Notwendig sind "viele Rädchen"

Gerda Oswald

Von Gerda Oswald

Do, 16. Januar 2014

Kreis Emmendingen

Der nach einem Unfall querschnittsgelähmte Manuel Reinbold bekommt einen auf ihn zugeschnittenen Arbeitsplatz.

FREIAMT. Eine Ausbildung absolvieren und den Führerschein machen ist für die meisten jungen Menschen ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit. Ein weiterer, anschließend einen Arbeitsplatz zu finden, um sich selbst finanzieren und organisieren zu können. So ist das auch bei Manuel Reinbold (24) aus dem Brettental. Der Industriekaufmann managt seit März 2013 die Buchungen für die Zimmer und die Veranstaltungen in der Festscheune im Freiämter Hof in Reichenbach. Und doch ist bei ihm alles ein wenig anders. Manuel Reinbold ist auf einen Rollstuhl angewiesen.

"Ich kann fast alles machen, außer laufen", sagt Manuel Reinbold. Der Vierundzwanzigjährige sagt dies mit einer entwaffnenden Offenheit und mit einem charmanten Lächeln. Er ist ein zielstrebiger, junger Mann, der nach einem schweren Unfall mit der Folge einer Querschnittslähmung sein inneres Gleichgewicht wieder gefunden hat. Vor mehr als sieben Jahren war Manual Reinbold bei Aufbauarbeiten zur Beach Party in Freiamt mit Schulkameraden in einen nur 1,20 Meter tiefen Pool gesprungen. Mit dem Kopf voran.

Seit dem März des vergangenen Jahres arbeitet Manuel Reinbold bei Georgia und Kurt Haas im Freiämter Hof. "Manuel ist die richtige Ergänzung für mich", sagt Georgia Haas. Er halte ihr den Rücken frei, indem er den gesamten elektronischen Schriftverkehr abwickele und die Telefonanrufe entgegennehme. Er verwaltet die sieben Gästezimmer und "s’ Bierhaase Schiere" für Veranstaltungen und Feste. Arbeiten zur Buchhaltung, Bestellungen und das Vorbereitungen für Aktionen wie etwa dem Krimi-Dinner gehören ebenfalls dazu. "Meine Tätigkeit ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Ich habe viel Kontakt mit anderen Menschen, was ich sehr schön finde", sagt Manuel Reinbold. Er fühlt sich im familiären Umfeld der Gaststätte wohl und beschreibt den Umgang als kollegial und freundlich. "Ich werde voll akzeptiert und nicht als Behinderter gesehen", erläutert er. "Manuel ist aufgeschlossen und offen, das kommt bei den Gästen an. Er arbeitet zielorientiert und probiert Neues aus", lobt ihn die Chefin. Sie mag den Vierundzwanzigjährigen, der seit dem Kindergarten ein Freund ihres Sohnes Julian ist.

"Viele Rädchen haben was Großes geschaffen", sagt Berufsberater Werner Klemann von der Agentur für Arbeit Freiburg. Die Agentur hat nach dem Unfall und der Rehabilitation die Ausbildung zum Industriekaufmann gefördert, begleitet und bezahlt. "Glücklicherweise hatte er vor dem Unfall gerade noch die Mittlere Reife abgeschlossen", so der Berater. Denn sein ursprünglicher Wunsch, Schreiner zu werden, war nicht mehr möglich. "Berufswahl hat etwas mit Neigung zu tun", sagt Klemann. Bereits in der Reha gab es deshalb einen Vorbereitungs-Lehrgang und später eine Eignungsabklärung. Innerhalb von zwei Jahren schaffte Manuel Reinbold den Berufsabschluss im Berufsförderungswerk Bad Wildbad mit guten Leistungen.

"Der Arbeitsmarkt Freiamt bietet nicht viele Einsatzmöglichkeiten", sagt Roswitha Schneider, Teamleiterin Reha der Agentur für Arbeit Freiburg, das darauf folgende Problem an. "Manuel erzählte mir, dass er keinen Job bekommt und ich spürte, wie es ihn traurig machte", berichtet seine Hausärztin Heide Forstreuter-Walbert. Sie hat ihre Praxis im Gebäudekomplex des Freiämter Hofs und kennt Manuel seit seiner Kindheit. Sie brachte den Stein ins Rollen und man überlegte sich im Haus, ob man den jungen Mann je zur Hälfte in der Gaststätte und in der Arztpraxis einsetzen könne. Ein gemeinsames Büro bräuchte er dann, einen Fahrstuhl, behindertengerechte Zugänge und Toilette. Enorme Umbaukosten, die selbst gemeinsam nicht zu stemmen waren.

Entscheidend: die Förderung der Bundesagentur für Arbeit

An diesem Punkt kam wieder die Agentur für Arbeit ins Spiel. Sie übernahm die Kosten für Fahrstuhl, Zugänge und Toilette. In den Landkreisen Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Freiburg sind aktuell 13 616 Menschen arbeitslos. Davon sind 974 oder 7,2 Prozent schwerbehindert. Um einen einzigen behindertengerechten Arbeitsplatz zu schaffen, wird eine Menge Geld in die Hand genommen und es muss entschieden werden, wer es bekommt. Die Agentur übernimmt auch den Großteil der Fahrkosten des DRK-Fahrdienstes, die Manuel Reinbold zur Arbeit und wieder nach Hause fährt und die Führerscheinkosten. "Wenn ich in der Gaststätte eingearbeitet bin, dann lerne ich die Arbeiten bei der Praxis und mache den Führerschein", hat Reinbold ganz konkrete Pläne. Als Ausgleich spielt er Rollstuhl-Rugby bei den Dragons in Freiburg.