Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. November 2016

Unverzichtbare Brückenbauer

Minister Untersteller lobt Landschaftserhaltungsverband als Pionier in der Verständigung zwischen Naturschutz und Landwirtschaft.

  1. Beim „Strohballengespräch“ stellen Akteure die Arbeit des Landschaftserhaltungsverbands vor. Von links: Hanspeter Hoernstein, Michael Baumann aus Weisweil, Landwirt und Landschaftspfleger Karlheinz Schweikert aus Freiamt, Nabu-Vorsitzender Martin Neub, Florian Meusel, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Verbands für Landschaftspflege, und Petra Holz,Leiterin des Umweltdezernats des Landratsamts. Foto: Benedikt Sommer

  2. Landrat Hanno Hurth ehrte mit Willi Enters, Franz Schätzle und Walter Froß drei noch immer aktive Landschaftspfleger der ersten Stunde (von links). Rechts: Umweltminister Franz Untersteller. Foto: Benedikt Sommer

FREIAMT. Mit einem Festakt feierte der Landkreis am vergangenen Mittwoch mit gut 70 Gästen im Kurhaus das 25-jährige Bestehen des Landschaftserhaltungsverbands Emmendingen. Umweltminister Franz Untersteller würdigte die Vorbild- und Pionierfunktion für die inzwischen 33 Landschaftserhaltungsverbände in Baden-Württemberg.

Es ist die Erfolgsgeschichte für ganz Baden-Württemberg, die Franz Untersteller und Landrat Hanno Hurth in ihren Reden im Kurhaus Revue passieren ließen. Man schrieb das Jahr 1991 und stand vor einer verfahrenen Situation: ein erstarkendes Bewusstsein für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes traf auf eine beharrliche Landwirtschaft, die zwar den sich abzeichnenden Strukturwandel ahnte (von "den 3400 bäuerlichen Betrieben im Landkreis von 1991 sind im Jahr 2016 nur noch circa 1.200 Betriebe übrig", so Hurth), die aber dem Naturschutz und der Landschaftspflege meist ablehnend gegenüberstand. Es sei ein Verdienst der Männer dieser Stunde, Männer wie Willi Enters, Kurt Stöcklin oder Hanspeter Hoernstein, der "Geburtshelfer unseres Verbands", wie es Hurth formulierte, dass sie nach einer Lösung suchten − und sie in Bayern fanden. Nach dortigem Muster wurde 1991 in Emmendingen, unterstützt vom damaligen Landrat Volker Watzka und seinem Ersten Landesbeamten Volker Stratz, der ersten Landschaftserhaltungsverband in Baden-Württembergs gegründet − "ein möglicherweise historisches Datum für den Naturschutz", wie es das damalige Protokoll laut Untersteller vorausschauend formulierte.

Werbung


Denn damit schuf man einen unverzichtbaren Brückenbauer. Damals wurde der neue Verband beim Landwirtschaftsministerium angesiedelt, "denn der Landwirt geht regelmäßig zum Landwirtschaftsamt, nur selten aber freiwillig in das Umweltschutzamt", wie es Hoernstein formulierte. Bei der Regierungsbildung im Frühjahr 2016 wechselten die Landschaftserhaltungsverbände mit dem Naturschutz zum Umweltministerium, man habe aber kein Interesse daran, dass hier "wieder Gräben ausgehoben würden", sagte Untersteller.

Kooperation statt bloße Verordnung: Diese Erfolgsformel schlägt sich eindrucksvoll auch in den Zahlen nieder. Betreute der Verband im Landkreis 1991 noch eine Fläche von 200 Hektar, sind es inzwischen 1500 Hektar. Erhielt er 1991 etwa 200 000 Euro Fördermittel, sind es heute mehr als eine Million Euro, sagte Hurth. Alle 24 Gemeinden seien Mitglieder des Verbands.

Auf Landesebene geht die Hälfte aller Gelder, die für den Naturschutz bereitgestellt werden, in die Hand der inzwischen 33 Landschaftserhaltungsverbände (nur zwei Landkreise verfügen noch nicht über einen Landschaftserhaltungsverband): 2015 eine Summe von 31 Millionen Euro − "für die Landwirtschaft haben sich die Landschaftspflegearbeiten inzwischen längst als wichtiges Einkommensstandbein entwickelt", sagte Untersteller.

Am Nachmittag hatten sich die Gäste einen Eindruck von der vielfältigen Arbeit der Landschaftspfleger machen können. In einem "Strohballen-Gespräch" versammelte Petra Holz, Leiterin des Dezernats für Bauen und Umwelt im Landratsamt, Akteure des Landschaftserhaltungsverbands auf der Bühne. Hanspeter Hoernstein berichtete aus der Gründungszeit, Landschaftspfleger und Landwirt Karlheinz Schweikert schilderte die ganz konkrete Arbeit oder lobte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Verbands für Landschaftspflege Florian Meusel die Arbeit von Hans Page auf Bundesebene ("wichtige Speerspitze").

Bevor Hanno Hurth die Gäste zur "Landschaftspflege mit Messer und Gabel" (mit Spezialitäten kooperierender Bauernhöfe) einlud, dankte er Gastgeberin Hannelore Reinbold-Mench. Für launige musikalische Umrahmung sorgte das Rindfleischquintett aus Elzach.

Autor: Benedikt Sommer