Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. September 2010

"Sampa ist unser Kind geworden"

Die erste Operation des kleinen Mädchens aus Indien ist gut gegangen / Heute wird weitere Haut verpflanzt.

  1. Sampas Vater weinte nach der gelungenen Operation vor Glück. Foto: BZ

LÖRRACH. Die erste einer Folge mehrerer Operationen hat das schwer verbrannte indische Mädchen Sampa gut überstanden. Das berichteten die Helfer des gemeinsamen humanitären Projekts "Hilfe für Sampa" in einer Pressekonferenz im St. Elisabethenkrankenhaus. Dort wurde der Zehnjährigen am Dienstag in sechseinhalb Stunden der rechte Arm, der seit dem Sturz des Mädchens in eine offene Feuerstelle in einem riesigen Narbengewebe auf der Brust festgewachsen war, erfolgreich gelöst (die BZ berichtete).

Wie der Sektionsleiter von Interplast Schopfheim, Günter Zabel, auf dessen Initiative das Hilfsprojekt im Mai ins Leben gerufen worden war, berichtete, wäre am 2. September der Herflug von Sampa und ihrem Vater beinahe noch gescheitert. Die beiden sollten nämlich am Flughafen Kalkutta wieder nach Hause geschickt werden, weil dort keiner glaubte, dass sich arme Leute vom Land wie sie die Flugtickets hätten leisten können. Man nahm wohl an, die Papiere seien gefälscht. Dank des Eingreifens von Stewardess Ute Sparenberg, die schon in den vergangenen Wochen regelmäßig nach den beiden geschaut hatte, wenn sie auf der Linie Frankfurt-Kalkutta unterwegs war, konnten sie schließlich an Bord.

Werbung


Am Frankfurter Flughafen war die Hilfe von Sparenberg und Lufthansa erneut notwendig – dieses Mal weil man die beiden mit ihrem gängigen Dreimonats-Visum nicht nach Deutschland einreisen lassen wollte. Ihr Rückflug ist erst auf den 7. Januar gebucht, wenn ein Team von Interplast Schopfheim sie mit nach Kalkutta nehmen will. Man kann also von einer regelrechten Odyssee von Sampa und ihrem Vater sprechen, bis sie endlich in Gerspach bei ihrer Gastfamilie eintrafen.

Die beteiligten Ärzte und Pflegekräfte sprechen von Sampa als einer "in jeder Hinsicht ganz besonderen Patientin". Das fange beim fremden kulturellen Hintergrund an und ginge bis zu den großen Operationen, die es in Deutschland sonst so nicht gibt, und die das Team nicht nur in medizinischer, sondern auch in pflegerischer Hinsicht stark herausfordern. Mit viel Herzblut gehen die Mitarbeiter an diese Aufgaben. Im Intranet des Elisabethenkrankenhauses haben sie bevor Sampa ankam beispielsweise ein kleine Lexikon "deutsch – bengalisch" angelegt, um gut vorbereitet zu sein.

Günter Zabel weist auf die unglaublich persönliche Atmosphäre im Eli hin, die seinesgleichen suche und den Geist dieses Hauses spiegele. Oberin Schwester Anemunda erzählte, wie berührend es für sie war, zu erleben, wie Sampa aus dem OP-Saal gefahren wurde und plötzlich den Arm ausstreckte. Der Vater war so ergriffen von diesem Anblick, dass er in Tränen ausbrach.

Wie der leitende Kinderchirurg, Tobias Berberich, berichtete, ist es dem OP-Team bestehend aus seiner eigenen Mannschaft, Interplast und der Anästhesieabteilung des Eli unter Leitung von Chefarzt Walter Heindl gelungen, das primäre Ziel, nämlich dass der rechte Arm von Sampa seine Funktion wieder erlangt, zu erreichen. Die auf die großen Wundflächen transplantierte Haut vom Oberschenkel muss anwachsen, ohne dass es eine Infektion gibt.

Beim Verbandwechsel am Freitagmorgen gab es keine Anzeichen dafür. Deshalb sind die Ärzte und Pfleger guter Hoffnung, dass bald mit Gymnastik begonnen werden kann. Nach einer weiteren Hautverpflanzung am heutigen Dienstag, bei der auch die noch offenen Bereiche geschlossen werden sollen, und bevor die Chirurgen an den linken, etwas weniger betroffenen Arm gehen, bekommt das indische Mädchen eine mehrwöchige Erholungspause mit Physiotherapie. Ans Herz gewachsen ist es den Beteiligten jetzt schon. "Wenn so ein kleiner tapferer Vogel da im Bett liegt und einen trotz allem, was da auf ihn einstürmt, anlächelt, dann muss man schon mal schlucken", erzählt Berberich. Und Zabel fügt hinzu: "Sampa ist unser Kind geworden".

"Ich denke, wir kommen jetzt über die Runden", antwortet der Schopfheimer Arzt auf die Frage nach dem Spendenaufkommen. "Die Resonanz auf den Aufruf im Mai und die Bereitschaft vieler Leute zu helfen waren unglaublich."

Autor: Barbara Ruda