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13. September 2017

Ein Thema mit Sprengkraft

DGB und IG Metall machen sich mit Aktionstag auch in Lörrach für ein höheres Rentenniveau stark.

  1. Die Gewerkschafter suchten in der Lörracher Innenstadt das Gespräch mit Bürgern. Foto: Daniel Gramespacher

LÖRRACH. Rente muss für ein gutes Leben reichen, finden DGB und IG Metall. Um der Forderung nach einer Anhebung des Rentenniveaus Nachdruck zu verleihen, suchten die Gewerkschafter kurz vor der Bundestagswahl mit Aktionsständen das Gespräch mit Bürgern. "In dem Thema liegt große soziale Sprengkraft zwischen den Generationen", beschrieb DGB-Gewerkschaftssekretär Jan Wieczorek am Dienstag in der Lörracher Innenstadt die Brisanz.

Ein Kernpunkt der Gewerkschaften ist, das Rentenniveau zu stabilisieren und perspektivisch auf 53 Prozent zu erhöhen. Im Jahr 2000 habe der statistische Durchschnittswert, der das Verhältnis zwischen Lohn und Rente beschreibt, noch bei 53 Prozent gelegen, erläutert Yvonne Sotorrios, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall. Aktuell seien es 47,5 Prozent. Ein Standardrentner mit langjähriger Beschäftigung und durchschnittlichem Verdienst komme so auf 1370 Euro gesetzliche Rente. Ohne Strategiewechsel sinke das Rentenniveau bis 2030 auf 43 Prozent. "Das ist unverantwortlich", sagt Wieczorek. Schon heute könnten viele ältere Menschen von ihrer Rente nicht mehr leben. Das Thema Altersarmut würde sich vor allem bei Frauen enorm verschärfen. "Das schafft großen sozialen Sprengstoff zwischen den Generationen", ist der DGB-Sekretär überzeugt.

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Um gegenzusteuern fordern die Gewerkschaften von der Politik, die Riesterrente, die die Lücke bei mittleren und unteren Einkommen nicht schließe, zu beerdigen, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken, die gesetzliche Rentenversicherung auf alle Erwerbstätigen, also auch Beamte und Selbständige auszudehnen und die Mütterrente als gesellschaftliche Aufgabe komplett aus Steuermitteln zu finanzieren. Die Parteien positionieren sich dazu unterschiedlich: Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich frühzeitig gegen die Forderungen gestellt, weil sie der AfD in die Hände spielten, sagt Wieczorek. Auch FDP und AfD lehnten das Ansinnen ab. In vielen Fragen stehe die Linkspartei den Gewerkschaften sehr nahe. Die SPD stehe in Teilen dahinter und suche einen Kompromiss. Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles etwa sei den Gewerkschaften schon ein Stück weit entgegengekommen. Das reiche aber nicht aus, befindet der DGB-Sekretär.

Der hiesige SPD-Bundestagskandidat Jonas Hoffmann schaute am Gewerkschaftsstand vorbei, um politisch ein Zeichen zu setzen. Er bestätigte die Einschätzung: Das Verhältnis zwischen Sozialdemokraten und Gewerkschaften sei deutlich entspannter als auch schon. Beim Thema Rente sieht Hoffmann die Positionen sehr nahe beieinander. "Wir ziehen an einem Strang." Persönlich stehe er in Fragen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt nahe bei Arbeitnehmern und Kleinbetreiben, die es am schwersten hätten.

Autor: Daniel Gramespacher