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10. Februar 2012
Weniger Leistung für mehr Geld?
Die Tarifanpassungen bei grenzüberschreitenden Monatskarten des RVL erzeugen Unmut – auch weil mitunter der Service klemmt.
LÖRRACH. Mehr zahlen für weniger Leistung: Den Eindruck haben dieser Tage viele Nutzer der grenzüberschreitenden Angebote im öffentlichen Nahverkehr – insbesondere auf den S-Bahnstrecken zwischen Basel und dem Wiesental. Hintergrund sind Tarifanpassungen für die grenzüberschreitend gültigen Monatskarten des Regio Verkehrsverbunds Lörrach (RVL).
Anfang Februar hatte der RVL die Euro-preise für die grenzüberschreitend gültigen Monatskarten, der er mit dem Nordwestschweizer TNW ausgibt, angepasst. Auf deutscher Seite wirkt das zunächst wie eine satte Preiserhöhung, ist die Differenz zwischen Alt und Neu doch beachtlich. Die Regio-Card plus für Erwachsene kostet nun zum Beispiel 95 Euro, bis Ende Januar waren es noch 76 Euro; bei den anderen drei grenzüberschreitenden Angeboten ist es vergleichbar. RVL-Geschäftsführer Frank Bärnighausen erklärt diese Unterschiede mit den Wechselkursen: Lag den alten Ticketpreisen ein Wert des Euro von 1,5 Franken zugrunde, wurde dieser von der Schweizer Nationalbank inzwischen auf 1,2 Euro abgesenkt. Das sei nun nachvollzogen worden. "Es gab eigentlich keine Tariferhöhung, sondern nur eine wechselkursbedingte Angleichung", betont der Geschäftsführer daher auch. Als Beleg dafür sieht er die Tatsache, dass der Referenzpreis in der Schweiz unverändert ist, die Regio-Card plus dort weiter 115 Franken kostet.Werbung
Andererseits sei der Handlungsdruck hierzulande groß gewesen, schildert der RVL-Geschäftsführer weiter. Im Kreis Lörrach würden pro Jahr rund 15 000 grenzüberschreitend gültige Monatskarten verkauft; auf Basis des aktuellen Wechselkurses fehlten beim alten Preis im Schnitt 16 Euro je Karte gegenüber dem Frankenpreis. Bei unveränderter Stückzahl und unverändertem Frankenpreis summiere sich der Ausfall gegenüber der alten Kalkulation damit auf bis zu 240 000 Euro im Jahr; die wiederum würden je zur Hälfte aufgeteilt auf den RVL und TNW und bedeuteten für beide monatliche Mindereinnahmen von jeweils 10 000 Euro. "Dies ist für die Verbünde und die angeschlossenen Verkehrsunternehmen nicht tragbar", erklärt Bärnighausen. Da die Anpassung nun zum Großteil aber wohl nur Berufspendler treffe, die das Gehalt sowieso in Franken ausgezahlt bekämen, bleibe die Betroffenheit begrenzt.
Gerade in diesen Kreisen aber verdichtet sich in diesen eisigen Tagen auch eine andere Perspektive – insbesondere bei denen, die Tage die S 6 zwischen Basel und dem Wiesental nutzen. In Stoßzeiten verkehrten die Züge auf der Strecke nur zum Teil und seien maßlos überfüllt, monieren da zum Beispiel Jessica Armbruster und Dennis Schmidt. Pendler müssten sogar häufig bis zum nächsten Zug auf den kalten Bahnsteigen warten, berichten beide in einer Zuschrift an die Badische Zeitung. Auch Pendler von Lörrach nach Rheinfelden wie Friedhilfe Westphal klagen immer wieder über verpasste Anschlüsse im Badischen Bahnhof, weil die Verknüpfung der S 6 mit der Hochrhein-Strecke nicht klappe, da die S 6 zu viel Verspätung habe. Solche Erfahrungen wiederum sind nun in der aktuellen Situation – was nicht ganz abwegig ist – ein Nährboden für den Eindruck, weniger Leistung für mehr Geld zu bekommen.
Autor: Michael Baas
