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27. Juni 2011
Die Versorgung wird nicht schlechter, aber anders
Podiumsdiskussion bei der Messe "Gesunde Zeiten" zum Thema "Gesundheit im Alter" / Nicht überall alles und kürzere Liegezeiten.
LÖRRACH. Die Gesundheitsversorgung der Zukunft wird nicht schlechter sein, doch sie wird sich von der heutigen Versorgung unterscheiden. So lautet das Fazit der Podiumsdiskussion "Gesundheit im Alter – Wie sieht diese in Zukunft aus und was ist sie uns wert?", bei der im Rahmen der Messe "Gesunde Zeiten" Jürgen Vogt, Geschäftsführer der Innungskrankenkasse, Peter Lepkojis, Verwaltungsdirektor der Kreisklinik Lörrach, und Ingolf Lenz, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisvereins Lörrach, einen Blick in die Zukunft wagten. Uwe Hoffmann, Leiter des Gesundheitsamtes, moderierte.
Die sich verändernde Altersstruktur unserer Gesellschaft sorgt dafür, dass in Zukunft der Anteil alter Menschen steigt und es im Verhältnis immer weniger junge Menschen gibt. Im Alter steigt die Gefahr einer chronischen Erkrankung und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten nimmt zu. Mehr Leistungsempfänger auf der einen und weniger Beitragszahler auf der anderen Seite – kann dies nur durch erhebliche Abstriche für den Einzelnen bewältigt werden? Peter Lepkojis geht davon aus, dass sich die Qualität der gesundheitlichen Versorgung nicht verschlechtern wird. Doch sind Umstrukturierungen nötig, um Kosten zu sparen. Der vom Landkreis eingeschlagene Weg gehe bereits in diese Richtung. Zwar wolle der Kreis alle drei Klinikstandorte aufrecht erhalten, doch werden nicht an allen Standorten alle Leistungen bereit gehalten. Die Standorte werden sich weiter spezialisieren und für spezielle fachärztliche Untersuchungen müssen Patienten weitere Fahrten in Kauf nehmen.
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Schon jetzt sei die Liegedauer aufgrund moderner medizinischer Methoden deutlich verkürzt worden. Auch sei es heute schon nicht mehr möglich, Patienten, deren stationäre Akutbehandlung abgeschlossen ist, länger im Krankenhaus zu behalten, weil sie sich allein noch nicht versorgen können. Dies sei früher häufig vorgekommen. Heute müssen der Patient entlassen werden und dann ambulant versorgt werden.
Die kürzeren Liegezeiten wirkten sich bereits jetzt auf die Arbeit der niedergelassenen Ärzte aus, wie Ingolf Lenz sagte. Hausärzte müssten häufiger Hausbesuche machen, weil der Patient nicht in der Lage ist, den Arzt aufzusuchen. Lenz kritisierte, dass die niedergelassenen Ärzte unter der zunehmenden Bürokratie leiden. In Zukunft sei mehr Vernetzung nötig, auch zwischen Ärzten und Kliniken, um effizienteres Arbeiten zu ermöglichen. Und auch der Patient werde umdenken müssen, sagte Jürgen Vogt. "Es wird nicht mehr alle Leistungen in Gehweite geben." Mehr Eigenverantwortung sei gefragt. "Die Vollkasko-Mentalität führt in eine Sackgasse", so Vogt. Vogt prognostizierte zudem deutliche höhere Krankenkassenbeiträge. Lenz plädierte für mehr Gesundheitsförderung schon vom Kindergartenalter an. Zunehmend werde es Leistungen geben, die der Patient, wenn er sie wünscht, selbst bezahlen muss. "Jeder einzelne muss dazu beitragen, damit wir uns das Gesundheitssystem leisten können", sagte Lenz.
Autor: Britta Wieschenkämper
