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30. Juni 2010 14:06 Uhr

Schule und Beruf – kein Gegensatz

Das Erasmus-Gymnasium in Denzlingen, die Neunlindenschule in Elzach und die Nikolaus-Christian-Sander-Schule in Teningen-Köndringen gehören zu den Schulen, die mit dem Berufswahl-Siegel "Boris" ausgezeichnet wurden.

  1. Schülerinnen wie Katrin Schultis (links) und Anna Hirschbolz (2. von links) der Neunlindenschule in Elzach schnuppern schon zu Schulzeiten intensiv ins Arbeitsleben. Auf dem Bild sind u.a. auch Rektor Dieter Gühr, Margarete Gießmann, Fachlehrerin für Berufsorientierung an der Schule. Foto: Hagen Schönherr

  2. Verleihung des Berufswahl-Siegels an das Erasmus-Gymnasium in Denzlingen. Links der Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg, Werner Baas, rechts Andreas Weber, Abteilungsleiter Bildung Baden-Württemberg-Stiftung. Foto: Handwerkskammer Freiburg

  3. Das Kollegium der Nikolaus-Christian-Sander-Schule aus Teningen-Köndringen Foto: promo / Gewerbeakademie

"Boris" soll ein TÜV-Siegel für Schulen sein, die intensiver als vom Lehrplan vorgeschrieben auf das Berufsleben vorbereiten. Drei weitere Schulen aus dem Kreis Emmendingen haben sich dieses Jahr das Siegel geholt, nachdem in den Vorjahren acht ausgezeichnet wurden.

An diesen Schulen gilt das Berufsleben ein Thema, dass sich durch alle Klassenstufen zieht.

Beispiel Neunlindenschule: Schon in Klasse fünf gibt es einen Berufsschnuppertag. In der siebten Klasse lernen die Nachwuchskräfte für den hiesigen Arbeitsmarkt in einer "Klassenfirma" den Alltag eines Firmenbetriebs kennen: "Unsere Catering-Firma 'Foodbringers' verkauft Gebäck und belegt Brötchen für den Förderverein der Schule", sagt Margarete Gießmann, Fachlehrerin für Berufsorientierung an der Grund-, Haupt- und Werkrealschule. Natürlich ist das richtige Wirtschaften Kern der Aufgabe, eine Firma soll schließlich Gewinn abwerfen.

Die Schülerfirma ist Teil eines klassenstufen-übergreifenden "Wirtschaftsführerscheins", den die Schule mit dem Segen der Handwerkskammer Freiburg anbietet. Dazu gehören auch regelmäßige Bewerbungstrainings, komplexe Unternehmenssimulationen am Computer und auch eine enge Partnerschaft mit einem außerschulischen Betrieb. In Elzach ist das die örtliche Schreinerei.

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"Zwei Dritteln der Bewerber fehlt die Ausbildungsreife"

Berufsbezug sei vor allem dringlich, da es bei immer mehr Jugendlichen schwer sei, ein passendes Berufsfeld zu finden: "Zwei Dritteln der Bewerber fehlt heutzutage die Ausbildungsreife", beklagte Karlhubert Dischinger von der IHK Freiburg. Die Folge: Bundesweit würden derzeit 50 000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben müssen.

"Schüler brauchen frühzeitig Kenntnisse, welche Berufe es gibt", sagte Siegfried Specker, Schulpräsident des Regierungspräsidiums bei der Siegel-Verleihung. Angesichts von erwarteten 22 Prozent weniger Schulabgängern zwischen 16 und 18 Jahren bis 2025 sei es vorrangig, den Übergang von der Schule zum Beruf reibungslos zu gestalten.

In der Teninger Nikolaus-Christian-Sander-Schule, auch ein Boris Zertifikatsträger, sind Azubis der Firma EHT Werkzeugmaschinen oft zu Gast in Klasse acht. In einem Vertrag zwischen Schule und EHT heißt es: "Das Unternehmen soll dazu beitragen, dass Schüler den Anforderungen der Wirtschaft im Unternehmensalltag begegnen."

Zusammenarbeit mit Firmen besonders wichtig

Diese Zeilen fassen gut zusammen, was sich die "Boris"-Initiatoren, darunter die Landesstiftung, die Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Regierungspräsidium, unter zukunftsfähigen Schulen vorstellen. Das Siegel tragen nun Schulen, die Schülern durch Zusammenarbeit mit externen Firmen frühzeitig Chancen bieten, in die Arbeitswelt zu schnuppern – deutlich intensiver, als vom Lehrplan vorgeschrieben: "Es ist nicht selbstverständlich das Siegel zu erhalten", so Werner Baas von der Handwerkskammer Freiburg. Es reiche nicht, wenn es nur einzelne engagierte Lehrer gebe. Die Anforderungen sind hoch: Von 165 Schulen in Baden-Württemberg, die seit 2007 "Boris" wollten, wurden nur 98 ausgezeichnet. In diesem Jahr bewarben sich 17 Schulen aus dem Bereich des Regierungspräsidiums, 12 erfüllten die Anforderungen.

Die Initiatoren möchten mit "Boris" auch den Wettbewerb zwischen Schulen anheizen. "Die Zahl der nicht mit einem Ausbildungsplatz versorgten Abgänger ist geringer als an Schulen, die das Siegel nicht haben", so Baas. Trotzdem will das Schulamt die Boris-Kriterien ungern verpflichtend für alle Schulen einführen. Schließlich gebe es Schulen, die etwa einen musikalischen Schwerpunkt hätten.

Autor: Hagen Schönherr