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22. April 2009
Mutig über Grenzen hinweg
Eva Haupt (Orgel) und Simon Bäther (Percussion) öffnen in Buchholz viele Stilkästchen.
WALDKIRCH-BUCHHOLZ. Endlich provoziert mal jemand. Dieser Satz ging dem Rezensenten am Sonntag in St. Pankratius durch den Kopf . Warum? Organistin Eva Haupt, sonst Leiterin des Buchholzer Kirchenchors, machte zum Auftakt ihres Konzerts "Unerhört" aus dem evangelischen Choral "Erd und Himmel sollen singen" gemeinsam mit Partner Simon Bäther am Schlagzeug ein knallendes Feuerwerk: Es swingte mit Macht und die halbe Rock-Geschichte steckte auch noch in diesem kurzen Stück.
Der eigentlich schwere Anspruch dieses kurzweiligen Konzerts steckte aber in der Mischung. Scheinbar ungeläufige Töne wurden mit traditioneller, eher strenger Orgelmusik kombiniert. Dabei war, wie ein Besucher zurecht anmerkte, nicht das Improvisierte das Unbekannte – sondern manches aus dem klassischen Sektor.
Johann Sebastian Bachs Concerto G-Dur (BWV 592) folgte. Sehr schnelle Läufe wirkten zuweilen ungenau – am schönsten musizierte Eva Haupt in den ruhigen, "singenden" Programmpunkten des Abends. Das galt nicht nur für den Mittelsatz des Bach-Concertos, sondern noch mehr für den später folgenden Mendelssohn.
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Miles Davis "All Blues” entwickelte sich aus den Tiefen der Orgel und blieb lange im Ohr, auch Herbie Hancocks Cantaloupe Island hat den Rang eines Jazz-Standards. Nur manchmal ging Eva Haupt im jazzigen Umgang über das hinaus, was geübte Hörer von elektronischer Klangerzeugung gewohnt sind – hiervon wäre mehr wünschenswert gewesen.
Auch der in diesem Jahr 200 Jahre alt werdende Felix Mendelssohn-Bartholdy ist eigene Konzerte wert. Sein Andante in A-Dur und das Andante con moto in h-moll sind Juwelen, die Eva Haupt wunderbar gelangen.
Simon Bäther ging zwischendurch ans Vibraphon und spielte zwei Solo-Etuden von Arthur Lipner. Der Last Minute Waltz und ein Rock Medley (aus Schlagern wie Smoke on the water und Money, money, money) von Jörg Eckel bot Haupt und Bäther noch einmal Gelegenheit zu etwas befreiterem Spiel, bevor sich Haupt Buxtehude zuwandte: Präludium & Fuge in C-Dur – schön, überzeugend registriert. Langer Beifall am Ende, eine Zugabe.
Im November hatte Eva Haupt ein Konzert mit Auszügen der "Missa in Jazz" geleitet. Die zwei Abende, miteinander betrachtet, lassen den Schluss zu, dass der Musikerin Grenzüberschreitungen wichtig sind. Das kann nur gut tun.
Autor: Frank Berno Timm
