Ein neues Revier soll her

Savera Kang

Von Savera Kang

So, 09. September 2018

Weil am Rhein

Der Sonntag In Weil am Rhein könnte in den kommenden Jahren ein Blaulichtzentrum entstehen.

Das Polizeirevier Weil wird sukzessive mit elf zusätzlichen Stellen verstärkt. Zunächst rücken dort alle zusammen – wenn es nach Oberbürgermeister Wolfgang Dietz und Polizeipräsident Bernhard Rotzinger geht, könnte Weil später jedoch ein Blaulichtzentrum bekommen.

Der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz hatte für Freitag kurzfristig zum Pressegespräch geladen und verkündete die Nachricht sichtlich froh: "Ich mische mich nicht in die Organisation der Polizei ein, sondern bringe zwei Landesbehörden an einen Standort." Gemeint sind das Polizeirevier, derzeit unter der Adresse Basler Straße 5 zu finden, und das Verkehrskommissariat in Friedlingen.

Nachdem das Land den Bedarf erkannt und dem Weiler Revier elf zusätzliche Stellen zugesagt hatte, habe Dietz gemeinsam mit Bernhard Rotzinger, Präsident des Polizeipräsidiums Freiburg – das Weil einschließt –, überlegt, wo diese unterkommen könnten. Üblicherweise verdichte man einfach, stelle also weitere Schreibtische in Büros. Doch: "Im Revier Weil sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen: Wenn die Belegschaft vollzählig wäre, wäre es dem Einzelnen nicht mehr zumutbar", so der Polizeipräsident. Rund 70 Beamte hat es aktuell. Und Angestellte des Verkehrskommissariats haben nach Lörrach ausweichen müssen, sinnvoll wäre jedoch, sie wären in einem Gebäude mit ihren Kollegen.

Schnell sei die Idee aufgekommen, beide Stellen in einem Bau zu vereinen, doch keines der bestehenden Gebäude verfügt über entsprechende Kapazitäten. "Es ist nirgends beschlossen, dass wir ein neues Dienstgebäude in Weil bekommen. Aber der Impuls ist gesetzt", erklärte Rotzinger auf Nachfrage. Diesem Impuls folgend könnte ein Neubau auf dem Festplatzareal, unweit des Betriebshofs und in Nachbarschaft zur Feuerwehr entstehen.

Die Stadt könnte zwei neue Wohngebäude erhalten

OB Dietz hat bereits dem Innenminister des Landes, Thomas Strobl, einen Vorschlag unterbreitet, der neue Potenziale betont: Denn der Betriebshof beispielsweise hat einen Waschplatz, bei der Feuerwehr könnte man Räume für größere Besprechungen nutzen. "Die Organisationen sind von der Aufgabenstruktur her ganz unterschiedlich und bleiben getrennt. Aber jedes Polizeirevier hat beispielsweise einen Zellentrakt – den bräuchten wir nur ein Mal. Oder Sozialräume, Besprechungsräume, Parkflächen, Hausmeister", führt Rotzinger aus und fasst zusammen: "Wir sehen sehr große Synergieeffekte." Das ganze laufe derzeit unter dem Arbeitsbegriff "Blaulichtzentrum".

Anhand des sogenannten Musterraumprogramms für Polizeireviere habe man das Innenministerium gebeten, den Bedarf zu berechnen und diesen bereits dem Finanzministerium gemeldet, so Rotzinger. Wann dieses über dessen Anerkennung entscheidet, sei offen.

Spätestens 2022 sollen alle Stellen im Weiler Revier besetzt sein. Hoffnungen darauf, dass das neue Gebäude dann steht, dämpft Rotzinger vorsichtig: "Die Geschäftsprozesse im Land sind komplex." Doch der Oberbürgermeister ist zuversichtlich, dass schon der Landeshaushalt 2020/2021 den Neubau vorsehen könnte. Den Gemeinderat informierte er am Donnerstag per Mail über die Entwicklung.

Darin heißt es: "Ich glaube, dass mein Vorschlag sowohl für die Stadt als auch für das Land zu einer langfristig sinnvollen und vorteilhaften Lösung führen kann." Für die Stadt nicht nur wegen der an die Arbeitsbelastung angepassten Polizeipräsenz, sondern auch, weil die beiden derzeit von den Einheiten genutzten Gebäude dann in Wohnraum umgewandelt werden könnten. In der Basler Straße denkt Dietz an Mischnutzung, denn im an der Straße gelegenen Erdgeschoss seien Ladenräume naheliegend.

Sollte die Idee weiterverfolgt werden, wird der Gemeinderat darüber abstimmen müssen, ob die Stadt das Grundstück an das Land verkaufen soll. Und ob es die Stadt sein soll, die in die Landesliegenschaften, respektive die Flächen, auf denen sie heute stehen, investieren soll. Andernfalls müssten die derzeit genutzten Gebäude ertüchtigt werden – ob sich dies langfristig rechne, könne das Amt Vermögen und Bau in Freiburg in einem nächsten Schritt kalkulieren.

"Viele Fragen sind noch offen. Aber die Grundbotschaft ist: Das Polizeipräsidium und die Stadt Weil sind sich einig, wir hätten das gerne", sagt Rotzinger. "Und jetzt beginnen die Planungen."