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19. Januar 2010

Begraben unter Schnee

Lawinenrettung – ein Wettlauf mit der Zeit: Eindrücke eines Seminars in Todtnauberg.

  1. Schaufeln ist das Wichtigste. Stefan Schaake (rechts) macht vor, wie es geht. Foto: Ulrike Jäger

TODTNAU-TODTNAUBERG. Grau ist der Himmel über Todtnauberg am Sonntag, und es bläst ein eiskalter Wind. "Nicht so zaghaft, hier geht es ums nackte Überleben", spornt Stefan Schaake von der Bergwacht Schwarzwald die Teilnehmer des Lawinenseminars an, schneller zu buddeln.

Im praktischen Teil des zweiten "Lawinentags" in Todtnauberg, organisiert von der Bergwacht, dem Skiverband Schwarzwald, der Tourismus GmbH Todtnauer Ferienland und Todtnauberger Liftbetreibern, muss die Gruppe das in einem Schneeberg am Stübenwasenlift verschüttete Opfer so schnell wie möglich ausgraben, nachdem es zuvor mit der langen Sondenstange geortet worden war.

"Schaufeln ist zwar das Anstrengendste, aber auch das Wichtigste bei der Rettung", erklärt Schaake. Fünf Leute graben in V-förmiger Aufstellung mit ihren Metallklappschaufeln im schweren Schnee, der Erste buddelt, die Anderen "paddeln", das heißt, sie schaffen den ausgegrabenen Schnee nach hinten weg. "Denkt daran, jede Minute zählt, die ersten zwanzig Minuten sind überlebensentscheidend", schärft der Seminarleiter den Rettern ein, die ganz schnell aus der Puste sind, denn der Schnee ist schwer.

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Ob man den Verschütteten nicht leicht mit der Schaufel verletzen könnte, will einer der Teilnehmer wissen, doch Schaake wehrt ab: "Wer da unten liegt, will nur ganz schnell wieder atmen können, egal ob er einen Kratzer abkriegt oder der Anorak kaputtgeht", erklärt der Bergwachtmann. "Man muss ganz schnell an den Kopf kommen, und der wird dann mit den Händen freigelegt". Die Überlebenschance eines Totalverschütteten sinkt rapide mit der Verschüttungszeit.

Lebensrettend und obligatorisch für alle, die sich außerhalb gesicherter Pisten oder Routen bewegen, so Schaake, ist die Notfallausrüstung, die aus dem "LVS" (Lawinenverschüttetensuchgerät), einer Sonde und einer Schaufel besteht. Wer keine Klappschaufel dabei hat, muss mit bloßen Händen, seinen Skiern oder dem Snowboard schaufeln.

Im theoretischen Teil des Lawinenseminars erläutert Stefan Schaake das richtige Verhalten im freien Gelände, gibt wichtige Tipps für Snowboard- und Skifahrer, Tourengeher und Schneeschuhwanderer und erklärt, wie Verschüttete geortet und gerettet werden. Das Lawinenrisiko abschätzen zu können, "Alarmzeichen" wie Triebschnee oder Wumm-Geräusche, die Risse in der Schneedecke verursachen, Neuschnee oder Windzeichen zu erkennen und sein Verhalten entsprechend anzupassen, kann lebensrettend sein. Einziges und oberstes Ziel müsse sein, bei Stillstand der Lawine eine "Atemhöhle" zu schaffen, indem man die Arme vor dem Gesicht kreuzt.

Eine sichere, jedoch mit 500 Euro recht teure Lösung ist die Mitnahme eines "Lawinen-Airbags", ein Rucksack mit zwei Ballons, die sich im Notfall in Sekundenschnelle aufpusten. Auch gibt es in die Jacke eingenähte Dioden ("Reccos"), die von Suchgeräten erkannt werden können, oder den Avalanche-Ball, der durch eine Schnur mit dem Skiläufer verbunden ist.

Alexander und Katja aus Freiburg nehmen an dem Seminar teil, denn sie sind als Schneeschuhläufer oft auf eigenes Risiko in der freien Natur unterwegs. "Wissen bietet Sicherheit, wir möchten lernen, die Situation richtig einzuschätzen", sagen sie. Ob man nicht einfach "vor der Lawine abhauen könnte", will ein Teilnehmer wissen. Wenn die Zeit dazu reiche, wäre das eine gute Lösung, antwortet Lawinenspezialist Stefan Schaake, doch dies sei leider meistens nicht der Fall. "Da geht gar nichts mehr, da steckst Du fest wie in Beton", sagt ein anderer Teilnehmer, der bereits mehrere Schneebrettabgänge erlebt hat.

Autor: Ulrike Jäger