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18. Juni 2010 16:11 Uhr
Robert Jasper – aufwärts und vorwärts
Der Berg ist das Ziel: Extrembergsteiger Robert Jasper fasziniert in der Waldkircher Stadthalle mit seiner Multivisionsshow über seine Touren an der Eigernordwand und in Feuerland an der Spitze Südamerikas.
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Kontraste und Herausforderungen prägen das Leben von Robert Jasper. Foto: hans-jürgen truöl
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Begegnung in Feuerland und in Waldkirch: Robert Jasper und Jörn Heller Foto: hans-jürgen truöl
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Der SC Kandel ist stolz auf den prominenten Besuch. Von links Sportwart Nordisch und Bergführer Gerold Scherer, Vorsitzender Klaus Kratzner, Robert Jasper und der 2. Vorsitzende Michael Streich Foto: hans-jürgen truöl
WALDKIRCH. "Nie im Leben würde ich das machen" kommentiert eine Zuhörerin. Soeben hatte Robert Jasper geschildert, wie er sich mit seiner Frau Daniela hoch oben an der senkrechten Eigernordwand zur Nacht bettete – im Biwakzelt 1000 Meter über Grund. Genau dies aber macht das Leben eines der weltbesten Bergsteigers aus: Wagemut und kontrolliertes Risiko, um Neues zu entdecken und seine Grenzen kennenzulernen.
Robert Jasper ist auf Einladung des Skiclubs Kandel in die Stadthalle gekommen. Sein von der Badischen Zeitung unterstützter Multimediavortrag "Feuerland – Bergsteigen am Ende der Welt" führt die 260 Besucher optisch in eine der faszinierendsten Naturlandschaften der Erde. Die Veranstaltung reiht sich in die Vortragsserie ein, die der SC Kandel seit einigen Jahren anbietet: Bekannte Referenten "beamen" die Besucher in die Natur. Der Ruf dieser Vorträge reicht weit über die Elztäler Kreisstadt hinaus – auch Besucher vom Kaiserstuhl, aus Emmendingen und Freiburg, vom Schwarzwald und aus der Schweiz wollen Robert Jasper sehen.
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Dass sie ihr Kommen nicht bereuen, zeigt der lang anhaltende Beifall am Ende einer faszinierenden Multivision. Der 42-Jährige erweist sich auch als Motivator und Lebens-Wegweiser ohne erhobenen Zeigefinger. Was an Steilwänden gilt, taugt auch für die Niederungen des Daseins: Sich Ziele setzen, gute Vorbereitung, systematisches Training, seine Pläne Schritt für Schritt realisieren, Horizonte erweitern, Alleingänge durchstehen und sich als zuverlässiges Mitglied eines harmonischen Teams bewähren.
Robert Jasper ist gebürtiger Schopfheimer, stammt also aus dem Südschwarzwald. Schon als Kind kletterte er im Schüchttal und als Jugendlicher dann im Schweizer Jura und am Feldberg. Dem Kandel ist er ebenfalls verbunden: Dort ließ er sich zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer ausbilden.
Auch wenn der Extrembergsteiger betont, dass das Abenteuer vor der Haustür liegt und Schwarzwaldwanderungen für ihn weiterhin ihren Reiz haben – wer die schwersten Steilwände der Welt durchstiegen hat und allein die Eiger-Nordwand im Berner Oberland auf 19 lebensgefährlichen Routen meisterte, der sucht seine Herausforderungen statt am Herzogenhorn auf den Bergen im Himalaya, in Patagonien oder Alaska.
Robert Jasper betont, dass das Abenteuer nicht auf dem Gipfel, sondern erst im Basislager zu Ende ist. Höhen und Tiefen, Erfolge und Niederlagen, Enttäuschung und Glücksmomente – was für einen professionellen Bergsteiger gilt, trifft auch auf "normale" Menschen zu.
Als Mixed- und Speedkletterer hat er weltweit Maßstäbe gesetzt. Auf der Großleinwand ist zu sehen, wie Robert Jasper sich im Eis seinen Weg sucht, wie sich seine Fingerkuppen an nur millimeterbreite Felsvorsprünge klammern, wie er sich an mächtigen Steilwänden emporarbeitet – ein Leben als Gratwanderung. Die hervorragenden Fotos aus Patagonien von Ralf Gantzhorner halten die Besucher in Atem, lassen sie teilhaben an den Entbehrungen am Berg, an den körperlichen Höchstleistungen, am Selbstzweifel und am Durchhaltewillen.
In seiner Präsentation lässt Robert Jasper erahnen, warum die Eigernordwand zu seiner großen bergsteigerischen Leidenschaft wurde. Nach der Pause schildert er seine Reise nach Ushuaia (Argentinien), den wagemutigen Törn in die südchilenische Fjord- und Gletscherwelt und den mühsamen Aufstieg auf den Monte Sormiento – eine Pionierleistung.
Besonders schön für den "Bergfex", dass sein Patagonien-Begleiter, der Freiburger Bergsteiger Jörn Heller, den Weg in die Stadthalle gefunden hat: Überraschungen und Entdeckungen kann es nicht nur an der Südspitze Amerikas, sondern auch direkt vor der Haustür geben.
Autor: Hans-Jürgen Truöl


