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28. April 2010
"Tom & Lisa" schließen eine Lücke
Trinationales Projekt soll Schulklassen spielerisch die Risiken übermäßigen Alkoholkonsums vermitteln / 60 Klassen in erster Phase.
LÖRRACH. Bei jedem vierten Todesfall junger Männer in Europa ist Alkohol im Spiel. Die Zahl der Teenager, die mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, hat sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren etwa verdreifacht. Ein Konzept, das Schulklassen die Risiken des Alkohols und einen sicheren Umgang mit Alkohol vermittelt, fehlt aber bislang. Diese Lücke will das trinationale Präventionsprojekt "Tom & Lisa" schließen, mit dem in einer ersten Phase in den kommenden Monaten rund 1200 Schüler im Dreiländereck erreicht werden sollen.
Dabei geht es weniger um Suchtprävention im strengen Sinne, sondern vor allem darum, auf akute Gefahren und Schäden hinzuweisen, die sich durch das so genannte Komasaufen ergeben, also Unfälle im Straßenverkehr, aber auch unbedachte Handlungen Betrunkener, die zu Erfrierungen oder Ertrinken führen können. Adressaten sind Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren, idealerweise Neuntklässler, für die Alkohol schon ein Thema ist, auf das sie nicht erst durch das Projekt neugierig gemacht werden, für die aber die Aufklärung auch noch nicht zu spät kommt. "Die Teilnehmer sollen lernen, mit Alkohol sicher und unschädlich umzugehen", beschreibt Iris Wurmbauer vom Lörracher Zentrum für Suchtprävention "Villa Schöpflin" das eher bescheidene, aber realistische Ziel, das in zweimal je zwei Stunden erreichbar ist.Werbung
"Tom & Lisa" orientiert sich am Vorgängerprojekt "Cannabis – Quo Vadis", einem interaktiven Präventionsparcours, der ebenfalls zunächst trinational erprobt und wissenschaftlich geprüft wurde, bevor er kompakt in einen Koffer gepackt – 60 sind bereits produziert – deutschlandweit verwendet werden soll. Allein im Dreiländereck wurde er mit zirka 10 000 Jugendlichen eingesetzt. Für "Tom & Lisa" ist der Weg zu solchen Zahlen noch weit. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen, in die neben der "Villa Schöpflin" das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt sowie die Präventionseinrichtung AFPRA in Mulhouse eingebunden sind, aber auch die Sucht- und Präventionsbeauftragten von Kreis und Regierungsbezirk sowie eine Schulsozialarbeiterin.
Derzeit bekommen die Materialien, die Studenten einer Grafikhochschule in Straßburg gestalten, den letzten Schliff. Noch vor den Schulsommerferien sollen die Workshops beginnen, mit denen man bis Jahresende in jedem Land jeweils 20 Klassen aller Schultypen erreichen will. Das Projekt wird durch die Gesellschaft für empirische Beratung in Freiburg wissenschaftlich begleitet und auf der Basis von zwei Befragungen der Teilnehmer ausgewertet. Wirkt das Konzept, soll es ähnlich wie der Cannabis-Parcours verbreitet werden. Die erste Resonanz von Jugendlichen bei Pilotworkshops sei sehr gut gewesen, berichten Wurmbauer und ihre Kollegin Jeannette Roth. Das liegt auch daran, dass bei "Tom & Lisa" nicht im Frontalunterricht mit erhobenem Zeigefinger belehrt, sondern Wissen spielerisch vermittelt wird. So werden die Klassen mit Flyern und Plakaten nicht zu einem Workshop, sondern zu einer Party eingeladen: Tom und Lisa wollen ihren ihren 18. Geburtstag feiern. Im Teamwettbewerb und als Quiz erarbeiten sich die Jugendlichen Kenntnisse zum Jugendschutz, sammeln Ideen für Partyspaß ohne Alkohol, bewerten sich und belohnen sich für gute Vorschläge. Kernstück ist der Moment, in dem die Party eskaliert. Dabei wird auch das richtige Verhalten in einer Notsituation, also Erste Hilfe und Notruf, simuliert. Schließlich werden die Schüler aufgefordert, mit den Eltern über das Thema Alkohol zu diskutieren.
Finanziell steht das rund 50 000 Euro teure Projekt noch nicht auf ganz so sicheren Beinen wie konzeptionell; immerhin beteiligt sich der Landkreis mit knapp 5000 Euro an den Kosten auf deutscher Seite, die auf 18000 Euro geschätzt werden. Iris Wurmbauer gibt sich zuversichtlich: "Wenn das Konzept steht, lässt es sich leichter nach Geld fragen."
Autor: Daniel Gramespacher
