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07. Dezember 2010

"Der Berufsstand wird ausgehungert"

Freiberufliche Hebammen demonstrieren für bessere Bezahlung, damit Schwangere weiter eine Alternative zur Klinikgeburt haben.

  1. Hebammen aus dem Landkreis protestierten gestern in Lörrachs Innenstadt. Foto: Daniel Gramespacher

LÖRRACH. Die Hebammen lassen nicht locker im Kampf um den Erhalt ihres Berufsstandes. Am Montag erreichte die baden-württembergische Streikstaffel Lörrach. Ein gutes Dutzend freiberuflicher Hebammen aus dem Landkreis legte die Arbeit vorübergehend nieder, um in der Lörracher Innenstadt darauf aufmerksam zu machen, dass sie davon kaum noch leben können.

"Die Lage ist prekär", fasst Bärbel Georgii, Vorsitzende des Hebammenverbandes im Landkreis, zusammen. Viele freiberufliche Hebammen, die in der Geburtshilfe tätig sind, sehen sich in ihrer Existenz bedroht, nachdem die deutschen Versicherer zur Jahresmitte die Beiträge zur Haftpflichtversicherung auf rund 3700 Euro pro Jahr fast verdoppelt haben. Die Gebührensätze dagegen wurden 2010 nach acht Jahren mit Nullrunden bloß um knapp zwei Prozent erhöht. Der Protest der Hebammen fand ein breites Echo: Bundesweit fast 190 000 Menschen haben eine Petition des deutschen Hebammenverbandes unterzeichnet. Im Juni wurde sie im Petitionsausschuss des Bundestages behandelt. "Bislang ohne Folgen", wie Bärbel Georgii beklagt.

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Wenn die Krankenkassen die Leistungen der Hebammen nicht besser vergüten, sei auf Dauer eine flächendeckende Versorgung nicht mehr möglich, sagt sie. Jede zehnte freiberufliche Hebamme im Land habe bereits aufgegeben. Christiane Schwan weiß auch von fünf Kolleginnen im Landkreis, in dem etwa 45 Hebammen freiberuflich tätig sind, die aufgehört haben. Sie selbst hat bereits Anfragen für den kommenden Frühsommer, Schwangere zu betreuen, und muss täglich zwei bis drei Anfragen absagen. "Wer sich nicht frühzeitig kümmert, hat zunehmend Mühe, eine Hebamme für Vor- oder Nachsorge zu finden." Daher sei die Forderung der Kassen, die Hebammen mögen ihre Fallzahlen erhöhen, um wirtschaftlich arbeiten zu können, absurd. Da wäre nur auf Kosten der Qualität möglich.

"Unser Berufsstand soll ausgehungert werden", vermutet Christiane Schwan daher und weist auf die Folgen hin: Schwangere haben keine freie Wahl mehr der Geburtshilfe. Wenn Hausgeburt und Geburtshaus mit Einzelbetreuung wegfallen, ist das Krankenhaus, in dem eine Hebamme meist mehrere Gebärende gleichzeitig zu betreuen hat, ohne Alternative. Paradox mute an, dass die Ausbildung von Familienhebammen, die Familien in schwieriger Situation beim Start mit Baby helfen sollen, unterstützt wird, die flächendeckende Versorgung aber wegbricht. Das widerspreche auch der Devise ambulant vor stationär. Schließlich machten Hebammen ein niederschwelliges und kostengünstiges Angebot.

Warum Hebammen etwa in Österreich und der Schweiz nur ein Zehntel der Haftpflichtbeiträge in Deutschland zahlen, sei unerklärlich. Die Hebammen-Gemeinschaft Rundum, das das Lörracher Geburtshaus betreibt, hat im Nachbarland eine Lösung gefunden. Das Quintett, zu dem auch Christiane Schwan gehört, versichert sich bei einem österreichischen Versicherer für weniger als die Hälfte des deutschen Beitrags. Da die Österreicher nur ein Kontingent ausländischer Hebammen aufnehmen, ist das keine Lösung für alle. Auch das Geburtshaus sieht in dem Weg nur eine Rettung für den Übergang. Der Vertrag ist nämlich im Schadensfall kündbar.

Mit dem Protest vom Montag wollten sie die Hebammen ihr Anliegen in Erinnerung rufen. "Da Thema soll in den Köpfen bleiben", sagt Bärbel Georgii. Die Hebammen setzen nun auf Unterstützung der Politik. In Verhandlungen mit den Krankenkassen habe ein Berufsverband mit bundesweit nicht einmal 17 000 Mitgliedern nämlich eine schwache Position, erklärt Rita Lechner. Die Politiker in Stadt und Region wissen die Hebammen hinter sich; Mitte Januar gibt es erneut einen Runden Tisch mit den Abgeordneten in Bundes- und Landtag. Auf höheren Ebenen finden die Hebammen bislang aber kein Gehör. Katja Tammik gibt sich kämpferisch: "Wir geben keine Ruhe."

Autor: Daniel Gramespacher