Die Obstbäume lechzen nach Regen

Heidrun Glaser

Von Heidrun Glaser

Mo, 10. September 2018

Kreis Waldshut

Die Qualität des Obstes steigt mit jedem Tropfen / Obstbauern im Kreis hoffen auf Niederschläge / Ernte-Bilanz fällt gemischt aus.

KREIS WALDSHUT. "Jeder Tropfen Wasser ist ein wahrer Segen", sagt Richard Kessler, Obstbauer aus Schwerzen und zeigt dabei auf die Blätter seiner Birnenkulturen, die bereits braun werden und förmlich nach Wasser lechzen. Seit Ostern herrscht auch am Hochrhein hauptsächlich Schönwetterlage mit Sonnenschein und Hitze – für Sonnenanbeter genau das Richtige, für die Landwirtschaft ist das aber eher ein Problem.

"Es fehlt uns einfach eine ausgiebige Regenperiode, denn die Wurzeln der Kulturobstbäume gehen nicht weit in tiefe Erdschichten", erklärt Andreas Henes vom gleichnamigen Obsthof in Lottstetten. Er hat dieses Jahr intensiv in die künstliche Tröpfchenbewässerung für seine Erdbeeren investiert, denn auch diese und weitere Beerensorten sind von der Trockenheit sehr stark betroffen. Erdbeeren werden jetzt für 2019 gepflanzt, in der trockenen Erde hätten sie keine Chance zum Anwachsen. "Für diese Bewässerung müssen wir jedoch den ganz normalen Wasserpreis bezahlen, weil wir das öffentliche Trinkwasser nutzen, bisher haben wir rund 800 Kubikmeter verbraucht", sagt Henes im Hinblick auf die laufenden Investitionen.

Kessler hat in Schwerzen für sein Beerenobst eine Ausnahmegenehmigung und kann dort das Wasser aus der Wutach zum Bewässern nutzen. Aber für die Kernobstplantagen, wie Äpfel und Birnen, ist der Leitungsweg dorthin zu weit. Bruno Preis aus Küssaberg-Kadelburg hat bereits 2006 begonnen, seine Spalierobstplantagen mit feindosierter Wasserzufuhr zu bewässern. "Nachdem wir 2003 mit 70 Prozent Ausfall aufgrund der Trockenheit zurechtkommen mussten, haben wir in die Tröpfchenbewässerung investiert", erzählt Preis und erklärt, dass die Bodenfeuchte ganz individuell mit der Beschaffenheit der Bodenverhältnisse zusammenhängt und deshalb an den verschiedenen Orten unterschiedlich ist. So sind die Regler für die automatische Bewässerung optimal auf die Bodenverhältnisse abgestimmt und messen stets den aktuellen Feuchtigkeitsgrad.

"Die Kunden wünschen beim Tafelobst eine gleichbleibende Qualität, und wenn wir am Markt bestehen wollen, müssen wir diese liefern", betont der Kadelburger Obstbauer, der auch Vorsitzender des Kreis-Obstbauverbandes mit rund 40 Mitgliedern ist. Die einzelnen Obstbaubetriebe im Landkreis haben deshalb mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Andreas Henes befürchtet bei empfindlichen Apfel- und Birnensorten einen Ernteausfall von zirka 40 Prozent. "Manche Äpfel sind durch die Hitze wie weich gekocht und daher ungenießbar, sogar noch nicht mal als Mostäpfel", sagt Henes. Im Allgemeinen ist zu erkennen, dass die Früchte kleiner sind, zumindest dort, wo keine Bewässerungsanlagen eingesetzt werden.

"Die Bäume hängen jedoch überall voll und die Früchte sind sehr schmackhaft und süß", betont Preis. Dies führt er auf den Frostausfall der vergangenen beiden Jahre zurück. Die Bäume hatten dadurch eine intensive Ruhephase und konnten deshalb im Frühling durch die schnelle Wärme sehr gute und viele Blütenknospen bilden, die durch den Wind und die Bienen alle befruchtet wurden. Auch der Schwerzener Obstbauer Kessler ist mit der Menge und dem Geschmack des diesjährigen Obstes sehr zufrieden und hofft, dass die Kunden auch die etwas kleineren Früchte mögen. "Die Qualität ist sehr gut und jeder Tropfen Regen bringt noch einen weiteren Qualitätsgewinn", weiß Kessler, der seit vielen Jahren mit seinem Obststand den Waldshuter Wochenmarkt bestückt.

Solange die Früchte noch an den Bäumen hängen, werden sie mit Nährstoffen versorgt, die auch für die Lagerung des Obstes sehr wichtig sind. Bei einigen Sorten wie zum Beispiel Gala-Royal ist die Ernte bereits in vollem Gange, die späten Sorten und auch das Hochstammobst können von den nun angebrochenen kühleren Nächten und der etwas feuchteren Luft noch sehr profitieren. Dennoch gibt es Bäume auf sehr wasserdurchlässigen Böden, die fast am Absterben sind und einige empfindliche Apfelsorten zeigen auf der Haut auch Sonnenbrand. "Für die Zukunft müssen wir uns Gedanken machen, Wasser in Regenphasen zu speichern, um diese Reserven dann in der Trockenperiode zur Bewässerung zu nutzen", ist Andreas Henes überzeugt. Preis hingegen profitiert von drei eigenen Tiefbrunnen, die ihm Wasser aus den Grundwasserschichten liefern. Trotz aller Hitze und Trockenheit erreicht das Jahr 2018 dennoch nicht die Dürreausmaße wie im Jahr 2003, darüber sind die Landwirte alle froh.

Im Landkreis Waldshut wird auf rund 140 Hektar Obst angebaut. Die größte Fläche mit rund 100 Hektar ist mit Tafeläpfel bestückt, zirka 20 Hektar mit Tafelkirschen, rund vier Hektar mit Zwetschgen, zwei mit Birnen, acht Hektar mit Erdbeeren und weitere sechs Hektar mit verschiedenen Beeren.