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21. November 2009

Abschied von der Ausgrenzung

Das Staatliche Schulamt will behinderten Kindern mit kooperativen Klassen den Weg in die allgemeinbildenden Schulen eröffnen

  1. Integrationsklassen wie an der Freiburger Anne-Frank-Schule (oben) strebt Helmut Rüdlin (links) auch für die Kreise Lörrach und Waldshut an. Foto: Schneider/Mink

  2. Foto: Thomas Loisl Mink

LÖRRACH. Behinderte sollen künftig nicht mehr zwangsläufig in Förderschulen unterrichtet, sondern in allgemeinen Schulen integriert werden. Der Leiter des Staatlichen Schulamts, Helmut Rüdlin, stellte die Pläne am Donnerstag im Glashaus in Lörrach vor und stieß damit bei einigen auf Skepsis, bei anderen auf klare Zustimmung.

Im Rahmen der Fritz-Berger-Gespräche, die unter dem Motto "Eine Schule für alle" stehen, erläuterte Rüdlin, wohin die Reise gehen soll. Erst seit 1970 berichtete er, haben auch Behinderte ein Recht auf Bildung. Mit der Helen-Keller-Schule habe der Kreis eine Sonderschule, die in Maulburg vergleichsweise zentral angesiedelt sei. Konsequenz aber sei, dass alle fahren müssen, meinte Rüdlin. "Wir haben eine Angebotslandschaft, die der heutigen Situation nicht mehr gerecht wird", sagte er. Dezentralität und Normalität seien das Ziel, wenn behinderte Schüler, sofern sie dem allgemeinen Bildungsgang folgen können, in den allgemeinen Schulen unterrichtet werden sollen, allerdings mit sonderpädagogischer Unterstützung.

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Grundschulklassen, in denen behinderte Kinder sind, werden gemeinsam von Grund- und Förder-schullehrern unterrichtet, wobei zur Grundschullehrerin mit 22 Unterrichtsstunden der Sonderschullehrer mit 15 Stunden Deputat hinzukommt. Die Eingangsklasse soll für behinderte Kinder eine flexible Dauer von einem bis drei Jahren bekommen. Eltern sollen sich aber auch künftig für die reine Sonderschule entscheiden können, sagte Rüdlin. Bei der Schulwahl spiele die Entscheidung der Eltern im Zusammenspiel mit Schulträger und Integrationsfachdienst eine Rolle, es sei aber auch eine andere Form der sonderpädagogischen Diagnostik notwendig, meinte er.

Kooperative Klassen soll es, wie das bei den beruflichen Schulen schon der Fall ist, bis in etwa drei Jahren auch in Grund-, Haupt- und Realschulen sowie am Gymnasium geben. "Unsere Zielsetzung ist es, immer mehr behinderte Schüler in allgemeine Schulen zu bringen und gemeinsam zu unterrichten", sagte Rüdlin und fügte hinzu: "Wenn sich unterschiedliche pädagogische Sichtweisen zu einer vereinigen, entsteht eine neue Qualität, die besonderen Erfolg verspricht."

Nicht alle der rund 60 Zuhörer, meist Lehrer, waren begeistert. Die Regelschule bekomme zusätzlich etwas aufgebürdet, hieß es. Schon heute gebe es da keine homogenen Klassen, entgegnete Rüdlin; zudem gebe es sonderpädagogische Unterstützung. Alice Weeber, Leiterin der Leopoldgrundschule in Weil, unterrichtet seit einiger Zeit eine Kooperationsklasse und macht gute Erfahrungen. "Ich brauche gar nicht die komplette Zeit einen Sonderschullehrer", stellt sie fest. "Wir sind über die Entwicklung froh", sagt auch Norbert Fisel, Rektor der Helen-Keller-Schule. Indes sollten Kooperationsklassen und Förderschule als gleichwertige Alternativen nebeneinander stehen, meint er. Tatsächlich gebe es Fälle, wo die Förerschule der bessere Ort sei, bestätigt auch Rüdlin. Um planen zu können, sollten Eltern sich relativ früh entscheiden. "Unsere Grundeinstellung muss werden: Jedes Kind ist eines für die allgemeinbildende Schule", so Rüdlin abschließend.

Autor: Thomas Loisl Mink