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10. Februar 2012
Von den Anfängen des Widerstands
Geschichten, Fotos und Erinnerungen an den Beginn des Protestes gegen die Atomkraft / Gedenkstein in Weisweil enthüllt.
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Landesbischof Ulrich Fischer zeichnet Erhard Schulz (rechts) mit dem goldenen Lorbeerkreuz aus. Foto: Ilona Huege
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Inmitten der Ausstellung mit Bildern und Plakaten aus dem BBI-Archiv fand die erste Runde mit Geschichte und Geschichten von 40 Jahren Widerstand gegen die Atomkraft statt. Foto: Ilona Hüge
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Landesbischof Ulrich Fischer zeichnet Erhard Schulz mit dem goldenen Lorbeerkreuz aus. Foto: Ilona Huege
WEISWEIL. Die Veranstaltungen zum Gedenken an den Tag, von dem vor genau 40 Jahren in Weisweil der Impuls zum Widerstand gegen die Atomkraft ausging, waren rundum gelungen. Es gab Geschichte und Geschichten, Bilder und Plakate aus der Zeit, die Enthüllung des Gedenksteins am Pfarrhaus, einen Gottesdienst mit dem evangelischen Landesbischof Ulrich Fischer und eine Ehrung – zum Schluss aber auch einen kleinen Eklat.
Das Gemeindehaus war zur Ausstellungsfläche geworden: Kurt Schmidt, Betreuer des Archivs der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen (BBI), hatte alte Bilder, Plakate und Dokumente zusammengestellt. In diesem Rahmen fand am Nachmittag der erste Rückblick statt, in einem voll besetzten Gemeindehaus. Auf dem Podium saßen Pfarrerin Theodora Pitzke, Landesbischof Ulrich Fischer und der frühere Pfarrer Günter Richter neben Erhard Schulz, seit 40 Jahren aktiv dabei, Dieter Ehret als Vorsitzender des Fördervereins Solarregio und Kurt Schmidt.Im Publikum waren Altaktivist, Liedermacher und Autor Walter Mossmann, Frank Baum als Gründer der VHS Wyhler Wald und Georg Löser, der vor kurzem ein Buch herausgegeben hat, dem eine CD des Films "Wäschpenescht" beiliegt. Gemeinsam erinnerten sie an die Zeit vor 40 Jahren: Der Widerstand gegen das KKW Wyhl war aus heutiger Sicht erfolgreich, "aber es hätte oft anders kommen können", sagte Pitzke zu Spannungen. Günter Richter betonte die Rolle der evangelischen Kirche vor Ort. "Sie unterstützte die Menschen, die sonst keine Stimme hatten", sagte er. Bei der Platzbesetzung übernahmen die Pfarrer oft eine Vermittlerrolle. "Der Einstieg zum Ausstieg aus der Atomenergie wurde vor 40 Jahren gelegt", sagte Landesbischof Ulrich Fischer. Walter Mossmann sieht den Widerstand als erste "Bürgerrechtsbewegung" und betonte, wie viel Mut es brauchte, das durchzustehen. Frank Baum berichtete von der Gründung der Volkshochschule Wyhler Wald.
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Georg Löser erinnerte daran, dass die Widerständler auf der Suche nach Argumenten gegen die Atomkraft erst einmal lernen mussten: "Wir mussten uns alles selbst beibringen". Zur Würdigung dieser Anfänge wurde der Gedenkstein am Pfarrhaus enthüllt. "Es ist gut, am richtigen Ort zu sein", sagte Weisweils Bürgermeister Oliver Grumber. Weisweil sei auf dem Weg zum Widerstand ein Meilenstein: "Der erfolgreiche Widerstand gegen das Atomkraftwerk ist ein Beitrag für die Abschaffung der Atomenergie überhaupt", sagte er. In der Kirche hielt Landesbischof Fischer die Predigt beim Gedenkgottesdienst. Vor dem Altar lag das Kreuz aus dem Wyhler Wald, begleitet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Herbolzheim. Anschließend war Zeit für Würdigungen: Für Günter Richter gab es die ausdrückliche Anerkennung in Worten, für Erhard Schulz die Auszeichnung mit dem goldenen Lorbeerkreuz.
Danach hatten Zeitzeugen das Wort. Den Anfang machte Frieda Bieselin, über 80 Jahre alt und noch immer bei jeder Mahnwache gegen Atomkraft in Weisweil dabei. Sie erzählte unter anderem, wie sie mit klassischen Argumenten – "ich koch Euch nichts und ich wasch auch nicht mehr"– ihre Familie zur Teilnahme zum ersten Sternmarsch bewegte.
Jean-Jacques Rettig würdigte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und das Wildschwein "Eberle", einige Monate Maskottchen, bis es wegen Namensgleichheit mit dem damaligen Wirtschaftsminister des Landes "festgenommen" wurde. Anneliese Baumann berichtete von den Sorgen, die sie als Eltern hatten, dem zivilen Ungehorsam, den sie übten, und von den Fronten in den Orten und den Spannungen, die manchmal durch die Familien gingen. Bernd und Waltraud Nössler erfuhren das in einer "harten Zeit in Wyhl mit tiefen menschlichen Verletzungen".
Einen Tag wie diesen, zum Danke sagen in der Kirche, habe er sich oft herbeigewünscht, sagte Hans-Erich Schött. Mut, Heimatliebe und Geduld sah Heinz Siefritz in seiner Sicht vom Widerstand als wichtig an. Hans Weide, damals als Polizist beruflich auf der anderen Seite, aber persönlich im Umweltschutz engagiert, wurde sogar strafversetzt, wie er in Weisweil erzählte.
Siegfried Göpper erinnerte unter anderem an die finanzielle Unterstützung der Weisweiler Jagdgenossenschaft. Auch persönlich musste er einiges durchmachen. Seine Erinnerungen daran sind eng verknüpft mit der Rolle des damaligen Bürgermeisters. Das aber führte zum Eklat und zum abrupten Ende des Abends. Einige Anwesende verließen empört die Kirche, Hausherrin Pitzke schnitt Göpper das Wort mit dem Ausschalten des Mikrofons ab.
Autor: Ilona Hüge


