Ein Arbeiter für das "deutsche Haus"

Michael Baas

Von Michael Baas

Di, 17. September 2013

Kreis Lörrach

KANDIDATEN VOR ORT: Armin Schuster möchte für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Lörrach-Müllheim verteidigen.

LÖRRACH. Acht Parteien treten bei der Bundestagswahl am 22. September im Wahlkreis Lörrach-Müllheim mit Direktkandidaten an. Die Vertreter der fünf Parteien, die dem Bundestag angehören, hat die BZ im Wahlkampf genauer beobachtet. Heute Armin Schuster (52), Kandidat der CDU.

Es ist regnerisch. Doch Armin Schuster lässt sich die Laune nicht verderben – so zumindest nahmen ihn Beobachter und Beobachterinnen wie die BZ-Fotografin vergangenen Samstag wahr. Der Wahlkampfkalender ist an diesem Tag zwar eng: 9 Uhr Straßenwahlkampf in Rheinfelden, 11 Uhr in Schopfheim, nach 13 Uhr in Lörrach, am Abend dann der Festempfang des DRK in Lörrach und danach Ringen in der Dinkelberghalle in Adelhausen, wo das Programm übergeht in Freizeit, wie er einräumt. Der 52-Jährige zeigt am Ende seiner achten Wahlkampfwoche nach dem kämpferischen Start in Weil am 20. Juli zwar erste Ermüdungserscheinungen, aber die Grundstimmung stimmt nach wie vor.

Scherzend und zugewandt steht er da zum Beispiel am Wahlkampfstand auf dem Alten Mark in Lörrach. "Ich bin der einzige Kandidat im Wahlkreis, der Deutschland nicht schlecht redet", sagt er da dann unter anderem. "Deutschland ist ein schönes Haus, aber daran muss ständig gearbeitet werden", erläuterte er schon einige Tage zuvor im St. Josefshaus in Herten in ähnlichen Worten eines seiner Motive, Politik zu machen. Der 2009 erstmals direkt gewählte Abgeordnete zieht in diesem Wahlkampf auch die patriotische Karte – und das bewusst.

Dieser Patriotismus hat aber nichts zu tun mit dem aggressiven Nationalismus des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; es ist vielmehr ein Verfassungspatriotismus, ein Bekenntnis zu Werten wie Demokratie, Rechtsstaat und Meinungsfreiheit sowie "unserem neuen Modell Deutschland", wie Schuster das CDU-Programm dieser Tage immer wieder umschreibt. Neu ist daran aber nicht nur die Wende der Union in der Atompolitik, sondern dass viele dort auch langjährige politische Streitfragen inzwischen pragmatischer und sachorientierter betrachten. Gesteuerte Zuwanderung etwa ist für Armin Schuster eine angemessene Antwort auf die Bevölkerungsentwicklung, und in der Familienpolitik zeigt er sich ebenfalls geschmeidig. "Familie ist für mich da, wo Kinder sind", betont er und nimmt einmal mehr Positionen eines modernen Konservatismus ein.

Im Bundestag hat sich der Abgeordnete aus Weil in den vergangenen vier Jahren als Fachpolitiker auf die Innenpolitik und nicht zuletzt das Thema Innere Sicherheit spezialisiert – was für einen früheren Bundespolizisten nahe liegt; im Wahlkreis aber spielt diese Fachpolitik allenfalls die zweite Geige. Zwischen Schwörstadt und Bad Krozingen ist der Generalist gefragt, der der die Belange der Region vertritt. "Im Regionalen stehen für mich Sachthemen im Vordergrund", erklärt Armin Schuster sein Selbstverständnis als Wahlkreisvertreter denn auch auf Nachfrage. Dabei aber wird die Parteibrille sekundär; für die Rolle als "Bürgerarbeiter", wie Armin Schuster diesen MdB Schuster sieht, suche er "Bündnisse von Menschen, die etwas unterstützen wollen, egal, von welcher Partei sie sind".

Berührungsängste zeigt er dabei bisher wenig. Das gilt für Orte: So wagte er sich mit der Jungen Union für seinen Bericht aus dem NSU-Untersuchungsausschuss in Lörrach unlängst in das soziokulturelle Zentrum "Nellie Nashorn", traditionell so etwas wie das Wohnzimmer der Grünen im Kreis Lörrach; das gilt aber auch für Inhalte: Bei einem Thema wie dem rechtsextremen NSU relativiert Armin Schuster sogar die historisch begründete Skepsis der CDU gegenüber der Linken, akzeptiert diese bei dem einen Thema als Teil des demokratischen Spektrums, wie sich im "Nellie" zeigte. Auf den Podien eröffnen sich darüber hinaus mitunter verblüffende Schnittmengen zu den Grünen und deren regionaler Kandidatin, nicht zuletzt in ethischen Fragen. Armin Schuster wäre, so scheint es da manchmal, offen für Schwarz-grüne-Gehversuche. Indes gäbe es da noch immer hohe Hürden. Die Steuerpolitik etwa, in der er "strikt gegen Steuererhöhungen ist", wie er auf vielen Podien dieser Tage hat wissen lassen.

In diesen Diskussionen aber offenbaren sich dieser Tage noch weitere Seiten des MdB Armin Schuster: Vor vier Jahren war er noch der Quereinsteiger, der etwas hölzern wirkende Beamte. Inzwischen ist er auf allen Wahlkampfbühnen der Profi, der sein Wissen als eingearbeiteter MdB sowohl inhaltlich wie rhetorisch in die Waagschale werfen kann. "E guete Griff", nennt er sich auf seinem Wahlplakat denn auch. Dieses zitiert, so zumindest erzählt es Schuster, einen politischen Gegner, der ihm augenzwinkernd Anerkennung zolle. An Fleiß und Einsatz jedenfalls hat es der 52-Jährige die vergangenen vier Jahre nicht fehlen lassen. Nun hat er das Ziel, das Angefangene fortzusetzen. Der Weg dahin aber führt am 22. September nur über das Direktmandat; denn wie 2009 hat Schuster erneut auf eine Absicherung auf der Landesliste verzichtet.