"Ein unvergessliches Erlebnis"

skk

Von skk

Fr, 07. September 2018

Kreis Waldshut

BZ-INTERVIEW mit Roman Lüttin, dem Vorsitzenden des Verbandsjugendorchesters Hochrhein, zur Tournee 2018.

KREIS WALDSHUT. Das Verbandsjugendorchester Hochrhein, kurz VJO, gibt derzeit seine Tournee-Abschlusskonzerte in der Region und erinnert musikalisch an die zweiwöchige Griechenlandfahrt. Für die jungen Musiker bot das Projekt Griechenland eine einmalige Chance, die Musik, Kultur und die Menschen des Balkan-Raumes kennen zu lernen. Unter dem Motto "Grenzenlos musizieren" erfuhren sie interessante Konzerte und Erlebnisse mit den Austauschpartnern und Einheimischen. Yvonne Würth unterhielt sich mit dem Vorsitzenden Roman Lüttin.

BZ: Herr Lüttin, die letzten beiden Augustwochen verbrachte das VJO in Griechenland und Mazedonien. Welcher Aufwand war dazu nötig, dies mit den 65 Musikerinnen und Musikern zu organisieren?
Roman Lüttin: Der Kontakt zu einem griechischen Dirigenten entstand bereits im Januar 2017, nach Mazedonien knüpften wir dann im April 2017 erste Bekanntschaften. Konkret wurde die Planung im August und November 2017 mit zwei Vorbereitungsreisen. Unterkünfte und Flüge wurden gebucht, Proben- und Konzertorte gesucht, Reiseunternehmen vor Ort angefragt. Die Zusage für unsere Bewerbung beim International Youth Band Festival in Sindos, Thessaloniki kam dann im Februar 2018. Daraufhin bildeten der Vorstand des VJOs, die Orchestermitglieder und der Förderverein Pro VJO gemeinsam ein Team zur Finanzierung der Tour. Ein großer Aufwand war vor allem die Organisation des Fluges und der Transport aller Instrumente samt großem Schlagwerk. Schlussendlich organisierten wir einen Transporter für die größeren Instrumente, den vier unserer Musiker bis nach Griechenland und zurückfuhren.

BZ: Auf Ihrer Homepage http://www.vjo-ontour.de haben Sie das Finanzierungsbarometer veröffentlicht. Die Kosten von mehr als 60 000 Euro für Reise, Unterkunft und Verpflegung versuchen Sie, durch Spenden und Zuschüsse, den Förderverein Pro VJO, Registeraktionen, Crowdfounding und Gooding so weit zu decken, dass der Eigenanteil pro Musiker bei maximal 400 Euro liegt. Haben Sie dieses Ziel erreicht?
Lüttin: Wir haben durch die Finanzierungsaktion in etwa die Hälfte aller Ausgaben gedeckt. So konnten wir den Eigenanteil sogar auf 350 pro Mitglied senken. Entscheidenden Anteil daran haben vor allem die Orchestermusikerinnen und -musiker selbst: durch Aktionen wie z. B. Kuchenverkäufe, Straßenmusik oder Arbeitseinsätze auf Firmenevents sammelten sie mehr als 11 000 Euro. Aber ohne die zahlreichen Spenden von hiesigen Unternehmen und Privatpersonen wäre die Reise niemals zustande gekommen.

BZ: Wie viele Konzerte gab das VJO in Griechenland und Mazedonien während des zweiwöchigen Aufenthalts? Hatten Sie auch freie Zeit zur Verfügung?
Lüttin: Während der Tour spielten wir fünf größere Konzerte. Die erste Woche der Reise verbrachten wir in Mazedonien, in Struga am Ohridsee. Dort gaben wir nach intensiver musikalischer Probenarbeit drei Konzerte. Highlight der zweiten Woche war dann die Teilnahme am International Youth Band Festival in Thessaloniki. Dort gaben wir ein großes Konzert vor etwa 1500 Zuschauern und besuchten an anderen Abenden die Konzerte der weiteren Orchester. Neben Proben und Konzerten waren wir in Mazedoniens Nationalpark Galicica unterwegs, besichtigten orthodoxe Kirchen und antike Bauten in Ohrid und Thessaloniki und verbrachten auch einen Nachmittag am Strand. Am letzten Tag stand eine Wanderung auf dem Olymp auf dem Programm. Am Abend gaben wir dann in Makrygialos, am Fuße des Olymps, ein Doppelkonzert mit dem Kalamaria Wind Orchestra. Dort spielten wir die griechische Erstaufführung der sinfonischen Suite "Die Götter des Olymp" von Oscar Navarro, quasi am Originalschauplatz: Ein unvergessliches Erlebnis.

BZ: Wie sieht der Plan für die kommende Saison aus, wo liegt der Schwerpunkt des VJO unter dem Jahr in der Region und für die nächste Auslandstournee?
Lüttin: Nach einem arbeitsreichen Jahr gibt es nun für alle eine wohlverdiente Pause. Ende Januar starten wir dann mit einer offenen Probe, in der alle Interessierten willkommen sind, um das Orchester kennenzulernen. Um Ostern steht eine Probenwoche auf dem Programm, im Herbst die großen Jahreskonzerte. Alle zwei Jahre gehen wir auf eine Auslandsreise, in den Jahren dazwischen versuchen wir dann, an Wettbewerben oder Wertungsspielen teilzunehmen. Die Planungen für das nächste Jahr laufen bereits – angedacht sind neben einer Teilnahme bei einem Wertungsspiel auch ein Gegenbesuch unseres griechischen Austauschorchesters und eine professionelle CD-Einspielung im Studio. Für die nächste Auslandstournee gibt es noch keine konkreten Überlegungen, aber Träume aus dem Orchester gibt es genug ...

Roman Lüttin, der Vorsitzende des Verbandsjugendorchesters Hochrhein, ist 22 Jahre alt und studiert an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar Musikwissenschaft und Kulturmanagement. Vorsitzender ist er seit Herbst 2017, er musiziert beim VJO im Posaunenregister. Weitere Konzerte der Griechenland-Abschlusstournee des VJO finden am Samstag, 8.September, ab 20 Uhr in der Gemeindehalle Dogern sowie am Sonntag, 9. September, ab 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Leodegar Schliengen statt. Infos unter http://www.vjo-ontour.de sowie http://www.vjo-hochrhein.de