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13. August 2008
Platin als Dichtungsmittel
Zusätze im Reaktorwasser sollen Risse im Mantel des Kernkraftwerks Leibstadt mindern
BASEL/LEIBSTADT Um die technische Lebensdauer des Kernkraftwerks Leibstadt bis mindestens 2045 zu verlängern, erhält die Anlage im Kanton Aargau eine Art Schutzimpfung: Künftig wird dem Reaktorwasser Platin und Wasserstoff zugeführt, um die Gefahr von Rissen im Kernmantel zu mildern.
Derzeit ist das KKL wegen der jährlichen Revision abgeschaltet. Bei den Arbeiten zur Instandhaltung hatten am Donnerstag vier Arbeiter radioaktive Stoffe eingeatmet. Gesundheitliche Schäden werden jedoch ausgeschlossen. Passiert war der Unfall während Schleifarbeiten an einer Leitung im Reaktorraum. Von den dort tätigen 49 Menschen hatten vier verunreinigten Staub eingeatmet. Messungen haben laut Kraftwerksleitung ergeben, dass diese Strahlendosis weniger als ein Zwanzigstel der jährlich erlaubten Dosis betrug.Für die turnusgemäße Kontrolle der Anlage werden die 450 KKL-Mitarbeiter während vier Wochen von 1160 Beschäftigten aus 95 in- und ausländischen Firmen unterstützt. Die Kosten der Revision, während der ein Fünftel der Brennstäbe ausgetauscht werden, belaufen sich auf 14 Millionen Euro. Bei der Inspektion wurde in einer Hochdruckturbine das Bruchstück eines Ventils entdeckt, das entfernt werden musste, um Schäden zu verhindern. Zudem wird der Blitschutz verstärkt. Risse im Reaktor und seinen Einbauten wurden bislang keine entdeckt, sagt Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung Maschinentechnik.
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Um die Gefahr ihrer Entstehung zu mindern, wird im KKL noch dieses Jahr ein Projekt umgesetzt, das sechs Jahre Vorlauf hatte. Dabei wird die Chemie des Reaktorwassers geändert. Es handle sich um ein präventives Vorhaben, betont Pfeiffer. Ansonsten wird das Verfahren angewendet, wenn Risse entstanden sind. Derzeit ist es in 29 Siedewasseranlagen weltweit im Einsatz. Im Leibstadt werden den 260 Tonnen Wasser einmal pro Jahr 750 Gramm flüssiges Platin zugesetzt, außerdem stündlich zwei Kilogramm Wasserstoff und 16 Kilogramm Sauerstoff, um dem Wasserstoff seine Explosivität zu nehmen. Während Sauer- und Wasserstoff zu Wasser werden, lagert sich das Edelmetall als schützende Schicht ab. Das Projekt kostet rund zwölf Millionen Euro. Es hat zum Ziel, die Lebensdauer des 1984 in Betrieb gegangenen Meilers zu erhöhen: auf wenigstens 60 Jahre.
Der Zyklus seit der Revision vor einem Jahr war der bislang erfolgreichste in der Geschichte des Kraftwerks, das sieben Energieversorgungsunternehmen gehört. Seit August 2007 hat es 9,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Dies entspricht laut Kraftwerksleiter Mario Schönenberger einem Siebtel des Bedarfs der Schweiz.
Gleichzeitig flossen 2007 an Gemeinden, Kanton und Bund knapp 15 Millionen Euro an Steuern und Gebühren. Vom jährlichen Gesamtaufwand (fast 280 Millionen Euro) frisst der Betrieb 32 Prozent, die nuklare Entsorgung kostet fast 15 Prozent, und für die Nachbetriebsphase werden 6,3 Prozent zurückgelegt. Diese Rückstellungen beliefen sich bis Ende 2007 auf 1,2 Milliarden Euro.
Autor: Andrea Drescher



