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28. Juli 2009
Täglich 13 Stunden hinter dem Steuer
Der 68 Jahre alte Hans-Peter Schwarzwälder verkauft schweren Herzens seinen Bus und geht zum Schuljahresende in Ruhestand.
EMMENDINGEN. Hans-Peter Schwarzwälder bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Ohne Hektik lenkt der Busunternehmer sein Auto über den Bahnhofsparkplatz, wendet und hält. Eine knappe Stunde hat der Subunternehmer der Südbadenbus (SBG) Pause, bevor er weiter durch den Landkreis unterwegs ist. Allzu häufig wird er nicht mehr hier stehen: Der 68-Jährige geht zum Ende des Schuljahrs in den Ruhestand. Dass er in diesen langen Jahren keinen einzigen Unfall hatte, sei ihm "überhaupt das wichtigste", sagt er.
Seine ersten Kilometer legte Schwarzwälder im Reisebus zurück. "Die Auslastung", erinnert er sich, "ging zurück". Also hat Schwarzwälder Verträge mit der damaligen Deutschen Bundesbahn gemacht und fährt seit September 1984 selbst Linie. Das Prinzip ist einfach: "Was ich verdiene, gehört mir". Wenn Schwarzwälder morgens am Emmendinger Bahnhof steht, hat er schon lange Touren zwischen Ringsheim, Herbolzheim und Kenzingen hinter sich, bevor es dann nach Emmendingen und Waldkirch geht.Der Malterdinger fährt seit Jahren dieselbe Strecke und kennt seine Fahrgäste. Einige von ihnen offensichtlich schon sehr lange: Nur sehr zögernd erzählt er von "schwierigen Zeiten" mit Schülern im Bus. Heute seien die damaligen Jugendlichen längst erwachsen und stünden im Berufsleben. Allzu engstirnig, sagt Schwarzwälder, dürfe man als Fahrer sowieso nicht sein, aber Nerven müsse man schon manchmal haben. Es bringe nichts, unruhige Fahrgäste an die Luft zu setzen. Und bei Schülern dürfe man das überhaupt nicht tun, sagt er.
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"Wenn ich weiter fahren wollte", antwortet Schwarzwälder auf Fragen nach dem Grund für das Aufhören, "bräuchte ich ein neues Auto." Das müsste er, um es finanzieren zu können, dann noch einmal fünf Jahre fahren. Außerdem müssten Führerschein und Genehmigungen noch einmal verlängert werden. Früher habe ihm das Fahren nichts ausgemacht. Mit Pausen ist er täglich 13 Stunden unterwegs – das schafft auch Jüngere. Selbst den Kollegen in den neuen Bussen mit Klimaanlage mache das schwüle Wetter Schwierigkeiten, weiß er.
Trotzdem, ans Aufhören muss Schwarzwälder sich erst gewöhnen. Die Werkstatt in Malterdingen muss ausgeräumt, der Umzug nach Kollnau vorbereitet werden. In der Werkstatt hat er die meisten Arbeiten an seinem unverwechselbar grünen Bus selbst ausgeführt, solange keine Fachwerkstatt vorgeschrieben war.
Den Bus will Schwarzwälder jetzt verkaufen. Es sei ein zuverlässiges Auto und noch gut für Schülerverkehr geeignet, meint er. Die heutigen Busse hätten nicht 49 Sitz- und 48 Stehplätze zu bieten – die seien aber nötig, wenn er mittags von der Emmendinger Berufsschule nach Waldkirch fahre.
"Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht so recht." Fotografieren, Wandern und vielleicht ’mal ein Buch lesen stehen auf der Wunschliste des verheirateten Fast-Rentners. Ursprünglich hatte er Spitzendreher und Kaufmann gelernt und als Lademeister einer Spedition gearbeitet. Die ersten Jahre als Unternehmer müssen mit vielen Kraftakten verbunden gewesen sein: Damals habe man noch eine Unternehmerprüfung ablegen müssen.
Im Kofferraum hat er seine Kamera schon dabei. Und alle möglichen Utensilien, damit unterwegs entstehende, kleine Malheurs sofort beseitigt werden können. "Wo haben Sie Ihr Auto stehen?" Schwarzwälder nimmt den BZ-Mitarbeiter noch ein paar Schritte mit und macht sich dann auf zur nächsten Linienfahrt. Bei ihm kann man sich sicher aufgehoben fühlen, so viel ist sicher.
Autor: Frank Berno Timm
