Wie es Frauen gelingt, "die Jungs ins Leere laufen zu lassen"

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Mo, 17. Oktober 2016

Kreis Emmendingen

Beim Frauenwirtschaftstag stand das Thema Selbstcoaching im Mittelpunkt / Bärbel und Sebastian Rockstroh gaben Tipps für den beruflichen Alltag.

EMMENDINGEN. Zum zwölften Mal hat das Wirtschaftsministerium zu Frauenwirtschaftstagen aufgerufen. Im Emmendinger Rathaussaal stand die Veranstaltung in diesem Jahr unter Motto "Erfolg in Sicht – Selbstcoaching: Frau und Karriere". Bärbel und Sebastian Rockstroh verbanden in ihrem spannenden Vortrag eigene Berufserfahrung in der Wirtschaft und psychologisches Know-how zu einem vielseitigen Kompetenzmix.

Sie selbst sagen, dass sie ganzheitlich arbeiten, indem sie die kognitive, emotionale und physische Ebene mit einbeziehen. Was sind die typischen "Frauenfallen"? Die Referenten zeigen mit viel Humor Strategien, um mit den Rangkämpfen der Männer umzugehen und "die Jungs ins Leere laufen zu lassen."

OB-Stellvertreter Joachim Saar möchte mit den Frauenwirtschaftstagen die Wirtschaftskraft der Frau als Fach- und Führungskraft, Unternehmerin, Ingenieurin und Forscherin aufzeigen. Denn Frauen verdienen in Deutschland rund 23 Prozent weniger als Männer und sind in allen Führungsebenen unterrepräsentiert. "Sie kommen nicht weiter im Beruf, bleiben sozusagen stecken und ziehen dann die Konsequenz durch einen Wechsel" sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle bei ihrer Begrüßung.

"Auch heute noch herrscht im deutschen Steuerrecht Patriarchat. Männer werden vom Staat dafür belohnt, sich einkommenslose Ehefrauen zu halten." Bärbel Rockstroh lächelt süffisant, hält inne und wartet auf die Reaktion des Publikums. Ihre Provokation funktioniert. Etwa 150 Frauen hören ihr gebannt zu wenn sie sagt: "Kluge Frauen treffen die Wahl, wie sie leben wollen und rutschen nicht einfach in die Familienfalle. Mama, Managerin und Ehefrau – wer alles unter einen großen Hut bringen will, sollte sorgfältig planen. Rockstrohs Rat: "Wenn’s um Arbeitsteilung in der Familie geht, klare Abmachungen mit Partner und Arbeitgeber im Vorfeld treffen."

Bärbel und Sebastian Rockstroh verstehen sich selbst als Agenten für ein konstruktives, gewaltfreies und lösungsorientiertes Miteinander der Geschlechter: "Statt klassischer, einseitiger Frauenförderung begleiten wir Frauen und Männer dabei, Veränderungsprozesse gemeinsam zu gestalten und dadurch praxistaugliche, tragfähige und nachhaltige Lösungen zu entwickeln." Sehr lebendig wird der Vortrag dadurch, dass beide als "gemischtes Doppel" referieren. Sebastian Rockstroh erklärt das Spielfeld und wie die Männerwelt tickt: "Wie funktioniert das in der Männerwelt, wer ist Rudelführer oder eher Betamännchen?" Anhand des Modells "gläserne Decke" wird aufgezeigt, wie der Wettbewerb auf den Hierarchieebenen stattfindet. Junge Alphamänner sind häufig besonders kratzbürstig. Wissend, dass sie es nicht an die Spitze schaffen, wollen sie zumindest keine Frau über sich haben. Status, Macht und Gehorsam stehen als Führungskultur bei Männern oft im Vordergrund. Für Frauen gleicht das eher einer wilden Horde. Denn der weibliche Stil ist eher demokratisch, wertschätzend, bedürfnisorientiert.

Hildegart B. ist begeistert: "Eigentlich wollte ich mir nur kurz einen Eindruck verschaffen". Sie bleibt bis zum Schluss der Veranstaltung: "Die Zeit verflog und dieser Vortrag hat mich zu einem Perspektivwechsel angeregt." So sahen es auch die anderen. Die Botschaft, die alle mitnahmen lautet: "Raus aus der Komfortzone und Visionen statt Träume zu entwickeln; aus kleinen "Mädchen" werden starke Frauen, die sich künftig in der von Männern dominierten Berufswelt behaupten und positionieren werden, ohne sich zu verbiegen."