dem Kind die Hand geben" (also Hände nicht so hoch heben), "nach vorne schauen", "mehr Druck auf den Stock", "aber locker in der Schulter", da schwirrt den meisten Neulingen doch der Kopf. Aber bald sind alle hochkonzentriert am Laufen, der Bewegungsablauf sitzt nach kurzer Zeit, und muntere Gespräche lassen jede Anstrengung vergessen. Immerhin werden bei der Fitness-Variante der Sportart 90 Prozent aller Muskeln beansprucht.

Dämmrig wird es im schönen Stadtwald, drohend verdichten sich die Wolken über dem Tal, als die Gruppe die Kapelle am Wöpplinsberg erreicht. "Heute verzichten wir lieber auf die Kräftigungsübungen", meint Frank Baumann und schlägt vor, den Rückweg zügig in Angriff zu nehmen. Und so entwickelt sich beim Laufen vor dem Regen ganz nebenbei eine Ahnung des angenehmen Gefühls, das die Sportwissenschaft als "Flow-Erlebnis" beschreibt: des Wohlbehagens, das aus dem Aufgehen in einer Bewegungsform entsteht, die so komplex ist, dass sie Konzentration erfordert, aber zugleich nicht überfordert. Ausgelassen wird die Stimmung, da stört es auch überhaupt nicht, dass kurz vor dem Turm der Regen schneller ist. Denn zum Glück steht dort ja ein Unterstand. So gibt es auch in diesem Jahr wieder zum Abschluss das traditionelle Quiz und die beliebte Verlosung der kleinen und großen "Geschenkele", die teils die BZ spendierte, teils Oscar Guidone von Intersport Gärtner "erbettelte".

Bleibt die Frage, ob die Schwimmbad-Gruppe einen neuen Sport gefunden hat: "Das müssen wir noch entscheiden", meint eine zögerlich, "vielleicht bilden wir auch nur eine Strickgruppe".