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23. Januar 2017

Die SPD setzt auf den Nachwuchs

31-jähriger Wirtschaftsinformatiker Jonas Hoffmann aus Lörrach Direktkandidat bei Bundestagswahl.

  1. In der Delegiertenkonferenz der SPD wurde Jonas Hoffmann (Bildmitte) zum Bundestagskandidaten gewählt. Es gratulierten MdL Rainer Stickelberger, der SPD-Kreisvorsitzende Lörrach Philipp Schließer (v.l.) sowie der unterlegene Kandidat Patrik Schnell und die KreisvorsitzendeBreisgau-Hochscharzwald Birte Könnecke (v.r.). Foto: Jutta Schütz

EFRINGEN-KIRCHEN. Die SPD blickt in die Zukunft und plant bereits für die übernächste Bundestagswahl, wie bei der Nominierungskonferenz in Istein deutlich wurde: Man setzt auf den Nachwuchs – in dem Fall auf den 31 Jahre alten Jonas Hoffmann aus Lörrach, der sich mit 99 zu neun Stimmen und einer Enthaltung gegen den 19-jährigen Patrik Schnell aus Heitersheim bei der Wahl zum Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim durchsetzte. Die Partei zielt mit dem Wirtschaftsinformatiker und IT-Fachmann auch auf eine jüngere Klientel – dieses nämlich ist ähnlich internetaffin wie der Kandidat, der sich scherzhaft in seiner Vorstellungsrede als "Nerd" (Computer-Freak) bezeichnete.

Patrik Schnell, der vor kurzem noch Schüler war und 2016 an der Freien Waldorfschule in Müllheim Abitur machte, steckte seine Niederlage sportlich weg und klopfte seinem Kontrahenten bei der Gratulation auf die Schulter. Schnell ist derzeit – anders als Hoffmann, der als IT-Abteilungs- und Projektleiter bei einer Consulting-Firma in Zürich und als Dozent bei der Dualen Hochschule Lörrach angestellt ist – noch ohne berufliches Engagement. Beide Kandidaten sind erst seit 2016 Parteimitglieder.

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Hoffmann kam seine größere Lebens- und Berufserfahrung zu Gute. Geboren 1985 in Lörrach, besuchte er bis 2002 die Freie Evangelische Schule Lörrach, machte eine Ausbildung zum Fachinformatiker, war anschließend IT-Administrator in Lörrach, dann beim Grundwehrdienst der Bundeswehr Spezial-Pionier, engagierte sich von 2002 bis 2012 in der evangelischen Jugendarbeit, betreute 2010 sechs Monate lang ein Entwicklungsprojekt in Afghanistan und unternahm mit seiner Frau vor drei Jahren eine einjährige Weltreise. Von 2011 bis 2014 studierte er zuvor Wirtschaftsinformatik an der Dualen Hochschule Lörrach.

Der Lörracher SPD-Kreisvorsitzende Philipp Schließer teilte bei der Vorstellung der Kandidaten zunächst Richtung Parteikonkurrenz Seitenhiebe aus. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster sei überaus rege und entwerfe jeden Tag neue Konzepte, von denen aber keines umgesetzt würde. Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann sei angeblich wegen Merkels Flüchtlingspolitik aus der CDU ausgetreten und kandidiert jetzt für die FDP. Der Grünen-Kandidat Gerhard Zickenheiner sei fast auf jedem Pressefoto zu finden, beziehe aber keine politische Position, urteilte Schließen weiter. Mit allen könne man aber fair diskutieren. Nur mit der AfD geht das nicht, "weil die das nicht will", ergänzte Birte Könnecke, SPD-Vorsitzende im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Dem Informatiker Hoffmann liegt die Digitalisierung des ländlichen Raums besonders am Herzen, da diese mittlerweile die Arbeitswelt maßgeblich beeinflusse. Schnell fokussierte sich unter anderem auf die persönliche Ansprache von mittelständischen und kleineren Betrieben, um Möglichkeiten für neue Arbeitsplätze auszuloten. Beide Kandidaten setzten zudem auf die Themen Sicherheit und die Ansprache besonders auch der jüngeren Wähler, denen bessere Chancen durch Bildung unabhängig vom sozialen Status eröffnet werden sollen.

Am Ende entschied Hoffmann die Wahl durch die größere Lebens- und Berufserfahrung "Ich stehe für soziale Gerechtigkeit; wo SPD draufsteht, muss soziale Gerechtigkeit drin sein; die Gesellschaft darf sich nicht weiter spalten", legte er sich fest. Er bedankte sich für den Vertrauensbeweis der Wähler der Konferenz, zu denen auch der Landestagsabgeordnete Rainer Stickelberger und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marion Caspers-Merk gehörten. "Ich weiß, jetzt muss ich liefern, wozu ich nun ein Wahlkampfteam aufstelle", versprach Hoffmann den Delegierten.

Autor: Jutta Schütz