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15. Februar 2010
25 Stunden Arbeit für einen Dämon
Daniel Srock schafft aus einem Stück Holz mit wenig Werkzeug und viel Kreativität einzigartige Fasnachtsmasken.
ZELL. Fröhlich, grimmig, verdutzt und gewitzt blicken sie den Betrachter an: Hasler Mühlihäxe, Ripolinger Wildsäu, Mühlibachdämone aus Häg-Ehrsberg und viele andere Fasnachtsmasken füllen eine ganze Wand im "Holzwurm" in Zell. Entsprungen sind die hölzernen Larven dem Schnitzmesser von Daniel Srock. Seit rund 20 Jahren ist der 47-jährige Personalreferent als Maskenschnitzer aktiv. Bis Anfang Januar war er noch voll im Stress, denn mit dem Dreikönigstag beginnt die Hoch-Zeit der Narren- und Freundschaftstreffen.
Eine Menge Arbeit steckt in den urigen Masken, pro Stück brauche er etwa 25 Stunden, erklärt Srock. In den vergangenen zehn Jahren gab er zwölf neuen Maskengruppen ein Gesicht – ein langwieriger Prozess mit vielen Absprachen, der aber, der Natur des Anlasses entsprechend, durchaus seine gesellig-heiteren Seiten hat. Als Erstes, erklärt Srock, kämen die Vertreter der künftigen Maskengruppe mit ihren Vorstellungen zu ihm: Soll es eine Sagengestalt werden oder etwas Anderes mit Bezug zur Heimat der Maskengruppe? Auch der Charakter der Maske wird fest gelegt: Von freundlich bis gruslig gibt es hier ein weites Spektrum.Werbung
Es folgen Zeichnungen, Abänderungen und die Modellierung aus, so Srock, "einer Masse, die ich jetzt nicht nennen will". Sind die Auftraggeber soweit zufrieden, werden Kontur und Profil mittels Bandsäge grob ausgesägt aus Linden- oder Weymouthskieferholz. Es folgt die lange Feinarbeit von Hand. Mühe mache ihm das Gestalten nicht, meint Srock: "Ich hab ja die Maske im Prinzip schon im Kopf". Noch einmal gleichen Maskengruppe und -schnitzer ihre Vorstellungen miteinander ab, dann wird der Prototyp geschnitzt und bemalt. Ab jetzt verwandelt sich der Designer in einen Kunst-Handwerker.
Als gelernter Werkzeugmacher baute er sich zwar seine eigene Maschine zum Vorfräsen, doch diese verkürzt die Arbeitszeit pro Maske nur um maximal fünf Stunden. Schnitzen und Schleifen, Beizen und Bemalen, Lackieren und das Anbringen von Befestigungselementen für den Kopfschmuck bleiben Handarbeit, wichtigstes Werkzeug ist das Kerbschnitzmesser: "Da lass’ ich jedes Jahr eines durch". Vor dem Bemalen kommen die Maskenträger zur Anprobe und zum individuellen Abstimmen auf die Größe der Nase und des Kinns, auf unterschiedlich weite Blickwinkel oder auf Brillen, die Platz haben müssen. Teilweise werden noch Auspolsterungen angebracht, dann kann das Fasnachtstreiben los gehen. Wie sich das Laufen mit einer massiven Maske vor dem Gesicht anfühlt, weiß Srock aus eigener Erfahrung, der Zeller Alt-Hürus und Fasnachts-Wagenbaumeister machte aushilfsweise als "Wellemacher" bei der Fasnacht mit.
Warum kaum eine seiner neuen Masken im Oberen Wiesental unterwegs ist, erklärt sich Daniel Srock folgendermaßen: Hier, so sagt er, sei in der Regel die Zahl der Maskenträger pro Gruppe streng begrenzt – es dürfe beispielsweise niemals mehr als elf Zeller Schrätteli geben. Auch seien hiesige Fasnachtsgesellschaften und Narrenzünfte zurückhaltend, was die Aufnahme neuer Gruppen betreffe. Am Hochrhein und im Wehratal sei man da offener, dort gebe es häufig auch mehr Maskenträger pro Gruppe.
Auf die Frage, wie er zu seinem Hobby kam, meint der Zeller Fasnächtler: "Das hat sich einfach so ergeben". Der Autodidakt besuchte Zeichenkurse und absolvierte eine zweijährige "Lehrzeit" beim Zeller Schnitzer Herbert Rümmele. Später folgte sein Ruf als Maskendesigner dem Lauf der Gewässer: Vom ersten Auftrag in Hasel über Wehr, Öflingen und so weiter.
Aktiv ist Srock auch für Gruppen aus seiner näheren Umgebung. Hier geht es meist ums Restaurieren und um originalgetreue Neuanfertigungen – manche Masken haben bis zu 50 Jahre auf dem Buckel. Da fallen Lackschäden, Risse und dergleichen an, oder es bricht mal beim wilden Narrentreiben ein Teufelshorn ab. Und er verrät, dass Hörner oder andere herausragende Elemente bei neuen Maskengruppen oft ein elektronisches Innenleben haben: Hier sind Batterien für die LED-Lichter untergebracht, die die Augen der urigen Gestalten bei Nachtumzügen so dämonisch leuchten lassen.
Autor: Silke Hartenstein


