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01. April 2010
Neue Wege funktionieren
Villa Schöpflin hat Erfolge bei der Suchtprävention, muss aber mit weniger Personal auskommen.
LÖRRACH. Eine starke Basis in der Region, Projekte mit überregionaler Ausstrahlung und eine enge Verknüpfung von Praxis und Wissenschaft: Die Villa Schöpflin hält an den bewährten Eckpfeilern ihres Profil fest, auch wenn das Lörracher Zentrum für Suchtprävention zumindest vorübergehend mit weniger Personal – mit vier statt zuletzt fünf Fachkräften – auskommen muss.
Grund für den Stellenabbau – ein Vertrag wurde nicht verlängert, zwei Deputate gekürzt – ist das Auslaufen der bundesweiten Modellprojekte "HaLT" (Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen gegen Komatrinken) und "Realize it" (Kurzprogramm für Cannabiskonsumenten), die vom Bundesministerium für Gesundheit mit jährlich 200 000 Euro gefördert wurden. Die Stiftung der Geschwister Schöpflin, unter deren Dach das heute auf den Tag vor acht Jahren gegründete Zentrum in Lörrach-Brombach seit 2009 als gemeinnützige GmbH arbeitet, federt das Minus bei den Einnahmen ab, indem sie ihre Unterstützung auf bis zu 140 000 Euro aufstockt. Der Landkreis gewährt 86 100 Euro. Der personelle Einschnitt schmerzt, kommt aber nicht völlig überraschend. Schließlich könne man nicht jedes Jahr so große Projekte starten, sagte Heidi Kuttler gestern bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2009. Die Geschäftsführerin ist zuversichtlich, dass die Durststrecke vorübergeht. An Erfolgen in der Präventionsarbeit mangelt es jedenfalls nicht. "Unsere Wege, um Jugendliche frühzeitig zu erreichen, funktionieren", befindet Heidi Kuttler selbstbewusst. In der Zusammenarbeit mit Krankenhaus, Polizei und Justiz, Haus- und Kinderärzten sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe sich viel zum Guten verändert. "Wir treffen auf eine große Offenheit." Bei Eltern werde die Villa zunehmend bekannt und als hilfreich empfunden. Auch immer mehr Jugendliche wendeten sich von sich aus an das Präventionszentrum. Mitunter bringen sie auch ihre Freunde mit und wirken so selbst als Multiplikatoren. "Das ist toll, wenn Angebote wie die Raucherentwöhnung solche Wellen schlägt und dann ganz ohne Druck funktioniert", stellt Iris Wurmbauer vom Team der Villa Schöpflin fest.Werbung
Für 2009 weist die Statistik 481 Maßnahmen aus – womit ein einzelner Elternabend, aber auch ein achtteiliges Nichtrauchertraining gemeint sein kann, so dass sich das auf rund 850 Veranstaltungen addiert, wovon knapp zwei Drittel im Landkreis stattfanden. 3684 Menschen wurden dabei erreicht, vornehmlich in 221 Beratungen sowie 129 Vorträgen. Die Villa arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Eltern, aber auch mit Lehrern, Ärzten und Sozialpädagogen. "Um nachhaltig etwas zu bewegen, müssen wir Multiplikatoren ansprechen, über die sich die Wirkung von Aufklärung vervielfacht", erklärt Heidi Kuttler.
Alleine das 2003 entwickelte "HaLT"-Projekt, das mittlerweile an 26 Standorten in Baden-Württemberg umgesetzt wird, erreichte 2009 im Landkreis fast 1000 Menschen. Zusammen mit dem Gesundheitsministerium und der Prognos AG steuert die Villa Schöpflin ein Netzwerk von bundesweit mehr als 100 "HaLT"-Standorten. Zu nächsten Treffen im April in Bad Hersfeld will auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, kommen. Heidi Kuttler hofft, dass die FDP-Politikerin offen ist für Argumente, dass es neben der Selbstverpflichtung der Industrie gesetzlicher Regelungen bedarf, um den Zugang für Jugendliche zu legalen Drogen zu erschweren. "Wir brauchen eine Kombination aus Prävention und Restriktion", ist die Geschäftsführerin überzeugt.
Für Juli ist eine Forschungskonferenz in Berlin geplant. Die Villa Schöpflin legt nämlich wie wenige vergleichbare Einrichtungen in Deutschland Wert auf ein wissenschaftliches Fundament. "Wir haben glücklicherweise die Ressourcen dafür." Die Projekte müssen einer externen Überprüfung standhalten. Nur Angebote, deren Funktionieren die Forschung belegt, kommen ins Programm. Als neuer Schwerpunkt kristallisiert sich dabei die Computer- und Internetsucht heraus. Hier steht Prävention noch am Anfang.
Autor: Daniel Gramespacher
