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22. September 2017

Betreuung der Flüchtlinge erfordert hohe Flexibilität

Diakonie und Caritas berichten im Sozialausschuss über Entwicklung und Probleme / Landkreis will Zusammenarbeit fortsetzen.

  1. Der Übergang zur Anschlussunterbringung ist ein schwieriger Schritt. Foto: DPA

LÖRRACH. "Trotz der großen Masse ist es im Landkreis sehr gut gelaufen, weil früh die richtigen Weichen gestellt wurden", bilanzierte Christina Hopfner vom Diakonischen Werk im Sozialausschuss des Kreistags über die soziale Beratung und Betreuung von Flüchtlingen. Durch den Pakt für Integration ist für zwei weitere Jahre Planungssicherheit gegeben. Damit sei die Integration aber keineswegs abgeschlossen, zeigte sich Reinhard Zahn vom Caritasverband überzeugt.

Mit Chaos zurecht kommen
Im Sommer 2014 wurde die soziale Beratung und Betreuung von Flüchtlingen der Liga der freien Wohlfahrtsverbände übertragen. Konkret mit der Arbeit betraut sind Caritasverband und Diakonie. Im Sozialausschuss berichteten deren Vertreter nun über Entwicklung, Situation und Perspektiven. Zunächst seien alle überfordert gewesen; inzwischen hätten sich aber in allen Bereichen gute Strukturen gebildet, befand Christina Hopfner. "Dank gut ausgebildetem und stabilem Personal stehen wir gut da im Landkreis." Momentan beschäftigen unter anderem die Abbauszenarien, das heißt die Schließung von Gemeinschaftsunterkünften. Auch wenn sie den Umständen geschuldet unvermeidlich sind, seien mehrere Umzüge der Integration nicht förderlich, kritisierte sie. "Mitarbeiter wie Flüchtlinge müssen sehr flexibel sein und mit einem ordentlichen Maß an Chaos zurechtkommen", lautete eine der zentralen Botschaften Hopfners. "Was heute gilt, ist morgen vielleicht schon überholt." Inzwischen kommen weniger Flüchtlinge; die Arbeit werde aber nicht weniger. Denn die Komplexität der Fälle nimmt zu. Sobald existenzielle Probleme gelöst sind und Ruhe einkehrt, brächen andere Probleme auf, etwa traumatische Erfahrungen. Ähnlich wie es die Caritas mit dem Traumanetzwerk bereits getan hat, ist die Diakonie dabei, ein psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge aufzubauen. Denn die etablierten Dienste hätten keine Kapazitäten mehr. Als problematisch erachtet Hopfner die Einteilung der Flüchtlinge: Gruppe I mit "Premium-Flüchtlingen" mit guter Bleibeperspektive und Gruppe II überwiegend mit Afrikanern, für die es deutlich schwieriger ist Förderungen zu bekommen und vor einer ungewissen Zukunft stehen.

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Betreuungsschlüssel offen
Dank ständiger Fortbildung hätten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertvolles Wissen angeeignet, bestätigte Reinhard Zahn vom Caritasverband. Erfreulich sei vor diesem Hintergrund, dass zum 1. September im Landkreis der landesweite Pakt für Integration greift. Das gebe zwei weitere Jahre Planungssicherheit. In Dienstleistungsvereinbarungen würden Integrationsrichtlinien festgelegt und auf deren Basis für jeden einzelnen Flüchtling ein Förderplan erstellt, skizzierte Zahn den weiteren Weg. Nicht geregelt sei der Betreuungsschlüssel. Zahn plädierte hier für 1:60 oder 1:70. Dass ein Großteil der Kommunen, das Integrationsmanagement an den Landkreis delegiert, bewertete Zahn als positiv. Dies ermögliche, die konstruktive Zusammenarbeit fortzusetzen. Zahn empfahl, die Integrationsmanager an den Rathäusern anzusiedeln wegen der Synergien. "Wir müssen neue Instrumente entwickeln, aber es wird gelingen", zeigte er sich zuversichtlich. Allerdings ist für Zahn auch klar, dass im Herbst 2019, wenn der Pakt für Integration ausläuft, die Integration keineswegs abgeschlossen sei.

Auf Nachfrage von Heiner Lohmann (Grüne) berichtete er, dass es beim Übergang in die Anschlussunterbringung einen hohen Bedarf an Dolmetschern gebe. Das seien die Verbände auch auf die Helferkreise angewiesen.
Wer fällt unter den Pakt?
Kreissozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella wollte zum Betreuungsschlüssel noch keine Aussagen treffen. Schließlich ist noch völlig unklar, wie viel Geld pro Flüchtling die Kommunen am Ende tatsächlich bekommen. Es zeichne sich bei der Erhebung der Daten beispielsweise ab, dass viele Flüchtlinge gar nicht unter den Pakt für Integration fallen, weil sie vor 2015 oder nach Februar 2016 nach Baden-Württemberg gekommen sind. Diana Stöcker (CDU) sprach von 20 bis 30 Prozent. Je weniger aber anerkannt werden, desto mehr gibt es vom Land pro Kopf.

Einheitliches Management
Lob und Dank für das Geleistete erwiderten die Kreisräte im Ausschuss. "Was er konnte, habe der Landkreis beigetragen", sagte Gabriele Weber (SPD). Sie wies darauf hin, dass der Übergang von der Gemeinschaftsunterkunft, in der alles geregelt ist, in die Anschlussunterbringung, die viel Selbständigkeit verlangt, ein "heftiger Schnitt" sei. Auch Diana Stöcker befand, dass der Landkreis im Vergleich mit anderen vorbildlich vorgegangen sei. Sie empfahl, dass Kreis und Kommunen die Integrationsvereinbarungen gemeinsam erarbeiten. Auch die Verwaltung hofft, dass die 16 Kommunen, die ihr Integrationsmanagement selbst aufbauen, den Entwurf des Landkreises übernehmen für eine möglichst einheitliche Linie, bestätigte Elke Zimmermann-Fiscella.

Autor: Daniel Gramespacher