Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
07. Dezember 2010
Sampa ist ein anderes Kind geworden
Ein Vierteljahr war das indische Mädchen im Elisabethenkrankenhaus, jetzt wurde sie entlassen.
LÖRRACH (dw). Sampa konnte es nicht fassen, als sie nach draußen sah und die weißen Flocken die Welt verzauberten. Aber die weiße Pracht war so etwas wie ein Abschiedsgeschenk für das zehnjährige indische Mädchen. Genau ein Vierteljahr war sie in Lörrach im Elisabethenkrankenhaus gewesen, wurde neunmal operiert, wobei die heftigste Operation sieben Stunden dauerte. Schlimme Verbrennungen im Alter von fünf Jahren hatten dazugeführt, dass Sampa ihre Arme nicht mehr benutzen konnte. In Kalkutta war eine helfende Operation selbst für Dr. Günter Zabel nicht möglich, doch in Deutschland sah er Chancen, dem Kind zu helfen.
So kam Sampa nach Lörrach und eine beispiellose Spendenaktion kam ins Rollen. Ob eine Abitursklasse, Banken, ob Einzelspenden in Höhe von 5 Euro oder welchen von 100 Euro: Das Schicksal des indischen Mädchens ließ die Menschen nicht kalt. Weit mehr als zweihundert Einzelspender und etliche Aktionen sorgten dafür dass mehr als 50 000 Euro zusammenkamen, um die Kosten des Aufenthalts zu decken. Die Hilfsbereitschaft sei grenzenlos gewesen, so hätten die Besitzer des indischen Restaurants Ganges jeden Tag Sampa und ihrem Vater Essen gekocht und das Kompressionshemd, dass die Narbenbildung vermindert, wurde von der Herstellerfirma gespendet. Ohne die Zusammenarbeit aller, wäre die Hilfe für Sampa nicht möglich gewesen, sagt Günter Zabel. Sie sei zu einem anderen Kind geworden. Wer sie fröhlich "Ha nai" rufen hört, wenn sie Schneebälle formt, spürt von dem Glück, das Sampa auch den Menschen im Elisabethenkrankenhaus gebracht hat. Sie versteht Deutsch ganz gut, auch wenn sich das Sprechen auf ganz wenige Worte beschränkt. Im Gegenzug haben die Pfleger bengalische Wörter gelernt. Noch vier Wochen wird sie nun in Bad Pyrmont zur Reha sein, dann wird sie Günter Zabel mitnehmen, wenn er nach Kalkutta fliegt.
Werbung
Was wird mit ihr passieren, wenn sie wieder nach Indien zurückgekehrt ist? Zabel hofft, dass das Geld reicht, um Sampa eine Ausbildung zu ermöglichen, denn das übliche Leben in Indien ist für Sampa nicht möglich, mit ihren Narben werde sie auf dem Heiratsmarkt keinen Chancen haben. Ziel muss ihre Selbstständigkeit sein. Den linken Arm hält sie, als ob er verkrüppelt sei, Günter Zabel glaubt aber, dass mit Krankengymnastik seine Funktionalität wieder herstellbar ist. Auch will er, wenn er zukünftig nach Indien kommt, Sampa sehen.
Autor: dw
