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11. Dezember 2009

Ein Novum im Land

Landkreis richtet an der Mathilde-Planck-Schule in Maulburg eine Stelle für Sozialarbeit ein.

  1. „Balance“ heißt die von Schülern der Mathilde-Planck-Schule geschaffene Skulptur. Für Balance, also Ausgleich bei Konflikten an der Schule soll künftig auch ein Sozialarbeiter beitragen. Foto: Daniel Gramespacher

MAULBURG. Als erste öffentliche Schule für Körper- oder Geistigbehinderte Schule in Baden-Württemberg erhält die Helen-Keller-Schule in Maulburg eine Stelle für Sozialarbeit, zunächst für eine Probephase von drei Jahren. Dies hat der Verwaltungsausschuss des Kreistages am Mittwoch einstimmig beschlossen. Der Landkreis als Schulträger hofft, so stationäre Hilfen für Kinder und Jugendliche zu verhindern und damit hohe Kosten in Jugend- und Eingliederungshilfe einzusparen.

An der Maulburger Helen-Keller-Schule, die derzeit 201 Schüler aus dem ganzen Landkreis besuchen, ist vieles anders als an Regelschulen. Die Klassen beispielsweise sind mit durchschnittlich sieben bis acht Schülern sehr klein, die Unterschiede im Leistungsvermögen dafür umso größer, was ein so intensive pädagogische Betreuung erfordert. "Der Stoff orientiert sich an den Kindern und nicht umgekehrt wie sonst üblich", erklärte Schulleiter Norbert Fisel im Verwaltungsausschuss, der am Mittwoch nach Jahren wieder einmal in der Schule tagte. Von gesellschaftlichen Veränderungen ist die Schule trotz ihrer Sonderstellung nicht verschont. Zu diesen gehört, dass Familienstrukturen zusammenbrechen, Eltern ihre Erziehungsaufgaben ungenügend wahrnehmen, Kinder zunehmend verhaltensauffällig werden oder außerschulische Konflikte in die Schule hineingetragen werden. An die Helen-Keller-Schule kommen sogar besonders viele Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen oder ausländischer Herkunft.

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Eine Erhebung hat ergeben, dass derzeit bei 43 Kindern und Jugendlichen Bedarf an Sozialarbeit besteht. 20 Schüler benötigen dringend Hilfe wegen eines Krisenfalls, bei 22 Schülern geht es um Vorbeugung, weil eine Gefährdung erkennbar ist. "Das Problem brennt uns auf den Nägeln", sagt Fisel. Über eine sozial und pädagogisch kompetente Instanz, die während der Schulzeit, in den Pausen und nach dem Unterricht präsent ist, verfügt die Schule, bislang nicht. Deshalb beantragte sie beim Kreis die Einrichtung von Sozialarbeit. Im Verwaltungsausschuss war die Notwendigkeit dieses niederschwelligen Angebotes mit den Aufgaben Beratung, Vernetzung, Einzelfallhilfe und Krisenintervention unumstritten.

In der Finanzierung folgte das Gremium einem Vorschlag der Lörracher Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm (CDU). Danach wird eine betreuende Kraft, das heißt eine 70-Prozent-Stelle, auf die neue Stelle angerechnet. Dies reduziert die zusätzlichen Kosten, die mit der Anstellung eines Sozialarbeiters, die zum Schuljahr 2010/2011 erfolgen soll, auf rund 18 000 Euro . Ob die Schule mit einer betreuenden Kraft weniger auskommt, soll ein Zwischenbericht zeigen, der nach einem Jahr vorzulegen ist. Die betreuenden Kräfte unterstützen zusammen mit Zivildienstleistenden und Praktikantinnen die Kinder im Unterricht, helfen beim Essen und in Bereichen.

Autor: Daniel Gramespacher