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26. Januar 2010

Schmalzfreie italienische Evergreens

Der sachliche Barde Gianluca Carafa im Schlosskeller / Jeremias Holtz als fetziger Gitarrist.

EMMENDINGEN. Una notte italiana – diese acht Silben klingen viel versprechend. 40 Besucher folgten dem Lockruf und kamen in den Schlosskeller, um bei frostigen Außentemperaturen drinnen musikalisch etwas Sonne und Wärme des Südens zu tanken. Musik von Gianluca Carafa und gute Laune mit Luciana Caglioti waren angekündigt.

Doch die ersten Abstriche mussten die Gäste schon vor dem ersten Ton machen. Die Journalistin und Schauspielerin Cagkioti konnte aufgrund einer Erkrankung das durchaus vielschichtige deutsch-italienische Verhältnis nicht kabarettistisch hinter- und durchleuchten. So blieb der Trost, wenn schon nicht hintersinnig scherzend so doch wenigstens herzanrührend unterhalten zu werden.

Akustisch begann der Barde von jenseits der Alpen mit Stücken, die längst auch hier zu Evergreens geworden sind. "Volare", ein Welthit, den jüngst auch "Die 5 Tenöre" in Denzlingen präsentierten, zum Auftakt, bevor mit "o sole mio" und "azzurro" der große "Italo-Herz-Schmerz-Klang" durch den Schlosskeller flutete. Dabei präsentierte Gianluca Carafa diese Lieder großer Emotionalität garantiert schmalzfrei. Fast schon ein bisschen distanziert wirkte das, gelegentlich streute er satirisch anmutende Untertöne bei, so beim Introitus zum "o sole mio" im Gitarrenduo mit Jeremias Holtz.

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Holtz war es, der mit seinen solistischen Gitarrenausflügen ein bisschen Schwung in die Lieder brachte. Denn Gianluca Carafa wirkte nicht gerade authentisch, wenn er von "amore di fantasia" oder "passione" sang.

Das änderte sich ein wenig nach der Pause; die veränderte Zusammensetzung der Band brachte etwas mehr Dynamik: Holtz griff zur E-Gitarre, der respektable Percussionist Andreas Nunn wirbelte am Schlagzeug, vom Keyboard war etwas zu hören, ein Bassist gesellte sic h dazu.

Als "weich aber markant, zärtlich und doch intensiv" war Gianluca Carafa als Sänger angekündigt worden. Doch sein Vortrag klang auch bei den eigenen Songs indifferent, der Ausdruck ging irgendwo verloren. Und so bleibt der "profumo di primavera", das Parfüm des Frühlings, das sich so wunderbar in Italien finden lässt, im Schlosskeller ein bisschen flach.

Autor: Markus Zimmermann-Dürkop