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08. März 2010 14:16 Uhr

Orgelvesper

Münsterorganist Klemens Schnorr: Musikalischer Trost für schwere Stunden

Der Freiburger Münsterorganist Klemens Schnorr bewegte die Zuhörer bei der Orgelvesper in der Emmendinger katholischen Stadtpfarrkirche St. Bonifatius.

  1. Professor Klemens Schnorr in St. Bonifatius. Foto: Frank Berno Timm

Nur ein oberflächlicher Blick in Gottesdienste und Gesangbücher kann einem den Eindruck vermitteln, dass Not und Angst dort nicht vorkämen, alles würde mit einem euphemistischen "Es wird schon wieder" zugedeckt. Schaut man genauer hin, ist durchaus zu lesen, dass auch die Kirchenväter schwarze Stunden kannten: Martin Luthers "Aus tiefer Not schrei' ich zu dir" legt davon ein ziemlich deutliches Zeugnis ab. Dieser Choral war am Sonntag der Mittelpunkt der aktuellen Orgelvesper in St. Bonifatius mit dem Freiburger Münsterorganisten Prof. Klemens Schnorr.

Am Anfang stand Bachs Präludium und Fuge e-Moll (BWV 53) an der Stützle-Orgel: angenehm unprätentiös vorgetragen. Nicht nur Luthers Choral kehrte in der Musik der Vesper immer wieder, auch dahinter stehende Texte waren zu hören (Lesung: Sibylle Günther). Sie spannte einen Bogen vom Psalm 130 über Clemens Brentanos "Frühlingsschrei eines Knechtes aus der Tiefe", die Erinnerung an "Ecce Lignum", eine Passage aus Mendelssohns 2. Sinfonie ("Hüter, ist die Nacht bald hin?") bis zu Georg Trakls "De profundis". Faszinierend, wie ein Motiv über Jahrhunderte immer wiederkehrt.

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Das gilt auch für Mendelssohn, der in seiner A-Dur-Orgelsonate ein Motiv aus seiner zweiten Sinfonie aufgegriffen hat, wie Schnorrs Einführung zu entnehmen war. Warum der Musiker den zweiten Satz als Möglichkeit beschrieb, darüber nachzudenken, was im ersten Satz passierte, blieb allerdings dunkel, gehört doch dieser kleine, zart klingende Satz zu der schönsten Musik, die Mendelssohn geschrieben hat: So einleuchtend, so wunderbar klingt Trost in der Musik (und bleibt im Gedächtnis). Gewiss, der erste Satz ist weit mächtiger (auch hier kehrt Luther zurück!), die Klangmöglichkeiten der Welte-Orgel entfalten sich und man hört ausgesprochen fasziniert zu – aber auch der erste Satz überzeugte nicht, würde die Antwort des zweiten auf alle aufgeworfenen Fragen des ersten fehlen.

"Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. Kommt, lasset uns anbeten": Wer Anton Heillers (1923 – 1979) Meditation "Ecce lignum" hört, kann das Kreuz, die körperlichen Schmerzen des Gekreuzigten, unmittelbar (und einleuchtend) spüren. Hier ist nichts mehr, wie es sein soll; auch Georg Trakls "De profundis" passt dazu: " Auf meine Stirne tritt kaltes Metall /Spinnen suchen mein Herz. /Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht". Jean Langlais (1907– 1991) hat diese Verse in absolut einleuchtende Klänge gebracht.

Alles in allem konnte der gut besuchte Abend mit Klemens Schnorr und Sibylle Günther überzeugen und berühren. Vielleicht lassen sich im nächsten Programmzettel noch Hinweise unterbringen, wo man gehörte Texte nachlesen kann.

Nächste Orgelvesper: 14. März, 18 Uhr,: Johannes Götz (St. Peter) spielt in St. Bonifatius Werke von Bach und Mendelssohn



Autor: Frank Berno Timm