Puzzleteil

Die Arbeiten am Herrschaftsbucktunnel haben begonnen

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 27. Juli 2017 um 19:55 Uhr

Kreis Lörrach

Nach mehr als 20 Jahren Planungszeit ist der Herrschaftsbucktunnel bei Rheinfelden angeschlagen worden. Rund 2,8 Kilometer wird das Herzstück des A98.4-Abschnitts lang sein.

Die A 98 wird seit den 80er Jahren im Puzzle-Prinzip gebaut. Mit dem 2,8 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Hochrhein und den östlichen Rheinfelder Stadtteilen ist inzwischen ein weiteres Puzzleteil im Bau. Dort beginnen nun von Osten her die Arbeiten an einem Herzstück, dem knapp 500 Meter langen Herrschaftsbucktunnel. Bundes- und Landespolitiker um Staatssekretär Norbert Barthle (CDU) und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gaben am Donnerstag den Startschuss für das im Rohbau 37,5 Millionen Euro teure Projekt (Fotos).



Der Bau der A 98 ist ein "schwieriger" und "langwieriger" Prozess. Darin waren sich alle Redner und Rednerinnen einig. Das zeigt sich nicht zuletzt an diesem vergleichsweise kurzen, bereits 1994 erstmals planfestgestellten östlichsten Teilstück des Abschnitts zwischen dem Dreieck Weil und Rheinfelden-Karsau. Noch 2010 war die Rede davon, dass dieser 2015 eingeweiht werden könne. Nun wird es wohl 2020 werden.

"Aus unserer Sicht kann es weitergehen" Norbert Barthle
Weite gehend einig waren sich die Redner – vom CDU-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium bis zum Landesverkehrsminister der Grünen – aber auch darin, dass die A 98 als "leistungsfähige" Ost-West-Achse und "Netzschluss" (Barthle) zwischen den Nord-Süd-Autobahnen 5 und 81 auf der gesamten Strecke gebaut gehört und zumindest die weiteren Abschnitte bis Oberlauchringen im Kreis Waldshut im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 bereits entsprechend eingestuft seien. "Aus unserer Sicht kann es weitergehen", betonte Barthle denn auch. Schließlich sei "Mobilität eine Schlüsselqualität".

Als "kleinen, aber wichtigen Schritt" bezeichnete Winfried Hermann den Tunnelanstich. Im weiteren erinnerte der Minister daran, dass die A 98 nicht nur deshalb zäh vorankomme, weil sie in schwierigem Gelände gebaut werde, sondern zeitweise eben auch keineswegs unumstritten war und ist – was nicht zuletzt für einzelne Abschnitte im Kreis Waldhut gilt. Darüber hinaus gelte es heutzutage, sorgfältig zu planen und davon abzusehen, Trassen "brachial" in die Landschaft zu betonieren.

Anlieger mit Transparenten

Eine Bemerkung, die spontanen Beifall zahlreich und teils mit Transparenten erschienener Anlieger stimulierte. Indes wies Hermann im gleichen Atemzug darauf hin, dass teure Tunnel- und Deckellösungen auch die Wirtschaftlichkeit und damit die Realisierungschancen verschlechterten – zumal es andere Strecken im Land mit deutlich höherem Verkehrsaufkommen gibt als es gerade für östlichere Abschnitte der A 98 mit teils unter 20 000 Fahrzeugen am Tag prognostiziert werde. Gleichwohl bekannt sich auch Hermann zum Weiterbau: "Es geht weiter, so dass wir irgendwann in Oberlauchringen rauskommen."

Einen ersten Schritt in die Richtung kündigte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer an, die den Tunnelanstich auch eine "Sternstunde für die Region" nannte und die Tunnelpatenschaft übernimmt. So werde ihre Behörde bereits im Herbst die Planfeststellungsunterlagen für den anschließenden Abschnitt von Karsau bis Schwörstadt in die Offenlage bringen. Das sei ein weiteres Zeichen, "dass wir es ernst meinem mit dem Weiterbau", sagte Schäfer, die auch darauf hinwies, dass mit dem jetzigen Teilstück auch eine Umfahrung für Rheinfelden eröffnet wird.

Der angesichts der Karstlandschaft des Dinkelbergs technisch anspruchsvoll zu bauende Tunnel erhält übrigens zwei Röhren; die in Fahrtrichtung Westen, also gen Lörrach und Weil wird 7,5 Meter breit und bekommt zwei Fahrspuren, die nach Osten wird dagegen elf Meter breit und erhält drei Spuren, da es auch eine Einfädelspur für die A 861 aus Richtung Rheinfelden geben wird. Insgesamt kostet der Abschnitt 113 Millionen Euro, von denen das Land zehn übernimmt.

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