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08. Februar 2014

Im Bereich der Hausärzte droht eine Versorgungslücke

Die AOK Hochrhein-Bodensee empfängt in Lörrach regionale CDU-Abgeordnete zum gesundheitspolitischen Austausch.

  1. Noch ist es Baustelle, doch wenn es im Sommer Betrieb geht, schafft das onkologische Zentrum für die AOK eine Win-Win-Situation. Foto: Ruda

LÖRRACH. Die AOK Hochrhein-Bodensee drängt darauf, mittel- bis langfristig, selektive Verträge mit Kliniken abschließen zu können. Das betonte Dietmar Wieland im Anschluss an einen politischen Austausch mit dem Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU) und dem Lörracher Landtagsabgeordneten Ulrich Lusche (CDU) vor Medien. Nur mit diesem Instrument seien die strukturellen Probleme in der stationären Versorgung aus Sicht der Krankenkasse nachhaltig zu lösen, begründete der Geschäftsführer der, nach eigenen Angaben, in der Region führenden gesetzlichen Krankenkasse weiter. Denn im Endeffekt sei eine differenziertere Vergütung, die gute medizinische Qualität besser honoriere, der vernünftigste Weg, Kosten im Gesundheitssystem im Griff zu halten.

Damit sei zwar, das räumt Wieland ein, zwangsläufig eine weitere Ausdünnung der Krankenhauslandschaft verbunden. Den Kreis Lörrach aber nimmt der AOK-Geschäftsführer da explizit aus. Tatsächlich sei dieser durch die Entflechtungen, Konzentrationen und Spezialisierungen im Zuge des "Lörracher Wegs" an dem Punkt sogar ein Vorreiter. "Lörrach hat in Sachen Spezialisierung die Nase bundesweit vorn", betonte auch Armin Schuster im Bemühen eventuell neu aufflackernde Standortdiskussionen, schon im Keim zu ersticken. Langfristig jedenfalls streben beide Seiten – die Politik als für die Daseinsvorsorge zuständige Ebene und die Kasse als Kostenträger – eine sowohl flächendeckende wie auch qualitativ hochstehende Grundversorgung an und darüber eine Zentralversorgung an Zentren. Denn neben der Qualität bleibe die "Erreichbarkeit" ein zweites zentrales Kriterium, erläuterte Schuster.

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"Erreichbarkeit" aber ist nicht nur in der stationären Versorgung wichtig, sondern in mindestens dem gleichen Maß für die ambulante Versorgung – vor allem bei den Hausärzten. Aktuell sei die Versorgungslage im Kreis Lörrach da zwar mit wenigen Ausnahmen im ländlichen Raum unproblematisch, betonte Wieland. Angesichts des fortgeschrittenen Alters vieler Hausärzte, von denen in der Region inzwischen 40 Prozent 60 Jahre alt und älter sei, drohe in den nächsten Jahren aber eine Versorgungslücke. Zwar versuche die AOK da mit ihren Mitteln wie dem Hausarztmodell gegenzusteuern; aber letztlich seien da die Politik und die ärztliche Selbstverwaltung gefordert. Angesichts gesellschaftlicher Trends und der wachsenden Attraktivität von Ballungsräumen sei etwa zu überlegen, ob die Zulassungspraxis für niedergelassene Ärzte nicht angepasst werden müsste, so Wieland.

Grundsätzlich positiv bewerteten die Vertreter der Kasse und die Abgeordneten die grenzüberschreitenden Kooperationen im Gesundheitsbereich mit den Basler Kantonen. Vor allem das in Lörrach entstehende onkologische Zentrum sei eine "Win-Win-Situation" betonte Uwe Daltoe. "Das stärkt den Krankenhausstandort", ist der stellvertretende AOK-Geschäftsführer sicher. Indes, so gab Ulrich Lusche zu bedenken, gelte es darauf zu achten, dass die Kooperation die Balance wahre, dass nicht nur eine Seite profitiere. Das aber heißt für Lusche, dass nicht nur Reha-Patienten aus Basel im Kreis Lörrach behandelt werden, sondern mittelfristig auch mehr stationäre Fälle. Schließlich könne es nicht sein, dass deutsche Patienten einseitig die Anpassungsprobleme abmilderten, mit denen nach der Einführung der Fallpauschalen inzwischen auch Schweizer Kliniken kämpfen.

Autor: Michael Baas