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03. Februar 2009

Musik, die im Kopf bleibt

Sibelius, Mozart, Weber: Benjamin Shute begeistert mit Per-Tutti-Orchester im ZPE.

EMMENDINGEN. Jean Sibelius’ Violinkonzert, wie viele andere, berühmte Werke seiner Gattung in einer d-Tonart gehalten (allerdings in Moll!), gehört zu den ganz schweren, anspruchsvollen Werken für Solovioline. Das Konzert bildete am Freitag in der Festhalle des Zentrums für Psychiatrie Emmendingen (ZPE) den Anfang des diesjährigen Gastspiels des Freiburger Per-Tutti-Orchesters. Dabei handelt es sich um ein durchaus ambitioniertes Laienensemble, das sich auf recht gutem Niveau zu bewegen weiß.

Explosive Leidenschaft, höchster Anspruch an die technischen Fähigkeiten des Solisten (und des Orchesters) und übrigens manche Melodien, die einem für Tage im Kopf bleiben, ohne dass sie banal wären – das sind die Rezepte eines Komponisten, der selbst Geiger werden wollte. Diese und andere Informationen über Jean Sibelius waren dem sehr gut gemachten Programmheft zu entnehmen.

Der junge Benjamin Shute  (Jahrgang 1984), nach einem Studium in Boston derzeit zum Aufbaustudium in Freiburg, spielte den Sibelius mit bewundernswerter Souveränität und gab in der bestens besuchten ZPE-Festhalle dieser Komposition seine ganz eigene Gestalt – beeindruckend. Die Komplimente galten für alle drei Sätze gleichermaßen; allein schon die synkopisch gegeneinander laufenden Doppelgriffe im zweiten Thema des Mittelsatzes verlangen eine Meisterleistung und stellen eines der wenigen Beispiele polyphoner Zweistimmigkeit in der Violinliteratur dar. Einzelne Töne in rasenden Läufen, die nicht ganz gelingen wollten, waren angesichts der musikalischen Substanz Shutes belanglos – wo er, angesichts vielfacher Geigerkonkurrenz gerade in seinem Alter, einmal landen wird, bleibt indes abzuwarten.

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Das Orchester unter Dirigent Nikolaus Reinke war Benjamin Shute durchaus gewachsen. Der – schwere – Sibelius ist gründlich probiert worden. Schade, dass die Streicher in den tiefen Registern hier und dort etwas breiig wirkten, zumindest wurde dieser akustische Eindruck auf den vorderen Plätzen des Saales erweckt.

Nach der Pause dann Mozarts Prager Sinfonie unter Co-Dirigentin Kyra Steckeweh. Über die Frage, ob es richtig ist, Mozart mit einem genau so groß wie beim Sibelius besetzten Streichersatz zu musizieren, wird man streiten können. Wirklich wünschenswert wären mehr und schärfer herausgearbeitete Gegensätze gewesen. Positiv die glänzend aufgelegte erste Oboe (Johannes Ludaescher) und das erste Fagott (Lisbeth Rochlitz). Am Klang der ersten Geigen wäre dagegen noch zu arbeiten gewesen. Das ohnehin schon sorgfältige, sehr disziplinierte Stimmen noch einen Kick genauer zu pflegen, dürfte dabei Wunder wirken.

Für Carl Maria von Webers Freischütz-Ouvertüre trat dann wieder Nikolaus Reinke ans Pult. Schade, dass nicht alle vier Hörner ohne Ansatz- beziehungsweise Intonationsprobleme bestehen konnten; auch im Holz stimmte es nicht immer, wenngleich der gute Gesamteindruck der Holzbläser sich fortsetzte. Den Freiburgern gelang aber trotz der erwähnten Abstriche eine stimmige Wiedergabe.

Fazit: Das Per-Tutti-Orchester weiß sein Publikum zu fesseln. Die Musikerinnen und Musiker präsentieren ihre Begeisterung auf eine sehr überzeugende Weise. Sie machen – im besten Sinn – Live-Musik, lebendig, gut vorbereitet und mit viel Konzentration. Das Publikum reagierte völlig zurecht mit langem, begeisterten Beifall, das Orchester antwortete mit einem Stück "Freischütz" als Zugabe. Jonas, ein Fünfjähriger aus Freiburg und bereits aktiver Geiger, hörte in Emmendingen ebenfalls zu und ging nach dem Konzert so staunend wie begeistert zum Parkplatz. 

Autor: Frank Berno Timm