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11. November 2013

Barrierefreiheit als ein Markt mit Zukunft

Der Bau-Innung Freiburg-Müllheim-Lörrach geht es nicht besser als anderen Handwerkern: Es fehlen Fachkräfte und Lehrlinge.

  1. Der Wohnungsbau ist ein Faktor der Stabilität. Foto: dpa

EFRINGEN-KIRCHEN. Stellen mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen, wird in Zukunft nicht einfach sein. Dieses Problem beschäftigte die Referenten bei der Innungsversammlung der Bau-Innung Freiburg-Müllheim-Lörrach in Istein. Auszubildende zu rekrutieren wird aufgrund des demografischen Wandels und der Tatsache, dass viele Schüler und Eltern eine schulische Qualifizierung einer dualen Ausbildung vorziehen, künftig schwieriger und erfordert bei den Ausbildungsbetrieben mehr Aufwand, Werbung und Ideen. Der Versammlung voraus ging eine Führung durchs Kalkwerk.

Stabilität im Wohnungsbau
94 Mitgliedsbetriebe mit 1600 Beschäftigten verzeichnet die Innung derzeit bei einem Jahresbruttoumsatz von 210 Millionen Euro. Wegen eines langen Winters und eines verregneten Frühjahrs lag der Umsatz nur um 0,6 Prozent über Vorjahresniveau, berichtete Verbandsdirektor Michael Hafner. Nach wie vor sei der Wohnungsbau der stabilste Faktor und steht mit fünf Prozent mehr Aufträgen deutlich besser da als im Bundesdurchschnitt; im Wirtschaftsbau sind die Aufträge im Verband zurückgegangen.

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"Bau dein Ding"
Der Stellenmarkt ist stabil, allerdings wird es zunehmend schwieriger, frei werdende oder neue Stellen mit qualifiziertem Fachpersonal zu besetzen. "Bilden Sie aus, bilden Sie aus", appellierten Hafner, Geschäftsführer Othmar Bank und Obermeister Bernhard Sänger an die vielen anwesenden Mitglieder. In Sachen Nachwuchswerbung wird derzeit auf Bussen und Straßenbahnen unter dem Motto "Bau dein Ding" plakatiert. Im Bereich Freiburg-Müllheim sind derzeit 44 Auszubildende registriert, im Bereich Lörrach sind es 25 Lehrlinge. Der Lehrlingsmarkt ist leer gefegt, es gilt, Altbewerber auf die Möglichkeit einer qualifizierten Ausbildung aufmerksam zu machen und sich zudem um die jungen Menschen zu kümmern, die über Arbeitsverwaltung und sozialpädagogische Maßnahmen gefördert und in Ausbildungsreife gebracht werden können. "Lassen Sie uns zuerst auf dem heimischen Markt und über das Mitmachen beim Salon régionale formation emploi Ende Januar 2014 in Colmar nachdenken, bevor wir Riesenklimmzüge auf dem ausländischen Auszubildendenmarkt machen", waren sich Hafner, Sänger und Bank einig.

Mehr Transparenz bei Förderung
Bei Förderangeboten für benachteiligte Jugendliche fehle oft noch die Transparenz, sagte Bank, der Ende Juli 2014 seinen Posten als Geschäftsführer abgeben wird, da er in den Ruhestand geht. Auch die Möglichkeit, während der Ausbildung die Fachhochschulreife zu erlangen, sei noch bei vielen Auszubildenden und ihren Eltern nicht bekannt. Bildungsberaterin Heike Schierbaum von der Handwerkskammer Freiburg verwies darauf, dass es Apps gebe, die Jugendliche über freie Ausbildungsstellen und Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Zukunftsmarkt Barrierefreiheit
Die Arbeit wird der Innung nicht ausgehen. Allein 7000 Brücken in Baden-Württemberg seien marode, der Wohnungsmarkt in Südbaden bleibt angespannt – Neubauten im Miet- und Privatwohnungsbau seien gefragt, stellten die Fachleute fest. "Was wir allerdings vermehrt bemerken, ist, dass öffentliche Ausschreibungen wieder aufgehoben werden, weil angeblich unsaubere Kalkulationen der Ingenieurbüros vorliegen – bitte Unterlagen dazu zu uns schicken", forderte Hafner auf. In Zukunft könnten sich für die Bau-Innung und das Handwerk allgemein vermehrt Aufträge im Bereich der Wohnungs- und Hausumgestaltung in Hinsicht auf barrierefreies Wohnen ergeben. Viele ältere Haus- und Wohnungsbesitzer sind an Umgestaltungsmöglichkeiten interessiert. Auf diese steigende Bedarfsnachfrage wies in einem Vortrag Wolfgang Gernot von der Initiative "Freiburg für alle" hin.

Autor: Jutta Schütz