Nicht allein die Katzen sind schuld

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 08. Februar 2017

Kreis Lörrach

Die Kreisgruppe Lörrach des Naturschutzbundes sieht vielfältige Ursachen dafür, dass derzeit weniger Vögel zu beobachten sind.

LÖRRACH (BZ). Derzeit melden sich immer wieder Bürger bei der Kreisgruppe Lörrach des Naturschutzbundes (NABU), weil sie Elstern oder Katzen für die Ursache des aktuellen Vogelschwundes halten und den NABU auffordern, aktiv zu werden. Dieser Erklärungsansatz greift nach Einschätzung von Stefan Bosch, Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz des NABU Baden-Württemberg, aber zu kurz.

"Es ist keine massive Erhöhung im Bestand der Hauskatzen oder ihrer verwilderten Verwandten bekannt, die zu dem überraschenden Rückgang beim Vogelbestand geführt haben könnte", schreibt er in einer Pressemitteilung des NABU Lörrach. Und für fast alle Rabenvogelarten seien bei den großen Vogelzählaktionen des NABU niedrigere Zahlen gemeldet als im Vorjahr. Hinzu komme, dass gerade Kohl- und Blaumeisen von den enormen Bestandseinbrüchen betroffen sind, welche als Höhlenbrüter aber vor Beutegreifern weitgehend sicher sein sollten.

Nicht vergessen sollte man, dass Rabenvögel wie die Elstern im Naturkreislauf eine wichtige Rolle spielten, geben die Naturschützer zu bedenken. "Sie vertilgen zum Beispiel Käfer, Mäuse und Aas, verbreiten Samen und bauen Nester, die auch andere Vogelarten wie Waldohreulen oder Baumfalken nutzen", erklärt Andreas Lang von der NABU-Kreisgruppe Lörrach. Außerdem seien die Rabenvögel selbst auch geschützte Vogelarten.

Bei Katzen gebe es kein natürliches Gleichgewicht, weil sie im Zweifel am Futternapf genug zu fressen finden. "Es ist daher nicht von der Hand zu weisen, dass Katzen ein Problem für die Vogelwelt darstellen können", räumt der NABU ein. Auch in dessen Vogelschutzzentrum in Mössingen werden immer wieder Vogelpatienten mit von Katzen verursachten Verletzungen eingeliefert. Der häufig vorschnell gezogene Schluss, dass die Singvogelbestände dort abnehmen, wo Elstern und Katzen auftauchen, lasse sich aber nicht bestätigen.

Zwar könnten Katzen im menschlichen Siedlungsbereich ein Faktor sein, der teilweise zu einem Rückgang der Vogelzahlen führen kann. Das größere Problem besteht aber nach Ansicht des NABU in der Agrarlandschaft außerhalb der Siedlungen. "Dort gehen die Vogelbestände seit Jahren dramatisch zurück", betont Lang. Es seien demnach komplexere Faktoren, die die Artenvielfalt bedrohen. Dazu gehöre die Industrialisierung der Landwirtschaft mit immer größeren Feldern, der fehlenden Nahrung – Samen und Insekten – für die Vögel aufgrund des Einsatzes von Pestiziden oder der komplette Verlust von Lebensraum wie zum Beispiel von Feldrainen und Hecken.

In feucht-nasser Witterung überleben weniger Jungvögel

Allgemein seien kurzfristige Bestandsschwankungen in der Vogelwelt immer möglich, traten auch schon früher regelmäßig auf, und geben erst Anlass zur Sorge bei längerfristig anhaltenden, negativen Trends. Klimatische Faktoren könnten eine Rolle spielen und dazu geführt haben, dass bei der feucht-nassen Witterung in den Hauptfortpflanzungsmonaten April und Mai 2016 weniger Jungvögel überlebten. Oder auch, dass weniger gefiederte Wintergäste in hiesige Breiten gekommen sind als in früheren Jahren. Der NABU Lörrach hofft daher, "dass sich die Bestände bei besserer Witterung in diesem Jahr wieder erholen werden".