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28. Februar 2012

Wertvolle Rehabilitation

Herbert Rische, Präsident der Rentenversicherung, informiert sich über BDH-Klinik Elzach.

  1. Selbstversuch: Herbert Rische testet ein computergestütztes Gerät, das die Beweglichkeit bei Schlaganfallpatienten fördert. Im Hintergrund der ärztliche Direktor Professor Dr. Wallesch Foto: Christine Speckner

ELZACH. Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, bekräftigte bei seinem Besuch der BDH-Klinik den enormen volkswirtschaftlichen Nutzen der Rehabilitation: "Besser durch die Reha sparen als an der Reha."

Geschäftsführer Bernd Fey und der ärztliche Direktor Professor Dr. Claus-Werner Wallesch stellten die BDH-Klinik und deren Schwerpunkte bei einem Rundgang vor. Nach Elzach gekommen war Rische auf Einladung des Emmendinger CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß. Beide veranstalteten zusätzlich in Denzlingen einen öffentlichen Informationsabend über die ganze Palette der Rentenproblematik.

Risch erfuhr in der BDH-Klinik, dass diese Einrichtung Rehabilitation für neurologische Krankheitsbilder aller Schweregrade ab dem jungen Erwachsenenalter sowie geriatrische Rehabilitation, Kuren und Kopfschmerzbehandlung anbietet. Die Klinik ist Kooperationspartner des Universitätsklinikums Freiburg. Dies garantiere eine individuelle medizinische und pflegetherapeutische Behandlung auf dem neuesten Stand der Rehabilitationsmedizin, erklärten Fey und Wallesch. Bürgermeister Holger Krezer erläuterte dem Gast aus Berlin die Bedeutung der Klinik für die Stadt Elzach: "Sie der größte Arbeitgeber im Ort."

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Die finanzielle Hauptlast tragen die Krankenkassen

"Die neurologische Reha wird in der Regel von den Krankenkassen finanziert", informierte Fey. Der Grund: Die Patienten seien meist so schwer gesundheitlich beeinträchtigt, dass ihre Erwerbsprogonose eher negativ ausfalle. Daher betrage die Finanzierungsanteil der Rentenversicherung an einer solchen Reha lediglich zehn Prozent.

Auf die Frage des Präsidenten, wie die Klinik mit "alternden Belegschaften" umgehe, räumte Fey ein, dass die Arbeit zum Teil körperlich belastend sei. Professor Wallesch fügte hinzu, dass deshalb in rückenfreundliche Arbeitsplätze investiert wurde und nannte elektrisch verstellbare Betten.

Dass der Kostendruck in Sachen Rehabilitation steigt, bekommt auch die BDH-Klinik in Elzach zu spüren. Zwar finanzierten die Krankenkassen eine Frühreha bislang mit bis zu 2000 Euro pro Tag, sagte Fey. Doch die weiterführende Reha sei "nicht so gut bezahlt." Fey nannte dies besonders angesichts der aktuell hohen Überschüsse der Kassen "ärgerlich". Dieser Fakt sei aus Sicht der BDH-Klinik "schwer zu verkraften".

Hinzu kommt, dass der Rentenversicherung nur begrenzte Mittel zur Finanzierung einer Reha zur Verfügung stehen würden. Denn das Reha-Budget wird seit 1997 gedeckelt. Rische kritisierte dies: "Die Fortschreibung des Budgets orientiert sich allein an der jährlichen Entwicklung der durchschnittlichen Bruttolöhne der Arbeitnehmer, nicht aber am zunehmenden Lebensalter." Die Rentenversicherung, so Rische, stoße derzeit mit Ihren Bemühungen, mit den bereitgestellten Mitteln für Rehaleistungen auszukommen, an die Grenze des Machbaren. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß bekräftigte die Notwendigkeit einer Anhebung des sogenannten Reha-Deckels. "Wenn Arbeiten bis 67 für alle möglich sein soll, ist mehr berufliche Reha zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Arbeitskraft nötig", so der Politiker.

Auf BZ-Nachfrage zeigte sich Weiß zuversichtlich, dass der Bundestag noch in diesem Jahr die Anhebung des Reha-Budgets beschließen werde. Auch Rische hält dies für machbar und fügte hinzu: "Die Rentenversicherung hat einen Finanzierungsvorschlag gemacht. Nun warten wir, dass die Politik entscheidet. Das Thema kann man nicht ständig verschieben."

Da der Rehabedarf angesichts einer älter werdenden Gesellschaft weiter steigen wird, wäre eine Erhöhung des Budjgts aus Sicht der BDH-Klinik und deren Patienten von Vorteil, wie Geschäftsführer Fey sichtlich erleichtert feststellte. "Bei einem halben Prozent Steigerung wären es für die Klinik schon 50 000 Euro im Jahr mehr": "Damit könnten wir ein oder zwei neue Stellen schaffen."

Autor: Christine Speckner