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09. Dezember 2008
Musikgenusss abseits der Hauptstraßen
Das Ensemble "Liuto Concertato" in Freiamts Alter Kochschule mit musikalischen Raritäten
FREIAMT. Laute, Viola da Gamba, Pardessus de Viole und Viola da Gamba – das sind die Instrumente des Ensembles Liuto Concertato, das am Samstag in der Ottoschwandener Alten Kochschule gastierte. Lautenist Lutz Kirchhof, Gambistin Judith Sartor und Martina Kirchhof (Pardessus de Viole und Viola da Gamba) führten ihr Publikum in eine Klangwelt, die gleichsam vor der heutigen liegt – die Instrumente des Trios sind im Klang fahler, die Spielweise und die Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks sind andere.
Lutz Kirchhof, der den Abend moderierte, machte zudem darauf aufmerksam, dass es zu Zeiten, als die gespielte Musik "aktuell" war, keine frei verfügbare Musik wie in unserer digitalen Zeit gab. Wer Musik hören wollte, musste sie sich selbst machen, im Zweifel mit einer Laute, die beim Friseur an der Wand hing.
Komponist Ferdinand Ignaz Hinterleithner (1659 – 1710) wird von "Liuto Concertato" als Lauten-Meister vorgestellt. Am Anfang des Programms standen zwei Suiten, die das Trio gemeinsam musizierte – gut erfassbare, kurze Tanzsätze. Schien es zunächst, als müssten die Drei noch an Konzentration gewinnen (Triller und Verzierungen waren nicht immer zusammen), wurde es immer tänzerischer und abwechslungsreicher in den Klangfarben. Besonders schön erklang in diesem Ambiente die Gavotte und das Schlussmenuett der Suite Nr. 9.
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Sieur de Saint Colombe folgte mit dem Concert Iie ´a deux Violes esgales en D la rétierce mineure. Martina Kirchhof und Judith Sartor musizierten dieses Gamben-Duett. Das Ergebnis: Großartige, ineinander verwobene Musik, ein erster Glanzpunkt des Abends.
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) und Sylvius Leopold Weiss (1686 – 1750), letzterer am Dresdner Hof beschäftigt, waren, wie Lutz Kirchhof erläuterte, eng miteinander befreundet. Das hieß auch, dass die beiden miteinander Musik machten – Bach improvisierte in die Musik seines Freundes hinein und schrieb die Improvisationen auf. Herausgekommen ist eine Suite, aus der das Trio zwei Sätze musizierte. Kirchhof spielte zunächst Weiss allein, dann folgten die vom Trio hörbar veredelten Bach-Klänge.
Nach der Pause eine Triosonate von Philippo Martino (erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, hinter dem Namen verbarg sich ein Norddeutscher) – eine im besten Sinn flotte, sehr schöne, lebhafte Musik. Ähnlich wie vier Lauten-Solostücke von Ennemond Gaultier (um 1755 – 1651) und einem anonymen Komponisten. Joseph Haydns Cassationa C-Dur, mit der das Programm ausklang, zeigte, wie sehr sich die Instrumente dieses Abends auch für Töne nach dem Barock eignen.
"Liuto Concertato" wirkte übrigens nach der Pause ein Stück entspannter – erst spät verriet Lutz Kirchhof, dass es sich bei diesem Abend um eine Premiere handelte. Die darf als gelungen bezeichnet werden: Die Musik ist interessant und hörenswert, die Leistungen der Musiker waren beeindruckend. In einem Konzert Pardessus de Viole und Viola da Gamba zu spielen, ist schon hohe Kunst, denn während sich die Pardessus im Sopran bewegt, liegt die Gambe tiefer. Begeisterter Beifall am Ende des Konzerts – beantwortet mit zwei Hinterleithner-Tänzen.
Infos zum Programm der Ottoschwandener Bühne: http://www.alte-kochschule.de/
Autor: Frank Berno Timm
